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Asien

China und Südkorea: "Die Chemie stimmt"

Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Kritik an Nordkoreas Atomprogramm - zwei zentrale Anliegen bei Xi Jinpings Besuch in Seoul. Worum es zwischen den Zeilen noch ging, erklärt Korea-Experte Aidan Foster-Carter.

Deutsche Welle: Erstmals seit über 20 Jahren besucht ein chinesischer Staatschef zuerst Seoul und danach Pjöngjang. Was steckt dahinter?

Aidan Foster-Carter: Man darf hierbei nicht nur Nordkorea im Blick haben. Ganz unabhängig von den Vorgängen in und um Nordkorea haben China und Südkorea in den vergangenen 20 Jahren sehr enge Wirtschaftsbeziehungen entwickelt. Dieses Jahr soll endlich ein bilaterales Freihandelsabkommen unter Dach und Fach gebracht werden. Damit wird sich das jetzige Handelsvolumen von über 200 Milliarden US-Dollar noch steigern. Das ist eine Sache von großer Bedeutung für viele Menschen, und es ist also ganz natürlich, dass beide Seiten (auch politischen) Austausch suchen.

Davon abgesehen stimmt es, dass China über Nordkorea wegen dessen Sturheit und Unberechenbarkeit verärgert ist, insbesondere was die Drohung mit weiteren Atomtests betrifft. Xi Jinping sieht weder einen Grund, Nordkorea mit seinem Besuch zu beehren, noch Kim Jong Un nach Peking einzuladen. Im Gegensatz dazu scheint die Chemie zwischen Xi und seiner südkoreanische Amtskollegin Park Geun Hye zu stimmen.

Ist also Xis Reiseprogramm Zeichen für eine zunehmende diplomatische Isolierung Nordkoreas?

In gewisser Weise ja. Andererseits war China Gastgeber der jüngsten Gespräche zwischen Japan und Nordkorea. Ausgerechnet Japans nationalistischer Premier Shinzo Abe hat jetzt eine begrenzte Aufhebung von bilateralen Sanktionen gegen Nordkorea bekanntgegeben. Dies im Gegenzug für die Bereitschaft Nordkoreas, bei der Aufklärung von Entführungen japanischer Staatsbürger zu kooperieren.

Wie es aussieht, kann heutzutage jeder mit jedem "tanzen", ganz anders als während des Kalten Krieges. Zum Beispiel hat Nordkorea zurzeit recht gute Beziehungen zu Russland. Pjöngjang riskiert zwar, diplomatisch in die Enge getrieben zu werden, aber von völliger Isolierung kann keine Rede sein. Die Nordkoreaner sind sehr geschickt darin, den diversen Formen der Druckausübung auszuweichen.

Nordkorea muss über Xi Jinpings Reiseroute mit Seoul als erster Station brüskiert gewesen sein. Wie sehen Sie die zukünftigen Beziehungen zwischen China und Nordkorea?

Sicher waren die Nordkoreaner brüskiert, und sie haben auch ein paar Kurzstreckenraketen ins Meer gefeuert, was sie jedoch öfter tun. Damit wollten sie vermutlich ihrem Ärger Ausdruck verleihen. Aber Symbolpolitik ist das eine, wirtschaftliche Realitäten sind das andere. Chinas ist Nordkoreas größter Handelspartner und Geber. China unterhält zu beiden Teilen Koreas starke Wirtschaftsbeziehungen, und das wird sich nicht ändern. Nordkorea ist sich über seine Abhängigkeit von China im Klaren, ein vollständiger Bruch mit China ist unvorstellbar.

Neben den Wirtschaftsthemen steht bei den Gesprächen von Xi Jinping und Park Geun Hye auch das nordkoreanische Atomprogramm auf der Tagesordnung.

Bei diesem Thema gibt es zwischen China und Südkorea feine Nuancen in der Wortwahl. Die Südkoreaner und Präsidentin Park reden stets vom "nordkoreanischen Nuklearproblem", Präsident Xi spricht von der "Ent-Nuklearisierung der koreanischen Halbinsel". Nun gibt es in Südkorea keine Atomwaffen mehr, China will mit dieser Formulierung nur etwas mehr Ausgewogenheit vermitteln. Dafür wird Nordkorea dankbar sein.

Wie wird die demonstrative Harmonie zwischen Xi Jinping und Park Geun Hye in Tokio und Washington aufgefasst?

Dort ist man schon ein bisschen beunruhigt. Es wird vor allem interessant sein zu beobachten, wie weit Südkorea seiner Verärgerung über Japan (wegen der "Neu-Interpretation" seiner pazifistischen Verfassung, wegen der Aufhebung einiger bilateraler Sanktionen gegen Nordkorea, und wegen ungelöster Differenzen über die Bewertung der Weltkriegsvergangenheit - Red.) die Zügel schießen lässt. Schließlich sind Japan und Südkorea regionale Verbündete der USA, beide sind OECD-Mitglieder und asiatische Marktwirtschaften. Wäre Südkorea mehr zukunftsorientiert, würde es in Japans Zugehen (auf Nordkorea) keinen Grund zur Sorge sehen. Ich bin sicher, dass die USA auf die stark pro-amerikanische Präsidentin Park im Stillen Druck ausüben werden, sich nicht zu sehr mit China einzulassen.

Aidan Foster-Carter ist Nordkorea-Experte an der britischen Universität Leeds.

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