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Asien

China: Werkbank der Welt wird teurer

Harte Arbeit, wenig Geld – das ist die Realität chinesischer Wanderarbeiter. Das könnte sich allerdings bald ändern. Die Löhne in China steigen rasant. In einigen Regionen herrscht inzwischen Mangel an Arbeitskräften.

Ein Bündel Yuan-Scheine mit dem Bild Maos (Foto: AP)

Wirtschaftsboom in China - Arbeiter fordern mehr Geld

Das Leben eines einfachen Arbeiters in China ist hart. Im Akkord nähen zumeist junge Chinesen in den zahlreichen Fabriken an der Ostküste T-Shirts oder bauen Handys und Computer zusammen, manchmal bis zu 100 Stunden in der Woche. Der Lohn ist karg. Für ein T-Shirt, das in Deutschland 20 Euro kostet, bekommt der chinesische Arbeiter, der es genäht hat, gerade mal ein paar Cent. Doch die Zeiten, in denen China das Billiglohnland Nummer 1 war, neigen sich dem Ende zu.

Allein im vergangenen Jahr stiegen die Löhne für einfache Arbeit in China je nach Region um schätzungsweise 30 bis 40 Prozent, heißt es in einer Studie der Investment Bank Credit Suisse. "Wir nennen es den Wendepunkt der Arbeit in China", sagt Amlan Roy, einer der Autoren der Studie. "Das ist der Anfang vom Ende der billigen Exporte Chinas, die vor 20 Jahren begannen, als China anfing Spielzeug, Halbleiter-Komponenten oder andere Dinge herzustellen, von der kleinen Nadel bis zu großen Möbeln."

Immer weniger Arbeiter zieht es an die Ostküste

Chinesische Wanderarbeiter vor einem Baugerüst (Foto: Sandra Petersman, DW)

Chinesische Wanderarbeiter auf einer Baustelle in Shanghai

Im vergangenen Jahrzehnt ist die chinesische Wirtschaft fast jedes Jahr zweistellig gewachsen. Das hat nicht nur die Löhne steigen lassen, sondern auch Arbeitsmöglichkeiten in den ärmeren inländischen Provinzen geschaffen. Viele Wanderarbeiter, die früher vom Land in die reichen Städte an der Ostküste zogen, bleiben immer häufiger in ihren Heimatprovinzen.

Zwar sind dort die Löhne nicht unbedingt höher, aber die Lebenshaltungskosten sind viel geringer. Besonders im Perlflussdelta bei Hongkong haben Fabriken immer häufiger Probleme, genügend Arbeitskräfte zu finden. Nach dem letzten Frühlingsfest im Februar, das Chinesen traditionell mit der Familie feiern, kehrte jeder dritte Wanderarbeiter nicht an seinen Arbeitsplatz zurück, schätzt die Industrievereinigung in Hongkong.

Wanderarbeiter werden selbstbewusster

Honda-Arbeiter mit weißen Overalls stehen zum Streik im Freien (Foto: AP)

Honda-Beschäftigte: Streiks bei Automobilherstellern in China nehmen zu

Chinesische Arbeiter stellen zunehmend Forderungen, was Lohnerhöhungen und gute Arbeitsbedingungen betrifft. "Heutzutage in der Welt des Internets, der Globalisierung und dem Informationsaustausch sind sie gestärkt", sagt Amlan Roy. "Chinesische Arbeiter verlangen, fair behandelt zu werden, auch was den Lohn angeht."

Proteste für bessere Arbeitsbedingungen in China nehmen zu: In der südchinesischen Provinz Guangdong kam es im vergangenen Jahr zu Streiks bei den Automobilherstellern Honda und Toyota. Bei dem taiwanesischen Elektronikhersteller Foxconn, der auch das iPhone für Apple herstellt, begingen im vergangenen Jahr sogar 13 Menschen Selbstmord aus Protest gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen.

Trotz steigender Löhne: China bleibt Werkbank der Welt

Einige Firmen überlegen schon, ob sie in die inländischen Provinzen ziehen sollen. Foxconn will den Hauptteil seiner Produktion verlegen. In der Stadt Shenzhen in der Nähe von Hongkong, wo Foxconn bislang produziert, soll das Forschungs- und Entwicklungszentrum der Firma entstehen. Andere Firmen, besonders in der Textilbranche, zieht es zunehmend ins südostasiatische Ausland, wo noch billigere Löhne gezahlt werden. Der Experte für den chinesischen Arbeitsmarkt Peter Franke vom Verein Asienhaus in Essen glaubt jedoch, dass die meisten Firmen in China bleiben werden. "Wenn sie andere Billiglohnländer in Südostasien nehmen - wie Indonesien oder Kambodscha - dann sehen Sie, dass es die erforderliche Infrastruktur dort überhaupt nicht gibt. Da herrschen zum Beispiel Probleme mit der Energieversorgung." Diese Infrastrukturprobleme gebe es in China in diesem Maße nicht, so Franke.

Weltweite Preissteigerungen erwartet

Ein Junge tippt auf seinem Handy eine SMS (Foto:dpa)

Handys made in China werden in Zukunft teurer

Bislang produziert China sehr viel für den Export. Der Binnenkonsum ist bis heute recht schwach. Durch steigende Löhne wird sich das in den kommenden Jahren ändern. "Arbeiter auf dem Land und in der Stadt in China werden mehr chinesische Güter kaufen", sagt Amlan Roy von der Investment Bank Credit Suisse. Chinas Wachstumsmodell werde in Zukunft nicht mehr so stark abhängig vom Export sein, sondern vielmehr von der Nachfrage der eigenen Konsumenten.

Auch international hat der Wandel auf dem chinesischen Arbeitsmarkt Konsequenzen. Unternehmen werden die Kosten höherer Löhne zumindest teilweise an die Verbraucher weitergeben, glauben die Chinaexperten der Credit Suisse. So werden in Zukunft Handys, Computer oder T-Shirts auf der ganzen Welt teurer.

Autor: Christoph Ricking

Redaktion: Ana Lehmann