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Asien

China wegen Extremismus in Pakistan besorgt

China und Pakistan pflegen enge Beziehungen. Doch der Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang in Islamabad ist von Sorgen überschattet. Die latente Terrorgefahr gefährdet die Interessen Pekings.

"Höher als die Berge, tiefer als das Meer": Mit dieser blumigen Metapher wird in Peking und Islamabad die besondere Qualität der chinesisch-pakistanischen Freundschaft beschrieben. 2011 feierten beide Staaten das 60-jährige Bestehen der diplomatischen Beziehungen. Die langjährige Freundschaft basiert vor allem auf einer Gemeinsamkeit: der Rivalität mit Indien.

Der erste Besuch Li Keqiangs als neuer chinesischer Ministerpräsident in Pakistan erfolgt nur knapp zwei Wochen nach den Parlamentswahlen in Pakistan. Doch weder der Führungswechsel in Peking noch der in Islamabad werde zu einem Richtungswandel zwischen den Beziehungen beider Ländern führen, glaubt Rosheen Kabraji, Asien-Expertin am Londoner Forschungsinstitut Chatham House. "Im Kern ist es eine strategische Beziehung zum beiderseitigen Vorteil, deren Parameter weitgehend durch China bestimmt sind", so die Pakistan-Expertin.

Strategische Allianz

Chinesisch-pakistanische Gemeinschaftsproduktion: Kampfflugzeug JF-17(Foto: AFP/Getty Images)

Chinesisch-pakistanische Gemeinschaftsproduktion: Kampfflugzeug JF-17

Ein zentrales Element der chinesisch-pakistanischen Beziehungen ist die enge militärische Zusammenarbeit: China ist Pakistans größter Waffenlieferant. Zwischen 2008 und 2012 gingen 55 Prozent der chinesischen Waffenexporte nach Pakistan. Auch die nukleare Infrastruktur Pakistans wurde maßgeblich mit chinesischer Unterstützung aufgebaut.

Die Allianz mit Pakistan ist für Peking aus geostrategischen Gründen von Bedeutung. Damit soll vor allem indischen Machtbestrebungen in Südasien entgegengewirkt werden. Umgekehrt hat Pakistan bisher beträchtlich von der militärischen und technischen Unterstützung Chinas profitiert. Zwar ist Pakistan von den milliardenschweren Finanzhilfen der USA abhängig. Dennoch betrachtet man in Islamabad China als den verlässlicheren Bündnispartner.

Die fortgesetzten Drohnenangriffe der USA auf pakistanischem Boden und vor allem die Tötung des Al-Kaida-Führers Osama bin Laden durch US-Einheiten vor zwei Jahren haben die pakistanisch-amerikanischen Beziehungen empfindlich abkühlen lassen. Gleichzeitig aber sind China und Pakistan näher zusammengerückt.

Unklare Zukunft des Hafenprojekts von Gwadar

Frachter im Tiefseehafen von Gwadar (Foto: XINHUA)

Der Tiefseehafen von Gwadar wartet auf Containerflotten

In den vergangenen Jahren hat auch die wirtschaftliche Verflechtung zwischen China und Pakistan zugenommen. China ist der wichtigste Handelspartner Pakistans. Die chinesische Regierung investiert zugleich in große Infrastrukturprojekte. Dazu gehört auch der Ausbau des Tiefseehafens von Gwadar in der Unruheprovinz Belutschistan. Im Februar hat die pakistanische Regierung die operative Kontrolle des Hafens an ein chinesisches Unternehmen übergeben.

In unmittelbarer Nähe des Golfs von Oman gelegen ist Gwadar von großer strategischer Bedeutung. Zwar betont Peking, der Hafen solle nur zu Handelszwecken dienen. Die USA und Indien befürchten jedoch, Gwadar könne künftig auch als chinesischer Marinestützpunkt genutzt werden - und damit der Projektion militärischer Macht ins Arabische Meer dienen.

Der Ausbau des Hafens kommt allerdings nur schleppend voran. Ein Grund hierfür ist die schlechte Sicherheitslage in Belutschistan. Nationalistische Belutschen kämpfen dort auch mit Gewalt für ihre Unabhängigkeit. Für die Londoner Asien-Expertin Kabraji dämpft dies die Chancen dafür, dass Gwadar in naher Zukunft seine Rolle als Umschlagplatz für Energieträger und Waren erfüllen kann.

Störfaktor Extremismus

Andrew Small vom amerikanischen Institut German Marshall Fund analysiert im Gespräch mit der Deutschen Welle: "Obwohl sich die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Pakistan verstärkt haben, bleiben die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück." Viele große Projekte seien in den letzten Jahren nur sehr langsam vorangekommen. Small sieht den Grund dafür in der prekären Sicherheitslage in Pakistan. Chinesische Firmen und ihre Mitarbeiter seien stark gefährdet, so der China-Experte.

Koranschule in Lahore (Foto: AP)

Islamistische Strömungen werden von China argwöhnisch beobachtet

Die sicherheitspolitische Lage in und um Pakistan setzt dem Potential der vielbeschworenen "Allwetter-Freundschaft" Grenzen. Peking sei tief besorgt über die von Pakistan ausgehenden islamistisch-terroristischen Aktivitäten, erläutert der Südasien-Experte Stephen Cohen von der Brookings Institution in Washington im Interview mit der Deutschen Welle. Umso mehr, als ethnische und religiöse Konflikte auch die Beziehungen zwischen der uighurischen Minderheit und den Han-Chinesen in der autonomen Region Xinjiang im Westen Chinas prägen. Peking erhebt den Vorwurf, in islamistischen Terrorlagern in Pakistan würden auch Kämpfer aus Xinjiang ausgebildet. Die Zweifel an Islamabads Fähigkeit, den Terrorismus einzudämmen, belasten die sino-pakistanische Allianz.

Afghanistan rückt in den Fokus

Peking sorgt sich allerdings nicht nur um die terroristischen Gruppen in Pakistan, sondern auch im Nachbarstaat Afghanistan. Mit dem geplanten NATO-Abzug aus Afghanistan bis Ende 2014 wächst auch die Sorge Chinas vor einer Destabilisierung des Landes. Daher werde das Thema Afghanistan sicherlich verstärkt in den Mittelpunkt der chinesisch-pakistanischen Beziehungen rücken, glaubt China-Experte Small. Denn China ist nicht nur einer der größten Investoren in Afghanistan. Sollten islamistische Terrorgruppen in Afghanistan gestärkt werden, würde dies auch Chinas Sicherheit beeinträchtigen. Beide Länder teilen ein kurzes Grenzstück im äußersten Osten Afghanistans, die anderen Genznachbarn sind dort Pakistan und Tadschikistan.