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Wirtschaft

Chinas Plan und Deutschlands Maschinen

Um seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und weniger abhängig von ausländischen Technologien zu sein, will China kräftig investieren. Für den deutschen Maschinenbau bedeutet das: neue Chancen, aber auch Risiken.

Planwirtschaft ist für deutsche Unternehmer ein Schimpfwort. Es riecht nach Inflexibilität und Marktferne, nach DDR und UdSSR. Doch wenn die international erfolgreichen deutschen Maschinen- und Anlagenbauer auf den 12. Fünfjahresplan schauen, den der Volkskongress im kommunistischen China im vergangenen Jahr beschlossen hat, dann spotten sie nicht. Ganz im Gegenteil.

"Der Fünfjahresplan der Chinesen ist ein riesiger Investitionsplan, ein riesiger Technologieplan", sagt Thomas Lindner, Präsident des Branchenverbands VDMA. "Und Chinesen sind grundsätzlich pragmatisch. Wenn sie merken, dass ein Plan nicht aufgeht, verändert sie ihn. Sie halten nicht starr daran fest, wie wir das in der DDR gesehen haben oder in Russland."

China ist mit Abstand der größte Maschinenproduzent der Welt. Im letzten Jahr produzierte die Volksrepublik Maschinen- und Anlagen im Wert von 560 Milliarden Euro – soviel wie in Japan und den USA zusammen. Deutschland folgt auf Platz vier, ist jedoch beim Export führend, und China ist für die Deutschen der wichtigste Kunde. Es muss sie daher brennend interessieren, was die chinesische Führung für die nächsten fünf Jahre plant.

Große Chancen, große Risiken

"Der deutsche Maschinenbau hat auf der Basis des 12. Fünfjahresplans eine Menge Möglichkeiten und Chancen, weil es viele Investitionen geben wird, bei denen deutsche Technologie benötigt wird und deutsche Maschinen", sagt Jörg Nürnberg, Direktor der chinesischen Niederlassung der Beratungsgesellschaft Droege. Im Auftrag der Impuls-Stiftung des VDMA hat er den chinesischen Fünfjahresplan untersucht.

Der Fünfjahresplan nennt sieben strategische Sektoren, die für die chinesische Wirtschaft besonders wichtig sind. Dazu gehören Neue Energiequellen, Energieeffizienz, umweltfreundliche Fahrzeuge und Ausrüstung auf dem neuesten Stand der Technik. Die Sektoren sind in 27 Schlüsselindustrien aufgeteilt, in die China bis 2015 viel Geld pumpen wird: umgerechnet insgesamt 1200 Milliarden Euro. Das Ziel: Der Anteil der strategischen Sektoren an der Wirtschaftsleistung soll sich verdoppeln.

Weil China dafür modernste Technolgie benötigt, sieht Nürnberg hier große Chancen für deutsche Unternehmen. "Aber der deutsche Maschinenbau muss sich auch darauf einstellen, dass der Wettbewerb zunehmen wird", warnt der Berater.

Innovationsmaschine

Denn China setzt verstärkt auf Innovation. Maschinenbaufirmen erhalten klare Vorgaben, ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) zu steigern, und werden dafür vom Staat gefördert. Bis 2015 will das Land zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für F&E einsetzen, das entspricht umgerechnet etwa 215 Milliarden Euro. Deutschland investiert mit 2,8 Prozent der Wirtschaftsleistung relativ viel in Forschung und Entwicklung. In absoluten Zahlen entspricht dies aber nur 70 Milliarden Euro.

Die Botschaft des chinesischen Fünfjahresplans ist also deutlich: Das Land will weg von Billigprodukten und hin zur technologischen Weltspitze, auch beim Maschinenbau. "Das geht runter bis zu einzelnen Technologien, die entwickelt werden müssen. So hat man etwa bei Antriebstechnologien ganz klar definiert, was dort zu erreichen ist", sagt Nürnberg. "Weltweit wurden Unternehmen identifiziert, denen chinesische Firmen nacheifern sollen. Der Plan sagt aber auch: Wenn das nicht ausreicht, um unsere Ziele zu erreichen, dann müssen wir eben im Ausland investieren, also andere Unternehmen kaufen."

Betonpumpe des deutschen Herstellers Putzmeister

Der Betonpumpen-Hersteller Putzmeister wurde von einer chinesischen Firma übernommen

Schon im vergangenen Jahr übernahmen chinesische Firmen mit SaarGummi und Preh zwei traditionsreiche deutsche Automobilzulieferer. In diesem Jahr kaufte der chinesische Baumaschinenhersteller Sany die deutsche Putzmeister Gruppe. Solche Übernahmen werden wahrscheinlich zunehmen. Laut Fünfjahresplan wird die chinesische Investitionsbehörde  eine aktivere Rolle spielen, um Übernahmen durch Staatsunternehmen zu erleichtern. Zudem hat die Regulierungsbehörde chinesische Banken angewiesen, lokalen Unternehmen ausreichend Geld für Investitionen zur Verfügung zu stellen.

Fairer Wettbewerb

Thomas Lindner, Verbandspräsident der Maschinen- und Anlagenbauer, schreckt das alles nicht. Allerdings fordert er einen fairen Wettbewerb. Es dürfe nicht sein, dass die Zentralregierung einerseits Auslandsinvestitionen chinesischer Firmen fördert, andererseits aber deutsche Unternehmen in China einschränkt. Das habe er vor kurzem auch dem chinesischen Wissenschaftsminister gesagt.

Eine weitere Gefahr ist, dass die chinesische Regierung einzelne Märkte für ausländische Wettbewerber einfach schließt. Das ist etwa bei Windanlagen geschehen, um lokale Produzenten zu schützen. Ausschließen könne man das natürlich nie, meint Lindner. "Aber die beste Garantie dagegen ist, wenn wir immer soviel besser sind, dass es sich für China nicht lohnt, Branchen dicht zu machen. Denn dann würden sie mehr verlieren, als sie bei einem offenen Markt gewinnen."

Lindner empfiehlt deutschen Herstellern daher, Produktion, Entwicklung und Service in China auszubauen und neue Kooperationen einzugehen. Das wichtigste aber sei noch mehr Innovation. Nur so könne der chinesische Wettbewerb auf Distanz gehalten werden.

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