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Asien

Chinas Euro-Hilfe nutzt vor allem China

Chinas Ministerpräsident hat Europa Hilfe in der Schuldenkrise angeboten. Doch das Angebot werde Hoffnungen in Europa auf eine Rettung aus der Krise nicht erfüllen, sagen Experten.

Wen Jiabao am Rednerpult beim Weltwirtschaftsforum in Dalian, China (Foto: ap/dapd)

Europas Retter in der Not? Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao

Sein Land sei bereit, "eine helfende Hand auszustrecken" und mehr in europäische Länder und die USA zu investieren, hatte Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao im Rahmen einer Konferenz des Weltwirtschaftsforums in der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian bekannt gegeben. China werde "innerhalb seiner Möglichkeiten" weiterhin europäische Staatsanleihen kaufen, präzisierte der Ministerpräsident.

Doch manche chinesische Experten betrachten das Hilfsangebot mit Skepsis. Huang Zemin, Wirtschaftswissenschaftler aus Shanghai, dämpft übergroße Hoffnungen auf eine Rettung Europas in der Krise. Aus wirtschaftlicher und auch aus politischer Sicht mache es keinen Sinn für China, in Euro-Anleihen zu investieren, meint er: "Die Euro-Anleihen sind ganz anders als die amerikanischen. Die Risiken sind wesentlich höher. 17 Länder haben eine Währung, ohne aber eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik zu betreiben. Allein in diesen Mechanismen stecken ernsthafte Probleme. Ich betrachte die Zukunft des Euro als unsicher. Es ist aus meiner Sicht viel vernünftiger, in Gold zu investieren."

Chinesischer Geldschein vor dem Hintergrund von Euro-Scheinen (Foto:Gina Sanders, fotalia.com)

Wie sicher ist der Euro?

China als Retter?

Finanzexperte Huang weist zudem darauf hin, dass China vor allem mit seinen weltgrößten Devisenreserven attraktiv erscheint. Doch diese Devisenreserven seien zum größten Teil fest angelegt und nicht verfügbar: "Wir haben 3.200 Milliarden Dollar insgesamt, über die Hälfte davon ist schon in amerikanische Anleihen investiert worden. Einen anderen Teil hat der staatliche Fonds 'China Investment Corporation' verwendet um auf internationalen Märkten Investmentgeschäfte zu machen. Außerdem haben wir noch japanische Staatsanleihen gekauft. Deshalb ist die verfügbare restliche Geldsumme schon nicht mehr so groß."

In China wird derweil diskutiert, wie ein Schwellenland, dessen Volkswirtschaft selbst noch viele Probleme zu überwinden hat, reiche Industrienationen unterstützen soll. In chinesischen Medienberichten und Kommentaren lauten die Antworten zumeist: Selbst wenn wir es wollen, wir können es nicht.

Strategische Ziele

Chinesische Export-Autos stehen in Reih und Glied am Hafen von Shanghai (Foto: ap)

Chinesische Export-Autos am Hafen von Shanghai

Noch ist offen, wie viel Hilfe China den europäischen Staaten leisten kann und wird. Doch eins ist sicher: Das Land verfolgt auch in der Euro-Krise vor allem seine eigenen Interessen.

Die Europäische Union ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Exportweltmeisters China. Die 27 EU-Länder kauften im vergangenen Jahr chinesische Waren im Wert von 282 Milliarden Euro, das sind knapp 19 Prozent mehr als 2009. China hat deshalb ein großes Interesse an stabilen Verhältnissen bei seinem wichtigsten Kunden.

Hinzu kommt: Das asiatische Land sucht nach einer glaubwürdigen Alternative zu Investitionen im Dollarraum und will ein Weltwährungssystem, das sich vom Dollar emanzipiert. "Global steht der Euro als ein wichtiges Gegengewicht zu dem Dollar", erklärt Gu Xuewu, Direktor des Zentrums für globale Studien der Universität Bonn. Wenn das Euro-System zusammenbräche, wäre die Dominanz des Dollars nicht mehr herauszufordern. Der chinesische Yuan hätte dabei auch keine Chance mehr, eine wichtige Weltwährung zu werden. "Deshalb kann China nicht einfach zusehen, dass der Euro sich tiefer in die Krise begibt."

Politische Einflussnahme?

Demonstranten mit Fotos des Künstlers Ai Weiwei als Protest gegen seine Gefangennahme (Foto: ap/dapd)

"Chinesen betrachten Wirtschaft und Menschenrechte getrennt"

Die europäische Finanzkrise ist ein willkommener Anlass für Peking, langjährige politische Forderungen noch einmal mit Nachdruck einzubringen. Im Gegenzug für das Engagement forderte China "mutige Schritte" der Europäer, insbesondere die baldige Anerkennung des Landes als volle Marktwirtschaft und die Aufhebung des Waffenembargos, das nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, 1989, verhängt wurde.

Diese Bedingung schürte unter europäischen Politikern die Sorge, dass Peking mit der Hilfsleistung auch die EU-China Politik beeinflussen könnte. Fraglich sei zum Beispiel, ob die Europäer als Schuldner weiterhin offen und gleichberechtigt über die Menschenrechtslage in China diskutieren können.

Gu Xuewu hält solche Ängste jedoch für übertrieben: "Die Chinesen sind längst schon daran gewöhnt, wirtschaftliche und menschenrechtliche Fragen getrennt zu betrachten", sagt er. "Es gibt in der Vergangenheit kaum Beispiele, wo die Chinesen kein Geschäft mit Europa machten, nur weil ihre Menschenrechtslage kritisiert wurde." Für China stehe allein das wirtschaftliche Interesse im Mittelpunkt.

Autorin: Yuhan Zhu

Redaktion: Ana Lehmann