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Asien

Chinas Währung wird nur ein wenig flexibler

Am Rande des G20-Gipfels hat China seine Ankündigung bekräftigt, den Yuan-Wechselkurs zu flexibilisieren. Eine deutliche Aufwertung, wie sie vor allem die USA gefordert hatten, lehnte Peking jedoch ab.

US-Präsident Obama und Chinas Staatschef Hu bei bilateralen Gesprächen in Toronto (Foto:ap)

US-Präsident Obama und Chinas Staatschef Hu bei bilateralen Gesprächen in Toronto

US-Präsident Barack Obama und sein chinesischer Kollege Hu Jintao glauben an eine Verbesserung in den Beziehungen ihrer Länder. Beide Seiten hätten sich in den vergangenen Monaten angenähert, sagte Obama bei einem Treffen mit Hu am Rande des G20-Gipfels in Toronto. Dabei lud er den chinesischen Präsidenten zu baldigen Gesprächen nach Washington ein. Über einen der größten Streitpunkte, die von Washington geforderte Aufwertung des Yuan, konnte jedoch keine Einigung erzielt werden.

Künstlicher Überschuss

Ein chinesischer Bankangestellter stapelt Bündel mit Banknoten (Foto:dpa)

Wird Chinas Währung künstlich niedrig gehalten?

Ausdrücklich hatte Obama zuvor die Entscheidung Pekings gelobt, seine Währung Yuan in Zukunft flexibilisieren zu wollen. Er werte die Zusage als "ersten konstruktiven Schritt", erhoffe sich aber langfristig eine deutliche Aufwertung des Yuan, sagte Obama zum Abschluss des G20-Gipfels in Toronto. Die USA erwarteten keine 20-prozentige Aufwertung in einer Woche, doch mit einer stärkeren Marktorientierung der chinesischen Währung langfristig einen "bedeutenden" Kursanstieg, sagte Obama. China wird seit längerem vor allem in den USA dafür kritisiert, den Yuan unterzubewerten, um seine Exporte so künstlich zu verbilligen und damit Produkte anderer Länder aus dem Markt zu drängen. Damit werde auch der chinesische Handelsüberschuss künstlich hoch gehalten. Solche Handelsungleichgewichte, fürchten Kritiker vor allem in den USA, vernichteten nicht nur Arbeitsplätze in den westlichen Industrienationen, sondern verschärften auch die globale Wirtschaftskrise.

Bereits Mitte Juni hatte die Volksrepublik überraschend eine Flexibilisierung ihrer Währung angekündigt. China wolle damit seine Wachstumsstrukturen ändern, erklärte der Koordinator der chinesischen Wirtschaftspolitik, Ma Xin. Die Exportabhängigkeit solle reduziert, der Dienstleistungssektor und die heimische Nachfrage gefördert und die Einkommen der Menschen erhöht werden. Dabei hätte dieser Kurswechsel nichts mit Druck von außen zu tun, erklärte Ma Xin.

Absage aus Peking

Spielzeug made in China in einem US-Kaufhaus (Foto:ap)

Spielzeug "made in China" in einem US-Kaufhaus

Die chinesische Delegation beim G20-Gipfel in Toronto erteilte jedoch der von den USA gewünschten starken Aufwertung des Yuan jetzt eine klare Absage. Zhang Tao, der Direktor der chinesischen Zentralbank, betonte, die Wechselkursreform werde schrittweise verfolgt und hänge von den wirtschaftlichen Bedingungen in China ab. Ausländischen Druck wiesen Zhang Tao und andere Offizielle entschieden zurück. China erwartet auch keine Veränderung seines großen Handelsüberschusses. "Ich denke nicht, dass die Wechselkursreform große Auswirkungen auf die Handelsbilanz haben wird", sagte der Direktor im Handelsministerium, Yu Jianhua. Der Überschuss sei in den ersten fünf Monaten des Jahres schon um 60 Prozent zurückgegangen. Mit Blick auf Chinas Außenhandel in diesem Jahr zeigte sich Yu Jianhua nicht optimistisch. Gründe seien die Schuldenkrise in Europa, Chinas größtem Handelspartner, die Euro-Schwäche, die steigenden Lohnkosten in China und der Anstieg der Rohstoffpreise.

Trotz der Differenzen stellten beide Staatsoberhäupter eine erkennbare Verbesserung ihrer Beziehungen fest. Offene Konfrontationen wurden daher in Toronto auch weitestgehend vermieden. So finden sich auch im Abschlussdokument des G20-Gipfels keine Angaben zur chinesischen Landeswährung. Am Montag (28.06.2010) setzte China den Yuan zumindest auf seinen höchsten Wert seit Juli 2005 herauf. Im Vergleich zum Stand von Freitag vor dem Gipfel wurde der Yuan allerdings nur um den Bruchteil eines Prozents aufgewertet.

Autor: Thomas Latschan (afp, dpa, rtr)
Redaktion: Thomas Kohlmann