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Asien

Chinas Interessen in Afghanistan

China baut sein Engagement in Afghanistan aus. Dass es sich aber am westlichen Militäreinsatz beteiligt, ist unwahrscheinlich.

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Eine chinesische Delegation besucht die Kupfermine Aynak in Afghanistan

Die Eisenerzmine Hajigak liegt etwa 100 Kilometer nordwestlich von Kabul. Hier werden 1,8 Milliarden Tonnen Eisenerz vermutet. Chinesische Staatsunternehmen sind an diesen Vorkommen interessiert. Bereits 2008 hatte sich ein staatliches chinesisches Bergbaukonsortium die Schürfrechte an der Kupfermine von Aynak für 3,4 Milliarden US-Dollar gesichert. In der größten Kupfermine der Welt in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul will das Konsortium in den nächsten 25 Jahren 11 Millionen Tonnen des Edelmetalls fördern.

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Präsident Karsai auf Staatsbesuch in China

Chinesische Firmen investieren riesige Summen, um Bodenschätze in Afghanistan abzubauen. Gleichzeitig bergen solch hohe Investitionen ein erhebliches Risiko, denn die Sicherheitslage in Afghanistan ist nach wie vor katastrophal. Doch mindestens genauso wichtig wie die wirtschaftlichen Interessen sei für die chinesische Regierung die Stabilisierung des Nachbarlandes, betont Bernt Berger von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. „Die Bedeutung von Afghanistan liegt wohl in erster Linie darin, dass China die Sicherheit und die Stabilität in seiner Nachbarschaft sucht und in diesem Fall ist Afghanistan eben langfristig wichtig für die Sicherheit in Zentralasien", erklärt er. "Und für Afghanistan ist China ein wichtiger Partner, weil chinesische Investitionen in der Regel nicht nur Arbeitsplätze schaffen, sondern auch Infrastruktur.“

Aktivitäten an der Grenze

Chinesische Unternehmen beuten in Aynak nicht nur die Kupfervorkommen aus. Gleichzeitig bauen sie Schulen, Krankenhäuser, Moscheen, Eisenbahnstrecken und ein Kraftwerk. Nach Schätzungen der afghanischen Regierung werden hier in Zukunft 6.000 neue Arbeitsplätze entstehen. US-Außenministerin Hillary Clinton forderte bei ihrem ersten Besuch in Peking im Februar letzten Jahres Hilfe von der chinesischen Regierung in Afghanistan. Sie schlug sogar eine Intervention des chinesischen Militärs in Pakistan und Afghanistan vor. Doch die kommunistische Führung lehnte ab. Chinesische Medien spekulieren allerdings, ob die Regierung in Peking ihre Meinung geändert hat. Das chinesische Verteidigungsministerium lässt seit Mitte letzten Jahres eine Straße im chinesisch-afghanischen Grenzgebiet bauen. Die chinesische Armee baut außerdem Funksendemasten in der unwirtlichen Gegend.

Militär nein, wirtschaftliche Zusammenarbeit ja

Bernt Berger hält ein militärisches Engagement Chinas in Afghanistan für unwahrscheinlich. Er vermutet andere Gründe für die Vorgänge an der chinesisch-afghanischen Grenze: „China muss langfristig Wege finden, um den Transport zu gewährleisten. Was hier passiert ist, ist, dass Anlagen installiert worden sind seitens des chinesischen Verteidigungsministeriums, um zumindest schon mal die Sicherheit zu gewährleisten.“ Militär nein, wirtschaftliche Zusammenarbeit ja – so sieht die chinesische Afghanistan-Politik aus. Afghanistan könne stark von der Kooperation mit China profitieren, ist sich Bernt Berger sicher. Kein anderes Land auf der Welt könne derart risikoreiche Investitionen in Afghanistan vornehmen, wie China, so der Asien-Experte. China sei daher der ideale Partner für Afghanistan.

Autor: Christoph Ricking
Redaktion: Mathias Bölinger