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Asien

Chinas Quiz für gute Kommunisten

Wie steht es um die KP? Das will China mit einem Online-Quiz herausfinden. Die Teilnahme ist für Mitglieder staatlicher Institutionen obligatorisch. Aber jeder kann teilnehmen. Die DW wagt den Selbstversuch.

Die erste Frage überrascht: "Parteimitglieder, die zu Freiheitsstrafe von weniger als drei Jahren verurteilt werden, werden zusätzlich mit welcher der folgenden Sanktionen beleget: a) Abmahnung, b) Amtsenthebung innerhalb der Partei, c) Ermahnung oder d) Parteiausschluss."

Aber nicht nur die erste von zwanzig Fragen, die aus einem Katalog von insgesamt 300 per Zufall ausgewählt wird, hängt mit kriminellen Machenschaften zusammen. Auch die zweite Frage dreht sich um Sanktionsmöglichkeiten gegenüber Mitgliedern. Was passiert parteiintern, wenn die Staatsanwaltschaft nach Einleitung der Ermittlungen keine Anklage erhebt.

Der DW-Proband hatte erwartet, zu Karl Marx oder zur kommunistischen Ideologie befragt zu werden. Aber nein! Stattdessen geht es um Disziplinarverfahren in der Partei.

Obligatorische Teilnahme

In den kommenden drei Wochen haben die Parteimitglieder Zeit, ihr Grundwissen über die Parteisatzung, Wahlordnung und Grundsatzprogramm aufzufrischen.

Von den zwanzig Fragen, die die DW beantworten darf, handelt es sich bei mehr als der Hälfte der Fragen um Korruption. Wie kann sie in der Partei bekämpft werden und welche Konsequenzen hat sie? Bei den anderen Fragen will Peking vom DW-Probanden wissen, ob sich dieser mit der parteiinternen Wahlordnung auskennt.

Screenshot Chinas Quizshow für gute Kommunisten

So sieht es aus, das Online-Quiz für gute Kommunisten

Kaum Inhalt

Zum Parteiprogramm und inhaltlichen Themen wird nur eine einzige Frage generiert: "2016 ist das Jahr der entscheidenden Phase für den Aufbau einer wohlhabenden Gesellschaft und das Jahr des Strukturwandels. Was steht an erster Stelle, um erfolgreich in den 13. Fünf-Jahresplan zu starten? a) Innovation, b) Stabilität, c) Reformen oder d) Entwicklung."

Etwas pauschal, denkt der Normalsterbliche im Bonner Funkhaus. China braucht Stabilität, kein Zweifel. Für den Strukturwandel aber werden natürlich auch Innovationen und Reformen gebaucht. Nun so kann die Entwicklung im bevölkerungsreichsten Land der Welt fortgesetzt werden.

Wer sucht, der findet.

Wer kann helfen, wenn man nicht weiter weiß? Baidu hilft. Das ist die marktbeherrschende Suchmaschine in China, die Google aus dem Land gejagt hat.

Frage kopiert und eingefügt. Eingabe!

Baidu kennt tatsächlich die Antwort. In letzter Zeit dominiert das Thema "Entwicklung und Wachstum" die Berichterstattung der staatlich kontrollierten Medien. Die richtige Antwort kann demnach nur lauten: d) Entwicklung. Es funktioniert.

Der eigentliche Witz bei der Baidu-Suche ist allerdings: Die 300 Fragen mit den richtigen Antworten gibt es schon im Netz, und zwar nach Themen und Relevanz sortiert, sogar mit Gewichtung der Antworten.

Die DW verfügt weder über eine Organisationsnummer noch über eine Personalnummer im KP-Apparat, die nach der 20. Frage eingegeben werden müssen. Das Quiz kann so bedauerlicherweise nicht in die Bewertung einfließen.