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Asien

Chinas Jagd auf Fußballstars

Chinas Fußballliga entwickelt sich zum Paradies für alternde Top-Stars – hier können sich die Fußballrentner das Karriere-Ende vergolden lassen. Und auch junge Talente folgen dem Lockruf des Geldes nach China.

Didier Drogba nach dem Triumph im Champions-League-Finale gegen Bayern München

Champions League Finale 2012

Er war der Held des Champions-League-Finales in München. Chelseas Stürmer Didier Drogba erzielte den Ausgleich gegen den FC Bayern und rettete seinen Verein in die Verlängerung. Im Elfmeterschießen behielt er beim entscheidenden Versuch die Nerven. Der Triumph gegen die Bayern war wohl das letzte Spiel des 34-jährigen für den FC Chelsea. Drogba wird den Verein verlassen. Wohin er wechselt, ist noch unklar. Ihm soll ein hochdotiertes Angebot des chinesischen Fußballklubs Shanghai Shenhua vorliegen.

Lucas Barrios im Trikot von Borussia Dortmund beim Torjubel

Stürmer Lucas Barrios wechselt vom Deutschen Meister Borussia Dortmund zu Guangzhou Evergrande FC

Drogba wäre nicht der erste Fußballprofi, den es von Europa nach China zieht. In der letzten Winterpause wechselte der ehemalige französische Nationalspieler Nicolas Anelka vom FC Chelsea zu Shanghai Shenhua. Der chinesische Meister Guangzhou Evergrande FC kaufte Stürmer Lucas Barrios von Borussia Dortmund. Laut der chinesischen Fußballzeitschrift "Football" stehen auch die Leverkusener Spieler Stefan Kießling und Gonzalo Castro, sowie Bryan Ruiz vom FC Fulham auf der Einkaufsliste von Evergrande. 30 Millionen Euro will der Klub investieren. Auch Danijel Pranic vom FC Bayern München und Mladen Petric vom Hamburger SV sollen ein millionenschweres Angebot aus China vorliegen haben.

Top-Spieler werten chinesischen Fußball auf

Der Ex-Fußballprofi Jörg Albertz war einer der ersten europäischen Spieler, die in der chinesischen Fußballliga spielten. 2003 wechselte er vom Hamburger SV für ein Jahr zu Shanghai Shenhua. Albertz ist sich sicher, dass China mit dem Transfer von Top-Stars seine Fußballliga aufwerten will. "Man ist nicht mehr mit dem Status zufrieden, den man gegenüber anderen Ländern hat. Da arbeitet man richtig hart dran und dazu braucht man natürlich auch große Spieler, große Namen."

Marcello Lippi, ehemaliger italienischer Nationaltrainer, gibt Anweisungen an der Seitenlinie.

Italiens Ex-Nationalcoach Marcello Lippi zieht es nach China

Und die sollen auch das Niveau der einheimischen Spieler heben. Dafür greifen chinesische Vereine tief in die Tasche. Die Spielergehälter für Top-Stars in China sind phänomenal. Lucas Barrios soll bei seinem neuen Arbeitgeber sechs Millionen Euro pro Jahr verdienen. Guangzhou Evergrande FC will zudem eine Akademie für den Fußballnachwuchs aufbauen und erhält dabei Unterstützung von Real Madrid. Zuletzt gelang Evergrande ein weiterer spektakulärer Coup. Der chinesische Meister verpflichtete den ehemaligen italienischen Nationaltrainer Marcello Lippi.

Mäzene investieren Millionen

Hinter vielen chinesischen Vereinen stehen Unternehmen oder reiche Privatmäzene. Guangzhou Evergrande und Shanghai Shenhua gelten als besonders finanzstarke Klubs. Shanghai Shenhua gehört dem chinesischen Geschäftsmann Zhu Jun, der mit Online-Computerspielen Millionen verdient. Hinter dem Klub aus Guangzhou steckt das Immobilienunternehmen Evergrande. Dessen Vorstandsvorsitzender Xu Jiayin steht auf der Liste der reichsten Chinesen, die das chinesische Magazin "Hurun Report" jedes Jahr herausgibt, auf dem fünften Platz. Sein Vermögen wird auf über sieben Milliarden US-Dollar geschätzt.

Der Journalist Oliver Voß vom Magazin "Wirtschaftwoche" beschäftigt sich intensiv mit dem chinesischen Fußballmarkt. Wie auch in den USA oder in Japan würden sich ältere Fußballstars in China ihr Karriere-Ende vergolden lassen, so Voß. Aber auch junge Spieler ziehe es nach China. "Das überraschende und neue an China ist, dass die Vereine zum Beispiel einen Spieler wie Lucas Barrios holen, der ist erst 27 Jahre alt." Barrios hätte auch in Europa bleiben und noch bei anderen großen Klubs spielen können, so Voß.

Der Ex-Fußballprofi Jörg Albertz im Trikot von Shanghai Shenhua

Jörg Albertz war einer der ersten europäischen Fußballprofis, die in China spielten

Besonders auf Talente aus Südamerika haben es die chinesischen Klubs abgesehen. Von Union Berlin kaufte der FC Changchun Yatai den 24-jährigen Kolumbianer John Jairo Mosquera. Schon 2011 holte Guangzhou Evergrande den 29-jährigen Argentinier Dario Conca von Fluminense Rio de Janeiro. Conca war zuvor Spieler des Jahres in Brasilien. Angeblich soll er zehn Millionen Euro im Jahr verdienen. Damit gehört er zu den fünf bestbezahlten Spielern der Welt.

Geld und Risiko

Gerade für junge Spieler ist ein solch finanziell reizvoller Wechsel nach China allerdings nicht ganz ohne Risiko. In China kann die Karriere schnell ins Stocken geraten. "Ich glaube schon, dass es sehr schwer ist nach einem Wechsel nach China noch mal irgendwo anders unterzukommen", sagt Ex-Fußballprofi Jörg Albertz. "Man ist dann von der Bildfläche verschwunden."

China als letzte Station in der Karriere wie bei den Altstars. Das könnte auch jungen Spielern wie Lucas Barrios drohen.

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