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Asien

Chinas Balanceakt: Nord- und Südkorea

Im Konflikt um die offenbar von Nordkorea versenkte südkoreanische Korvette "Cheonan" fordert China äußerste Zurückhaltung. Peking bedauert den Vorfall, vermeidet es aber, das Regime in Pjöngjang direkt zu verurteilen.

Wen Jiabao und Lee Myung Bak werden mit chinesischen und südkoreanischen Fähnchen in Südkorea begrüßt (Foto: AP)

Wen Jiabao (li), Lee Myung Bak

Bei einem Dreiertreffen China-Japan-Südkorea bezeichnete der chinesische Premier Wen Jiabao Schritte zur Entspannung als dringlichste Aufgabe. Zum Abschluss der Beratungen im südkoreanischen Ferienort Cheju sagte Wen am Sonntag (30.05.2001), die Spannungen müssten abgebaut und vor allem Zusammenstösse vermieden werden. Auf die internationale Untersuchung, wonach das südkoreanische Schiff durch einen nordkoreanischen Torpedo-Angriff versenkt wurde, ging Wen auch am Sonntag nicht ein. Während der chinesische Regierungschef zudem jeglichen direkten Vorwurf an das verbündete Nordkorea vermied, bekräftigte Südkoreas Präsident Lee Myung Bak, dass Pjöngjang zur Rechenschaft gezogen werden müsse.

Das Vorderteil der von einem Torpedo zerfetzten Korvette Cheonan hängt an einem Kran (Foto: AP/Yonhap)

Reste der Korvette 'Cheonan'


Ohne China keine Sanktionen

Seouls Versuch, den Fall mit Rückendeckung Japans und der USA vor den Weltsicherheitsrat zu bringen, scheiterte bislang an der Veto-Macht China. Nach den Gesprächen mit Wen Jiabao und dem japanischen Premier Yukio Hatoyama sagte Lee am Sonntag, China und Japan hätten in der internationalen Gemeinschaft eine wichtige Rolle zu spielen und er erwarte, dass sie Weisheit zeigen.

Hatoyama bekräftigte, dass alle drei Länder den Vorfall als "ernsthaftes Problem für den Frieden und die Stabilität in Nordostasien ansehen." Nordkorea müsse sich entschuldigen, anders könnten auch die Sechs-Parteien-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm nicht wieder aufgenommen werden. Nordkorea hatte die Verhandlungen, an denen außerdem die USA und Russland teilnehmen, im April vergangenen Jahres verlassen.

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il (Foto: AAP/Kyodo)

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il

Nordkorea weigert sich weiterhin, jegliche Beteiligung am Untergang der südkoreanischen Korvette einzuräumen. Pjöngjang wies auch das Ergebnis einer internationalen Untersuchung zurück, die am vergangenen Donnerstag zu dem Ergebnis gekommen war, dass ein von einem nordkoreanischen U-Boot abgefeuerter Torpedo die "Cheonan" am 26. März vor der Westküste Südkoreas versenkt hatte. Für den Fall von Strafaktionen droht Nordkorea bereits seit Tagen immer wieder mit Krieg.

Dazu sagte der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak am Sonntag nach dem Dreiertreffen mit China und Japan, sein Land wolle keine militärische Auseinandersetzung, fürchte sich aber auch nicht vor einem Krieg.

Regionale Zusammenarbeit

Südkoreas Präsident Lee Myung Bak begrüßt seinen Gast, Premier Wen Jiabao aus Chibna, mit militärischen Ehren. Formal befindet sich Südkorea im Kriegszustand mit Chinas Verbündetem Nordkorea. (Foto: AP)

Militärische Ehren in Südkorea für Nordkoreas Verbündeten China

Die Spannungen nach dem nordkoreanischen Torpedoangriff auf die südkoreanische Korvette hatten das ursprüngliche Beratungsthema des Dreiertreffens am Wochenende etwas in den Hintergrund gedrängt. Dennoch verständigten sich China, Japan und Gastgeber Südkorea darauf, die Zusammenarbeit weiter auszubauen. Dazu vereinbarten die Präsidenten Wen Jiabao, Yukio Hatoyama und Lee Myung Bak, im nächsten Jahr in Südkorea ein Verbindungsbüro zu etablieren. Außerdem wurden zum Abschluss der Beratungen am Sonntag unter dem Titel "Visionen 2020" die Hauptrichtungen der trilateralen Zusammenarbeit in den nächsten zehn Jahren abgesteckt.

Zugleich bekräftigten China, Japan und Südkorea ihre Bemühungen um eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel. Grundlage sei nach wie vor das vor fünf Jahren unterzeichnete Programm, in dem sich Nordkorea zur Abkehr von seinem Atomprogramm verpflichtet hatte.


Autor: Hartmut Lüning (mit ap, dpa, rtr)
Redaktion: Sabine Faber