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Wirtschaft

Chinas Wachstum lahmt

Traumhafte Wachstumsraten in China gehören der Vergangenheit an, neueste Frühindikatoren verheißen nichts Gutes. Auch das Finanzsystem bereitet Sorgen. Der Druck auf die Regierung nimmt zu.

Die chinesische Wirtschaft hat im November weiter an Schwung verloren. Zwei wichtige Frühindikatoren deuten auf eine verschlechterte Stimmung in den Chefetagen von Industrieunternehmen hin. Der offizielle chinesische Einkaufsmanagerindex fiel nach Angaben vom Montag mit 50,3 Punkten auf den schlechtesten Stand seit acht Monaten, wie die nationale Statistikbehörde am Montag bekanntgab. Im Oktober hatte er noch bei 50,8 gelegen.

Hafen in Qingdao, China

Exportaufträge lassen nach

Auch der Index der britischen Großbank HSBC, der stärker kleinere und mittlere Unternehmen erfasst, fiel auf 50,0 Punkte, den niedrigsten Stand seit sechs Monaten. Im Oktober waren noch 50,4 erreicht worden. Die heimische Nachfrage ist schleppend, während das Wachstum neuer Exportaufträge nachlässt.

Ein Wert unter der kritischen Grenze von 50 bedeutet ein Schrumpfen - darüber expandiert die Industrie.

Druck auf Regierung steigt

Chinas Wirtschaft war im dritten Quartal mit einem Plus von 7,3 Prozent so langsam gewachsen wie seit Anfang 2009 nicht mehr. Dies könnte dazu führen, dass erstmals seit 15 Jahren das Wachstumsziel der Regierung verfehlt wird. Angepeilt ist ein Anstieg von 7,5 Prozent.

Die schlechten Nachrichten erhöhen den Druck auf die Regierung, den Geldhahn weiter aufzudrehen. Erst am 21. November hatte die Zentralbank überraschend den Leitzins gesenkt. "Die Zinssenkung scheint es nicht geschafft zu haben, die Stimmung zu verbessern", schrieb die Australia and New Zealand Bank (ANZ). "Wir glauben, dass die chinesischen Behörden die Lockerung im Dezember verstärken werden, um das Wachstum im ganzen Jahr um 7,5 Prozent zu halten." Die Royal Bank of Scotland rechnet in diesem Jahr aber nur mit 7,3 Prozent Wachstum in der zweitgrößten Volkswirtschaft und mit 7,2 Prozent für 2015.

Sparguthaben sollen abgesichert werden

Chinesische Zentralbank Hauptsitz Peking, Foto: rtrd

Chinas Zentralbank: Bankeinlagen sollen abgesichert werden

Auch das Finanzsystem bereitet in China Sorgen. Erstmals sollen nun Sparguthaben abgesichert werden. Dafür legte die chinesische Zentralbank am Sonntag neue Regeln vor, die Sparer vor Bankpleiten schützen sollen. Demnach wären Guthaben von bis zu 500.000 Yuan (umgerechnet rund 65.000 Euro) abgesichert. Das Vorhaben könnte staatlichen Medien zufolge Anfang 2015 umgesetzt werden und würde die kompletten Sparguthaben von 99,6 Prozent aller Kontoinhaber sichern. Die Banken des Landes haben nun bis zum 30. Dezember Zeit, sich zu dem Entwurf des für die Gesetzgebung verantwortlichen Gremiums des Staatsrats zu äußern.

Durch die Einlagensicherung will die Regierung es unter anderem für Sparer attraktiver machen, ihr Geld bei chinesischen Banken anzulegen. Ausgenommen von den neuen Regeln sind internationale Banken in China und Töchter von chinesischen Banken im Ausland. In China spielt sich ein großer Teil der Finanzgeschäfte außerhalb der Bankbilanzen ab.

Die Einführung einer Einlagensicherung, die Sparer bei Bankpleiten vor dem Schlimmsten bewahren und das Vertrauen in das Finanzsystem stärken sollen, gehört zu einem der wichtigsten Punkte einer großen Reform. Im Zuge dessen sollen beispielsweise auch die vom Staat vorgeschriebenen Zinsspielräume für Banken freigegeben werden. Bislang durften sie für Sparguthaben nicht mehr als das 1,2-fache eines von der Zentralbank festgelegten Satzes zahlen.

iw/ul (dpa, rtrd)

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