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Politik

Chinas Interessen in Afrika

China drängt mit Macht nach Afrika: Die Volksrepublik investiert in Öl-Raffinerien, baut Autobahnen, liefert Konsumgüter. Der ganze Kontinent spürt die noch leise, aber doch sichtbare Präsenz der neuen Wirtschaftsmacht.

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Chinesische Entwicklungshilfe: Verlegung von Telefonkabeln in Nigerias Haupstadt Lagos

In den vergangenen Jahren haben Chinas Führer und Diplomaten eine Vielzahl afrikanischer Hände geschüttelt. Staatschef Hu Jintao Seite an Seite mit Nigerias Präsident Obasanjo, Hu Jintao neben seinem simbabwischen Amtskollegen Robert Mugabe. Und erst kürzlich, im August 2005, weilte der kenianische Präsident Mwai Kibaki in Peking. Freundliche Bilder, fester Händedruck, Schulterschluss. Am Montag (24.4.2006) beginnt Hu Jintao einen neuen Besuch. Er wird ihn und seine Delegation nach Marokko, Nigeria und Kenia führen.

"Hinter diesem wachsenden Interesse stehen zwei Bedürfnisse: Zum einen ist China, als wachsender Industriestaat, sehr interessiert an Absatz-Märkten. Zum anderen geht es um Energie und Ressourcen", sagt Xuewu Gu, Direktor des Instituts für Ostasien-Politik der Universität Bochum.

Gutes Verhältnis

Energie für 1,3 Milliarden Chinesen - da interessiert vor allem eines: Öl. Chinas boomende Wirtschaft lechzt nach neuen Rohstoff-Quellen. In nur wenigen Jahren ist Peking zum zweitgrößten Öl-Konsumenten der Welt geworden; gleich nach den USA. Heute importiert China aus dem Ausland etwa 3,2 Millionen Fass pro Tag - vier Mal so viel wie noch vor sechs Jahren.

China Entwicklungshilfe in Afrika Nigeria

Chinas Interesse an Nigerias Öl ist groß

Auf dem afrikanischen Kontinent wächst Chinas Präsenz derweil rasant. Sei es eine neue Autobahn in Äthiopiens Hauptsstadt Addis Abeba oder eine diplomatische Vertretung im westafrikanischen Senegal. Nach einer Blitz-Visite im Januar 2005 überraschte China mit seinem ersten Öl-Feld vor der Küste Nigerias. Der Investitionswert liegt bei rund zwei Milliarden Euro.

Dieses Geschäftsgebaren wird von den Afrikanern durchaus positiv wah rgenommen, meint Dennis Tull von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik: "Aus Sicht der Regierungen ist das Engagement Chinas sehr willkommen. Man diversifiziert seine wirtschaftlichen, politischen Partner und reduziert dadurch seine Abhängigkeit vom Westen." Gerade die autokratischen Regierungen begrüßten Chinas Einsatz. "Denn die Chinesen mischen sich nicht in Fragen der Innenpolitik ein", berichtet Tull.

Chinas Zurückhaltung im Sudan-Konflikt

Der gewaltige Energiehunger hat Chinas Außenpolitik verändert. Das rasante Wachstum der heimischen Nachfrage zwingt das Land, neue Lieferquellen zu erschließen - und zwar Quellen, die noch nicht von Europa oder den USA besetzt sind.

Flüchtlingslager in Darfur

Flüchtlingslager in Darfur

Bürgerkriege, Flüchtlingsströme oder Korruption sind für die Volksrepublik kein Hinderungsgrund für Investitionen. Beispiel Sudan: Die Chinesen ignorierten die Massenvertreibung in der Region Darfur und investierten mehr als zwei Milliarden US-Dollar in die Öl-Industrie des Landes. Bemühungen der USA im UN-Sicherheitsrat, Sanktionen gegen die Regierung in Khartum zu verhängen, scheiterten am Veto Chinas und Russlands.

Xuewu Gu findet Verständnis für diese Position. "Aus meiner Sicht haben sich die Chinesen enthalten. Das bedeutet: Sie haben nicht blockiert, dass eine UNO-Resolution verabschiedet wurde. Auf der anderen Seite haben sie Sudan geholfen, seine ökonomische Entwicklung voran zu treiben. Das Regime hat zwar auch von dieser chinesischen Hilfe profitiert. Die Alternative wäre aber eine totale Blockade des Landes gewesen, was die Situation vielleicht noch verschlimmert hätte."

Klare Trennung

Die Haltung Chinas brüskiere aber viele westliche Staaten, weiß Dennis Tull. Im Fall des Sudan helfe die Position Chinas nicht, den Konflikt zu lösen. Das Reich der Mitte setzt auf die Politik der "Nichteinmischung in innere Angelegenheiten". Das heißt: keine Kritik an Menschenrechtsverletzungen, keinen Druck ausüben in Sachen Demokratieförderung. Und genau das macht das Land zu einem äußerst attraktiven Geschäftspartner für autokratische Regierungen auf dem afrikanischen Kontinent.

Peking vergibt Kredite ohne Konditionen - eine zwiespältige aber erfolgreiche Strategie, meint Xuewu Gu: "Die Chinesen sagen, wir machen hier Geschäfte. Wir kümmern uns nicht um Politik. Angeblich ist diese Strategie auf riesengroße Zustimmung ihrer afrikanischen Partner gestoßen."

Die Zeiten, in denen die ehemaligen Kolonialmächte und die USA die dominierenden Akteure auf dem afrikanischen Kontinent waren, sind vorbei. Nach Xuewu Gu sei der westliche Weg gescheitert. Die Volkrepublik China bestreite nun einen neuen, eigenen Weg der Wirtschaftsbeziehungen. "Die Chinesen sagen, man muss abwägen. Entweder sind wir Mitläufer der westlichen Länder, oder wir machen unsere eigenständige Afrika-Politik."

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