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Wirtschaft

Chinas Konjunkturprogramm sorgt für Kursfeuerwerk

600 Milliarden Dollar will China in den kriselnden Finanzmarkt pumpen. Die Börsen weltweit reagierten positiv. Auch die Preise von Öl und Edelmetallen legten zu.

Bringt der chinesische Geldregen den erhofften Segen? Die Minister Glos (l.) und Chen in Berlin (dpa)

Bringt der chinesische Geldregen den erhofften Segen? Die Minister Glos (l.) und Chen in Berlin

Die Börsen in Asien und Europa verzeichneten am Montag (10.11.2008) große Kurssprünge nach der Ankündigung der chinesischen Führung vom Vortag. In Tokio, Hongkong und Shanghai legten die Barometer zwischen 3,5 und sieben Prozent zu. Der Deutsche Aktienindex DAX lag mit mehr als drei Prozent im Plus. Besonders gefragt waren hier Stahlwerte.

Eine Verteuerung gab es bei Metallen und Öl: Kupfer legte um zehn Prozent, Nickel um 13 Prozent und Zink um sieben Prozent zu. Auch der Ölpreis stieg, und zwar um fünf Prozent, nachdem Saudi Arabien angekündigt hatte, seine Lieferungen nach Asien zu drosseln.

Dax-Barometer (DW-Screenshot)

Gute Stimmung an der deutsche Börse in Frankfurt am Main am Montag

Nach Angaben des Finanzexperten Peter Fertig vom Bankhaus Dresdner Kleinwort gehen die Händler davon aus, dass wegen des Konjunkturprogramms in den kommenden beiden Jahren in China mehr in den Hausbau und den Ausbau der Infrastruktur investiert werde. "Dies steigert die Nachfrage nach Metallen und Energie", so Fertig. Auch der Goldpreis werde dadurch auf einem hohen Niveau bleiben. Dieser stieg am Montag auf ein neues Hoch von rund 754 US-Dollar je Unze.

Hauptfokus: Wohnungsbau und Infrastruktur

Knapp eine Woche vor dem Weltfinanzgipfel in Washington hatte die chinesische Führung am Sonntag eine Finanzspritze von umgerechnet 568 Millionen US-Dollar angekündigt. Damit soll die heimische Wirtschaft angesichts erwarteter Rückgänge beim Export bis 2010 gestützt werden. Investiert werden soll vor allem in Infrastruktur- und Sozialprojekte in zehn Hauptbereichen.

Chinas Regierungschef Wen: Wir leisten größten Beitrag für die Welt, hier bei einer Konferenz in Peking (ap)

Chinas Regierungschef Wen: "Wir leisten größten Beitrag für die Welt", hier bei einer Konferenz in Peking

Darunter sind der Wohnungsbau für untere Einkommensschichten, die Infrastruktur im ländlichen Raum, Projekte der Wasser- und Elektrizitätswirtschaft, das Transportwesen sowie die Bereiche Umweltschutz und technische Innovationen. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua sollen auch die Bedingungen für die Vergabe von Krediten gelockert werden. Auch Steuererleichterungen seien geplant. Allein die Entlastung bei Unternehmenssteuern will sich der chinesische Staat umgerechnet 17,6 Milliarden US-Dollar kosten lassen.

Das staatliche Fernsehen zitierte Ministerpräsident Wen Jiabao am Montag mit den Worten, mit dem Konjunkturprogramm werde nicht nur die heimische Wirtschaft angekurbelt. "Es ist auch unser größter Beitrag für die Welt". Am Wochenende hatte Weltbankpräsident Robert Zoellick bei der Tagung der so genannten G20-Staaten im brasilianischen Sao Paulo Schwellenländer wie China aufgerufen, ihren Beitrag zur Lösung der weltweiten Finanzkrise zu leisten. Ähnlich hatte sich auch der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jörg Asmussen, geäußert. Wenn diese Länder mehr Mitspracherechte wollten, müssten sie sich auch finanziell stärker engagieren.

Deutschland hofft auf Impulse

Das Konjunkturprogramm war auch Hauptgesprächsthema der turnusmäßigen Sitzung der chinesisch-deutschen Wirtschaftskommission in Berlin an diesem Montag. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos zeigte sich nach dem Gespräch mit Chinas Handelsminister Chen Deming optimistisch, dass das Programm auch Impulse für Deutschland bringe. "Ich glaube, daraus ergeben sich auch gute Liefermöglichkeiten und Geschäftsbeziehungen für deutsche Unternehmen".

Beide Minister bekundeten ihren den Willen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Staaten weiter auszubauen. Chen sagte, er rechne damit, dass in diesem Jahr der bilaterale Handel die 100-Milliarden-Dollar-Marke überschreiten werde. Laut Glos haben die deutschen Ausfuhren nach China in den ersten acht Monaten 2008 um mehr als 17 Prozent zugenommen.

Glos und Chen in Konferenzraum (dpa)

'Missverständnisse ausgeräumt'

Bei dem Treffen wurden auch, so der deutsche Wirtschaftsminister, "Missverständnisse" ausgeräumt. Dabei ging es um neue gesetzliche Bestimmungen in Deutschland, nach denen die Bundesregierung unter bestimmten Bedingungen die Übernahme deutscher Unternehmen durch Ausländer verhindern kann. Glos stellte klar, chinesische Investoren, auch der Staatsfonds des Landes, seien in Deutschland willkommen. "Wir laden die Chinesen ausdrücklich ein, nach Deutschland zu kommen". (hy)

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