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Asien

Chinas Strategie in Afrika

China zählt zu den aktivsten Investoren in Afrika. Kritiker befürchten, dass die geschäftlichen Interessen auf Kosten der Menschenrechte gehen. Peking versucht unterdessen, Konflikte mit anderen Investoren zu vermeiden.

Chinesischer und äthiopischer Arbeiter in Addis Abbeba (Foto: AP)

Engagement in Afrika: Eine chinesische Baustelle im äthiopischen Addis Abbeba

Nicht in fremde Angelegenheiten einmischen und sich stattdessen lieber auf wirtschaftliche Interessen konzentrieren. So sieht - einfach ausgedrückt - die chinesische Investitionspolitik im Ausland aus. Seit mehr als 50 Jahren verfolgt Peking konsequent diese Linie. Und dabei entdeckt der wirtschaftlich aufstrebende asiatische Riese immer neue Weltregionen für sich.

So ist China derzeit einer der aktivsten Investoren in Afrika. Und ein gern gesehener dazu, erklärt Marina Peter vom "Ökumenischen Forum Sudan". Gerade wegen seiner "unkomplizierten" Auslandspolitik sei die Volksrepublik für viele afrikanische Staaten ein bevorzugter Geschäftspartner. "Im internationalen Vergleich ist China das Land, das überall hin Kontakte hat und mit Investitionen beispielsweise im Bereich Infrastrukturaufbau in fast jedem afrikanischen Land weit vorn liegt."

Sicherheitsprobleme

Symbolbild eines Handshakes zwischen einem Afrikaner und einem Chinesen (Foto: picture alliance / dpa)

Im vergangenen Jahrzehnt hat China sein Engagement in Afrika deutlich ausgebaut

Seit Anfang des neuen Jahrtausends drängt China immer massiver auf den vielerorts von ethnischen Konflikten, Bürgerkriegen, Armut, Korruption und den Folgen des Kolonialismus geprägten Kontinent. Dabei wurden chinesische Firmen wiederholt zum Ziel von Rebellen. Seitdem wurden beispielsweise bei Auseinandersetzungen in Nigeria, Sambia, Sudan und Äthiopien chinesische Staatsbürger entführt oder umgebracht.

Neue Strategien

Mit dieser Gewalt und den Konflikten in vielen afrikanischen Ländern konfrontiert kam China nicht umhin, seine Politik des Nichteinmischens in Frage zu stellen, meint Jonathan Holslag vom Brüsseler "Institute of Contemporary China Studies". In seiner wissenschaftlichen Arbeit "Die Antwort Chinas auf politische Instabilität in Afrika" untersucht Holslag Chinas Investitionen in fünf afrikanischen Ländern: in der Zentralafrikanischen Republik, in Mauretanien, Guinea, Madagaskar und Niger. All diese Länder erlebten zwischen 2003 und 2010 einen Militärputsch. Sein Fazit: China war immer bereit zu kooperieren - egal, wer jeweils an die Macht kam, ob es sich um Diktatoren oder demokratisch gewählte Führer handelte. Die eigenen wirtschaftlichen Interessen standen für Peking immer im Vordergrund.

Je tiefer die Volksrepublik aber in die Konfliktregionen Afrikas eindringe, desto mehr müsse sie auch ihre Politik des Nichteinmischens in Frage stellen - nicht zuletzt, um die eigenen Staatsbürger zu schützen. "Sicherheit geht vor, daher zeigt sich China immer flexibler im Umgang mit verschiedenen lokalen Regierungen." Nach Ansicht von Holslag lässt sich besonders in der jüngsten Vergangenheit eine klare Tendenz erkennen. "China gibt vielen afrikanischen Ländern mehr und mehr diplomatische aber auch militärische Unterstützung."

Chinesische und nigerianische Frauen auf einem Markt in Lagos (Foto: AP)

Auch chinesische Frauen gehören mittlerweile zum Alltagsbild - wie hier auf einem Markt im nigerianischen Lagos

Menschenrechtsfragen

Menschenrechtler kritisieren, mit dieser Haltung unterminiere China die universellen Menschenrechte. Diese Kritik will Peking so nicht auf sich sitzen lassen, meint Jonathan Holslag vom Brüsseler "Institute of Contemporary China Studies" - und den schwarzen Peter auch anderen Nationen in die Schuhe schieben. Westliche Länder wie beispielsweise die USA würden zwar die Menschenrechte hochhalten, andererseits aber auch nach ihren wirtschaftlichen Interessen handeln.

Trotz aller Kritik aus dem Westen verfolge das Reich der Mitte daher seine eigenen Strategien weiter. Denn chinesische Spitzenpolitiker seien der Auffassung, dass "die liberale Politik des Westens einfach nicht effektiv ist". Und den Vorwurf, die Menschenrechte zu missachten, wollen sich chinesische Führer so nicht gefallen lassen, so Holslag, denn "die Chinesen wissen, dass der Westen oftmals selbst mit einer Doppelmoral handelt - dass westliche Länder oft genug die Augen vor Menschenrechtsfragen verschließen, sobald wichtige wirtschaftliche Interessen in den jeweiligen afrikanischen Ländern eine Rolle spielen."

Wettbewerb um Einfluss

Der chinesische Staatspräsident Hu bei seinem Besuch in Kamerun 2007 (Foto: AP)

Hu Jintao in Kamerun: Im Jahr 2007 tourte der chinesische Staatspräsident durch acht afrikanische Länder

Der starke Investitionsdrang ist auch vor dem Hintergrund zu erklären, dass China schlicht darauf angewiesen ist, sich für die Zukunft Energiequellen zu sichern. Doch trotz aller Expansionsbestrebungen müssen chinesische Geschäftsleute immer auch vorsichtig sein, um Konflikte mit anderen Investoren auf dem afrikanischen Kontinent - neben den USA beispielsweise auch Indien - zu vermeiden. Indien hat vergleichsweise spät damit begonnen, den afrikanischen Markt für sich zu entdecken. Mittlerweile aber nehmen die indischen Aktivitäten mehr und mehr zu. Dabei seien indische Geschäftsleute inzwischen vielerorts willkommener als ihre chinesischen Kollegen, erklärt Lawrence Sáez von der "School of Oriental and African Studies" der Universität von London. "Die chinesische Vorgehensweise ist quasi neo-kolonialistisch. Das hat Indien erkannt und nutzt es jetzt zum eigenen Vorteil. Indische Unternehmer gehen demonstrativ hin und sagen: 'Wir sind anders als die Chinesen, wir beziehen die lokale Bevölkerung in unsere Projekte mit ein'."

Nach Ansicht des Londoner Fernost-Experten Jonathan Holslag hat China aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt und begonnen, seine Investitionspolitik entsprechend anzupassen. Eine stabile Infrastruktur in den jeweiligen Ländern aufbauen und wirtschaftliches Wachstum fördern - das ist wichtig auch für den eigenen Erfolg. Und deshalb ist es das Rezept, auf das China in Zukunft bei seinen Geschäften auf dem afrikanischen Kontinent setzt.

Autorin: Sarah Berning

Redaktion: Adrienne Woltersdorf / Esther Felden