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Asien

China und das Klima

Die Volksrepublik China gilt als einer der größten Umweltsünder weltweit. Vor der UN-Klimakonferenz in Paris signalisiert China aber Reformwillen. Was sind die Herausforderungen?

Vom Entwicklungsland zur Supermacht in einem halben Jahrhundert: Der rasante Aufstieg der Volksrepublik China hat die Welt in Atem gehalten, aber inzwischen lässt die starke Luftverschmutzung die Bürger im eigenen Land husten. Denn mit dem wirtschaftlichen Fortschritt entwickelte sich die Volksrepublik auch zu einem der größten Klimasünder weltweit.

Vor allem die Industrie hat Chinas Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahrzehnten angekurbelt. 2011 löste China die USA als größten Energieverbraucher ab. Im Jahr 2012 gingen mehr als zwei Drittel des chinesischen Energieverbrauchs aufs Konto des industriellen Sektors. In Deutschland war es dagegen ein Drittel, in den USA nur etwas mehr als ein Fünftel. Die Volksrepublik argumentierte bislang, dass seine Industrie im Vergleich zu westlichen Industriestaaten Aufholbedarf habe und sie deshalb weniger Rücksicht auf die Emissionen nehmen könne.

China Energieverbrauch 2012 nach Sektoren

Chinas Energieverbrauch 2012 nach Sektoren (Grafik: DW)

Kurz vor der UN-Klimakonferenz kündigte Chinas Regierung aber eine Kehrtwende seiner Energiepolitik an. In einer groben Fassung des 13. Fünfjahresplanes, der Anfang Oktober veröffentlicht wurde, stellte sie Pläne für saubere Energie und Umweltschutz vor. Eine detaillierte Fassung soll im kommenden Frühjahr präsentiert werden.

Kernproblem Kohle

Chinas größtes Umweltproblem ist die Abhängigkeit seines Wirtschaftswachstums von Kohle. Seit den achtziger Jahren verbrennt China die Hälfte der weltweit produzierten Kohle, drei Viertel davon für die Nutzung in der Industrie.

Dementsprechend hoch ist Chinas Ausstoß an Treibhausgasen. China stoße mittlerweile genauso viel CO2 aus wie USA und EU gemeinsam, so eine Studie der Universität Harvard. Während Kohlendioxid die Erderwärmung beschleunigt, sorgt der Feinstaub aus Kraftwerken und Heizöfen für starke Luftverschmutzung. In Metropolen wie Shanghai, Chongqing und Peking kommen die Autoabgase hinzu. Die Weltgesundheitsorganisation stuft die Atemluft in Chinas Megastädten für die Hälfte des Jahres mindestens als "ungesund" ein.

Schwieriger Abschied von der Kohle

Im vergangenen Jahrzehnt stieg Chinas Kohleverbrauch jährlich um bis zu zehn Prozent, sank aber 2014 bereits um fast drei Prozent gegenüber dem Vorjahr, für 2015 geht die Regierung von weiter fallender Tendenz aus. Laut Wissenschaftlern der London School of Economics (LSE) könnte Chinas Kohleverbrauch bereits in den nächsten fünf Jahren sein Maximum erreichen. Das liegt vor allem daran, dass Chinas Regierung bereits seit längerem plant, die Wirtschaft des Landes von industrieller Massenfertigung auf Produktion mit höherem Wertschöpfungsanteil umzustellen.

Sogar bei gleichbleibendem Kohleverbrauch könnte China seinen CO2-Ausstoß vermindern, indem Kohlekraftwerke vermehrt Filter einbauen. Vergangenen Sommer einigten die USA und China sich auf ein Abkommen für saubere Kohle-Technologien, um den Ausstoß von Treibhausgas bei der Verbrennung einzudämmen. Allerdings sind diese Technologien teuer und Kraftwerkbetreiber scheuen sich oft, diese einzusetzen. Kritiker raten deshalb, das Geld stattdessen in erneuerbare Energien zu stecken und den Ausstieg aus der Kohle voranzutreiben.

Selbst in Deutschland, Vorreiter in Sachen Energiewende, ist ein abrupter Abschied von der Kohle nicht möglich, und erst recht nicht in China: Nach Angaben von Greenpeace hat Chinas Umweltministerium in diesem Jahr bereits 155 Projekte für neue Kohlekraftwerke bewilligt.

Öl und Gas

China Erdölverbrauch 1965 – 2014

Chinas Erdölverbrauch 1965 – 2014 (GRafik: DW)

Im Ölverbrauch liegt China nach Angaben des US-Energieministeriums auf Platz zwei hinter den USA. Im Jahr 2014überholte es die Vereinigten Staaten als größter Importeur. Da Chinas größte Ölfelder im Nordosten und in der Landesmitte bald erschöpft sind, planen heimische Konzerne vermehrt Tiefseebohrungen nach Öl und Gas vor der eigenen Küste.

Doch Chinas Ambitionen für groß angelegte Bohrungen nach Öl- und Gasvorkommen im Ost- und südchinesischen Meer sind derzeit beschränkt. Mit den Nachbarstaaten Japan, Vietnam und den Philippinnen streitet sich die Volksrepublik um Inselgruppen und potentielle Bohrgebiete.

Nur knapp fünf Prozent des Energiebedarfs deckt China bislang durch das etwas umweltschonendere Erdgas, bis 2020 will die Regierung den Anteil verdoppeln. Chinas staatliche Ölfirmen haben nach Angaben der Internationalen Energieagentur zwischen 2011 und 2013 73 Milliarden Dollar in Öl- und Gasförderung im Ausland investiert.

Ein Rückgang von Chinas Öl- und Gasverbrauch bleibt unwahrscheinlich. Im Transportsektor könnte der Ölverbrauch Chinas nach Ansicht der Forscher von der LSE für die nächsten zehn Jahre weiter steigen und damit die Einsparungen durch den geringeren Kohleeinsatz konterkarieren.

Erneuerbare Energien

Hoffnungsträger für eine grünere Energiepolitik Chinas sind erneuerbare Energien. 2014 steckten chinesische Firmen nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg eine weltweite Rekordsumme von 89 Milliarden Dollar in Projekte zum Ausbau erneuerbarer Energien.

Wasserkraft ist Chinas Hauptquelle für erneuerbare Energien und auch in diesem Sektor führt die Volksrepublik nach Angaben des US-Energieministeriums. Fast ein Fünftel der chinesischen Stromerzeugung komme aus Wasserkraft.

Der Drei-Schluchten-Damm in der zentralchinesischen Provinz Hubei ist das bislang größte, aber auch eines der umstrittensten Wasserkraftwerke der Welt. Geschätzte 1,3 Millionen Menschen wurden allein während der Bauzeit zwangsumgesiedelt. Außerdem sei das Wasserreservoir durch die unkontrollierte Flutung von Siedlungen, Fabriken und Müllanlagen verschmutzt, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters nach der Fertigstellung.

Beim Ausbau von Solarkraftanlagen überholte China

den ehemaligen Vorreiter Deutschland im Jahr 2013.

Im Gesamtvergleich der Photovoltaikanlagen liegt China aber immer noch hinter Deutschland.

Mit Windkraft konnte China im vergangenen Jahr schon mehr Strom erzeugen als mit Atomkraft, die ebenfalls als Alternative zur Kohle ausgebaut werden soll. Derzeit baut es an einem Windkraftprojekt in der nördlichen Provinz Gansu, der bislang größten Windparkanlage der Welt.

Grüne Aussichten für Chinas Zukunft?

Infografik Globale Entwicklung der Solarstromerzeugung

Globale Entwicklung der Solarstromerzeugung (Infografik: DW)

Ob China wirklich die energiepolitische Wende schafft, darüber streiten sich die Experten noch. Umweltschutz ist in China mittlerweile ein wichtiges Thema, zumindest könnte man das anhand der Milliardenbeträge vermuten, die zur Bekämpfung von Umweltverschmutzung investiert werden. Selbst der stetig wachsende Rüstungsetat der chinesischen Regierung lag 2013 mit 720 Milliarden Yuan (114 Milliarden US-Dollar) hinter dem für Investitionen, die im gleichen Jahr insgesamt in den Umweltschutz Chinas flossen.

Chinas Regierung plant seinen Höchststand an Treibhausgas-Emissionen 2030, vielleicht sogar schon 2025 zu erreichen. Die Forscher der LSE dagegen gehen davon aus, dass Chinas steigende Emissionsrate sogar früher zum Stillstand kommen könnte. Das Ziel 2030 könne als konservative Obergrenze betrachtet werden, gesetzt von einer Regierung, die lieber zu wenig verspreche und mehr liefere.

Experten des Mercator Instituts für China-Studien (MERICS) sehen die aktuelle Konjunkturflaute als Gefahr für einen Erfolg der Klimaziele. "Der wirtschaftliche Abschwung in China führt nicht automatisch zu rückläufigen CO2-Emissionen", schreiben Jost Wübbeke und Björn Conrad in ihrem Dossier. "Es kommt darauf an, wie künftig Wachstum erzeugt wird."

Sie sehen eine Chance für die Volksrepublik, durch wirtschaftliche Neuordnung sowohl sein Wachstum wieder anzukurbeln und gleichzeitig den Kohlendioxidausstoß niedrig zu halten. Dies werde aber erst verzögert stattfinden, denn noch tue sich China schwer "einen bedeutsamen Beitrag zur Vermeidung gefährlichen Klimawandels zu leisten."

Der "Climate Action Tracker", eine internationale Kooperation mehrerer Klima-Institute, sieht China deshalb im "gelben Bereich." Chinas geplanter Beitrag zum Klimaschutz, den es für den Gipfel in Paris eingereicht hat, reiche für eine Begrenzung der Erderwärmung auf maximal zwei Grad nicht aus, so die Analyse. Stattdessen solle China mehr Ehrgeiz entwickeln und bereits früher seine Energiewirtschaft umbauen, der Zeitpunkt wäre günstig.

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