1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

"Chinas Bauvorschriften sind ausreichend"

Nach dem Hochhausbrand in Shanghai stellt sich die Frage nach der Sicherheit am Bau. Darüber sprach DW-WORLD.DE mit Werner Sübai vom Architekturbüro hpp. Das Unternehmen hat mehrere Projekte in China.

Werner Sübai, Gesellschafter im Architektenbüro hpp (Foto: hpp)

Werner Sübai, Gesellschafter im Architektenbüro hpp

DW-WORLD.DE: Herr Sübai, können Sie bei ihren Projekten in China sicher sein, dass ähnliche Unfälle wie der an diesem Montag in Shanghai nicht passieren?

Werner Sübai: Es gibt eigentlich keine hundertprozentige Sicherheit auf dem Bau, weder in China noch in Deutschland. Unfälle sind kein chinesisches, sondern ein generelles Problem.

Inwieweit kontrollieren Sie bei Ihren chinesischen Projekten, was vor Ort auf einer chinesischen Baustelle passiert?

In China arbeiten wir in einem Wachstumsmarkt, wo das Leistungsspektrum anders strukturiert ist als bei uns im deutschen Binnenmarkt. Das heißt, wir sind dort nur da aktiv, wo wir auch mit Leistungen der Architektur beauftragt werden. In den Phasen in denen wir beauftragt werden, haben wir aber eine maßgebliche Qualitätskontrolle über das, was geplant wird und über das, was gebaut wird.

Bedeutet das, dass einer Ihrer Mitarbeiter aus Düsseldorf vor Ort ist?

Nicht nur einer. Wir haben deutsche Architekten vor Ort, die bei den uns übertragenen Aufgaben für die entsprechende Qualität sorgen – sowohl formal als auch baukonstruktiv und bautechnisch.

Also können Sie sich darauf verlassen, dass Ihre eigenen Standards eingehalten werden, wenn Sie in China an einem Projekt beteiligt sind?

Für das, was wir planen, können wir davon ausgehen – wobei natürlich kein Mensch fehlerfrei ist. Das sind wir hier in Deutschland aber auch nicht. Aber im Wesentlichen arbeiten wir dort genauso wie hier auch.

Aus Ihrer Erfahrung heraus: Sind die chinesischen Bauvorschriften ausreichend?

Die chinesischen Bauvorschriften sind im Grundsatz ausreichend.

Es wird also auch bei der dichten Bebauung, die es in vielen großen Städten gibt, auch genug Raum beispielsweise für Feuerwehreinsätze eingeplant?

Die Vorschriften sehen natürlich anders aus als in Deutschland, aber sie sind für die Situation entsprechend ausreichend.

Das hört sich sehr vorsichtig an…

Eine Metropole wie Shanghai ist immer noch etwas ganz anderes als Deutschland, wo wir selbst in großen Städten eine ganz andere Dichte haben. Von daher sind die Vorschriften etwas anders ausgelegt, aber durchaus nicht unsicherer. Und in vielen Dingen orientiert man sich an deutschen Standards, an EU-Standards und auch an amerikanischen Standards.

Als Ursache für den Brand vom Montag (15.11.) in Shanghai gilt nach bisherigen Erkenntnissen die Tatsache, dass Bauarbeiter nicht genehmigte Schweiß-Arbeiten durchgeführt haben. Wie sehr können Sie sich bei Ihren Projekten darauf verlassen, dass die an Ihren Projekten beteiligten Arbeiter ausreichend qualifiziert sind?

Zum Einen werden vor der Ausführung Zertifikate abgefragt. Das ist ein formaler Akt, aber auch gleichzeitig der erste Schritt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist auf jeden Fall die Erfahrung, die wir selbst mit einbringen. Das Architekturbüro hpp gibt es seit bald 75 Jahren, wir verfügen also über einen enormen Erfahrungsschatz. Das Wesentliche ist eigentlich – und da kann ich insbesondere aus unseren Erfahrungen mit dem EXPO-Village in Shanghai berichten – dass wir beispielsweise bei Wärmedämm-Maßnahmen empfehlen, nicht-brennbare oder schwer-entflammbare Stoffe wie Mineralwolle oder Steinwolle zu verwenden und auf die Schaummaterialien, die im Fall des Brandes eingesetzt wurden, zu verzichten.

Würden Sie generell sagen, dass Sie chinesischen Bauarbeitern, die an Ihren Projekten beteiligt sind, genauso vertrauen wie Bauarbeitern in Deutschland? Gibt es in China nicht mehr Schlamperei im Bau als hier?

Das ist eine schwierige Frage. Wir müssen berücksichtigen, dass sich bei uns über Jahrzehnte und Jahrhunderte eine gewachsene Handwerkerschaft entwickelt und qualifiziert hat. Sie hat Ausführungsmethoden und die Verwendung von Materialien kultiviert. Daraus ist die westliche Baukonstruktion und Bautechnik entstanden. In China, in diesem Wachstumsmarkt, in dem auf der einen Seite einfach ein unheimlicher Bedarf an allen möglichen Leistungen und Arbeiten besteht und auf der anderen Seite die Qualifizierung von Mitarbeitern nicht so stattgefunden hat und stattfindet wie bei uns, da gibt es natürlich schon Unterschiede. Da kommt dann eben der Architekt oder der Projektmanager mit einem westlichen Hintergrund und westlichem Know-How ins Spiel - wie beispielsweise wir. Und wir können dann auf diese Punkte achten, wir können uns anschauen, wie das Niveau der Arbeiter aussieht oder welche Arbeiten durchgeführt werden müssen. Mit den Bauleitern vor Ort kann man genau diese Schritte durchgehen. Man kann Muster bauen oder musterhaft Arbeiten durchführen und kontrollieren und erst danach den Prozess am Gebäude selbst durchlaufen lassen.

Wie sehr bringen solche Vorfälle Shanghai auch als Standort für internationale Architektur in Verruf?

Ich denke, das hat eigentlich keinen Einfluss. Es ist eigentlich nur ein Indiz dafür, dass wir uns mit unserem Know-How und unserem nachhaltigen Verständnis von Architektur noch intensiver engagieren sollten, um solche Ereignisse noch besser ausschließen oder minimieren zu können. Das was wir können, was uns auszeichnet, das sollten wir in solchen Städten und solchen Situationen noch intensiver umsetzen.

Das Gespräch führte Marlis Schaum

Redaktion: Mathias Bölinger / Esther Broders

Werner Sübai ist Gesellschafter des Düsseldorfer Architekturbüros hpp. Das Unternehmen war beteiligt an der Planung des EXPO-Geländes in Shanghai und betreibt zur Zeit mehrere Projekte in China.