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Aktuell Asien

China verkündet Tod von 28 "Terroristen"

Es ist die erste offizielle Stellungnahme Chinas zu dem Angriff auf eine Kohlemine vor zwei Monaten. Dabei bleibt vieles unklar: Wie viele Menschen wurden dabei getötet und wie definieren die Behörden "Terroristen"?

Chinesische Sicherheitskräfte haben in der hauptsächlich von Muslimen bewohnten Region Xinjang 28 mutmaßliche Extremisten erschossen. Es habe sich um Mitglieder einer "Terrorgruppe" gehandelt, heißt es auf dem Nachrichtenportal "Tianshan Net". Das Medium wird von Mitgliedern der Kommunistischen Partei Chinas geleitet.

Mit der Bekanntgabe äußerte sich China erstmals offiziell zu der blutigen Attacke auf eine Kohlegrube in Aksu im September. Damals berichtete ausschließlich der von der US-Regierung finanzierte Radiosender "Radio Free Asia" (RFA) von der Tat: Die Angreifer hätten mit Messern Sicherheitsleute, das Haus des Grubenbesitzers sowie ein Wohnheim für Arbeiter attackiert. Dabei seien mehr als 50 Menschen getötet worden. Die Kohlegrube wird von Han-Chinesen kontrolliert, zu der die Bevölkerungsmehrheit im Land gehört.

Widersprüchliche Angaben

Lokale Amtsträger gingen daraufhin entweder nicht auf Medienanfragen ein oder gaben an, nichts von etwaigen Attacken zu wissen. Vor einigen Tagen berichtete RFA bereits, Sicherheitskräfte hätten bei einer Razzia mindestens 17 Menschen getötet, von denen einige an dem Anschlag auf die Kohlemine beteiligt gewesen sein sollen. Demnach wurden bei der Operation auch Familienangehörige der Verdächtigen getötet, darunter mehrere Kinder. Der Sender berief sich dabei auf die chinesische Polizei. Die Regierung äußerte sich nicht zu dem Einsatz.

Gewalt zwischen Uiguren und Chinescher Polizei in Xinjiang (Foto: dpa)

Immer wieder lässt Peking Uiguren wegen der der "Verbreitung von Terrorismus" festnehmen

Nun bestätigte "Tianshan Net" den Angriff auf die Kohlemine grundsätzlich, korrigierte die Zahl der Todesopfer jedoch deutlich nach unten: Es habe lediglich 16 Tote gegeben, darunter fünf Polizisten. Weitere 18 Menschen seien verletzt worden.

Die Angreifer seien daraufhin in die Berge geflohen, hieß es auf der Regierungswebsite weiter. Für die Fahndung habe man "10.000 Menschen verschiedener ethnischer Gruppen" mobilisiert. In der autonomen Region Xinjiang lebt die Minderheit der turksprachigen Uiguren, sie sich von der Pekinger Zentralregierung unterdrückt sieht.

Draht zu globalen Terrorgruppen?

Stattdessen hieß es auf "Tianshan Net", der Angriff auf die Kohlegrube sei "ein gewaltsames Terrorattentat gewesen unter dem direkten Kommando einer ausländischen extremistischen Organisation". Um welche Gruppe es sich dabei handeln soll, blieb unklar. In den letzten Tagen drückte die Regierung jedoch wiederholt ihre Sorge darüber aus, dass die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sich in China und damit vor allem in Xinjiang ausbreiten könnte.

Nachdem am Mittwoch ein chinesischer Staatsbürger, der sich wochenlang in der Gewalt einiger IS-Kämpfer befand, getötet wurde, kündigte Peking Konsequenzen an: Man werde sich allen Formen des Terrorismus widersetzen und resolut gegen alle gewaltsamen und kriminellen Terroraktivitäten vorgehen.

Sicherheitsmaßnahmen in Xinjiang (Foto: Reuters)

In Xinjiang greift die Zentralregierung mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen gegen die Bevölkerung durch

Aufständische oder Terroristen?

Statt im Ausland gegen die Extremisten zu kämpfen, wolle China jedoch vor allem härter gegen die terroristische Bedrohung im eigenen Land vorgehen. Das erklärte Chinas Polizeiminister Guo Shengkun nach den Anschlägen von Paris. Dies betreffe in erster Linie die Autonome Region Xinjiang. In der Provinz im Nordwesten Chinas kommt es immer wieder zu Unruhen zwischen dem muslimischen Volk der Uiguren und chinesischen Sicherheitskräften. Für Gewalttaten in der Region macht die Regierung uigurische Separatistengruppen wie die " Islamische Partei Ostturkestans" verantwortlich.

Beobachter bezweifeln jedoch die Stärke der Gruppe und deren Verbindungen zu globalen Terrororganisationen. Kritiker werfen Peking vor, die Bedrohung hochzuspielen, um das harte Vorgehen der Zentralregierung gegen die Uiguren sowie die strikten Sicherheitsmaßnahmen zu rechtfertigen. China habe bislang nicht einmal stichhaltige Beweise für die Existenz solcher militanter Gruppen geliefert, prangern Menschenrechtsgruppen an. Stattdessen seien Unruhen in der Provinz hauptsächlich auf die Frustration der Uiguren darüber zurückzuführen, dass ihre Kultur und Religion unterdrückt werde.

nin/mak (ape, afp, reuters)