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Politik

China verbietet 700 Spielzeugfabriken den Export

Nach einer Reihe von Skandalen zieht China die Notbremse: Die Behörden entziehen mehr als 700 Spielzeugfabriken die Exportlizenz. Zuletzt waren Halloween-Zähne in den USA durch überhöhte Bleiwerte aufgefallen.

Der Spielzeughersteller Mattel musste diese Puppen aus China zurückrufen, Quelle: AP

Der Spielzeughersteller Mattel musste diese Puppen aus China zurückrufen

Die chinesischen Behörden haben gegen über 700 Firmen wegen fehlender Produktsicherheit ein Exportverbot verhängt. Die Entscheidung zur Aussetzung sei nach Inspektionen in den Fabriken gefallen, berichtete die staatliche Zeitung "China Daily" am Donnerstag (01.11.2007). Hunderte weitere Fabriken in der Provinz Guangdong, die eine Hochburg der chinesischen Spielzeugindustrie ist, seien zudem aufgefordert worden, ihre Anlagen zu erneuern oder die Qualität ihrer Produkte zu verbessern.

Von den mehr als 1700 untersuchten Fabriken seien bei über 1400 Fehler festgestellt worden, schrieb das Blatt unter Berufung auf örtliche Beamte. Trotz dieser Zahlen betonten die Behörden, nur ein Prozent der Produkte entspreche nicht den Sicherheitsvorschriften.

Vergiftetes Spielzeug

Chinesische Produkte und insbesondere Spielzeug waren in den vergangenen Monaten immer wieder wegen womöglich gesundheitsschädlicher Wirkung in die Schlagzeilen geraten. So wurden in den USA seit August mehr als 21 Millionen in China hergestellte Spielzeuge und andere Produkte wegen zu hohen Bleigehaltes zurückgerufen. Nur wenige Stunden vor Beginn des Halloween-Abends in den USA beispielsweise rief die Kommission für Verbrauchersicherheit rund 43.000 falsche Zähne zurück, mit denen Kinder sich verkleiden wollten. Als Grund nannte die Kommission einen zu hohen Bleigehalt in den Zähnen.

Ebenfalls am Mittwoch wurden 16.000 Militärspielzeuge der weltweit tätigen Spielzeugkette "Toys R Us" sowie 1500 Brettspiele aus den Regalen genommen. Ende August musste die Kette 27.000 Malkästen zurücknehmen, die bleibelastet waren. Auch der Spielzeughersteller Mattel sorgte mit mehreren Rückrufaktionen für Schlagzeilen. Alle beanstandeten Waren stammten aus China. Auch in Europa gab es Rückrufe.

Blei kann das Gehirn und das Nervensystem von Kindern schädigen, sowie Lernstörungen, verzögertes Wachstum und Kopfschmerzen hervorrufen. In den USA ist es deshalb seit 1978 verboten, Blei in Farben für Spielzeuge zu mischen.

Härtere Regeln

Abgeordnete des US-Kongresses planen daher härtere Regeln für Importe von Spielzeug. Ein entsprechendes Gesetz könne schon in den nächsten Tagen in das US-Parlament eingebracht werden, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe des Repräsentantenhauses für Handel und Verbraucherschutz, Bobby Rush, am Dienstagabend in Washington. Die Regelung sieht nach Angaben aus Kongresskreisen vor, Blei in Kinderspielzeug komplett zu verbieten. Zudem soll das Gesetz verpflichtende Tests durch unabhängige Labore vorschreiben. Nicht getestete oder durchgefallene Produkte sollen nicht verkauft werden dürfen.

Angesichts der wiederholten Rückrufe von chinesischen Importwaren steht auch die Kommission für Verbrauchersicherheit zunehmend in der Kritik. Eine Expertenkommission kritisierte in einem Bericht, die Behörde verfüge nicht über ausreichend qualifizierte Mitarbeiter, um alle importierten Artikel zu kontrollieren.

Auf die Negativschlagzeilen, die Produkte "made in China" in den vergangenen Monaten machten, reagiert die Führung in Peking zunehmend nervös. So ließen die Behörden unlängst hunderte Menschen wegen des Verdachts auf Verstöße gegen die Sicherheit von Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Produkten verhaften. Wie das Amt für Qualitätsüberwachung am Dienstag mitteilte, wurden landesweit 774 Verdächtige festgenommen. Im Juli war der Chef der Nahrungs- und Arzneimittelaufsicht hingerichtet worden. (stu)

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