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Wirtschaft

"China steht vor schweren Jahren"

Noch läuft der deutsche Exportmotor rund. Doch in China, nach den USA zweitgrößter Abnehmer deutscher Waren, drohen einige Blasen zu platzen. 2016 könnte deshalb sehr hart werden für die deutschen Exporteure.

Deutschlands Exporteure bleiben nach einem kräftigen Ausfuhrplus im November auf Rekordkurs. Sie haben Waren im Gesamtwert von 102,2 Milliarden Euro ins Ausland verkauft und damit 7,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit war der November der Monat mit der dritthöchsten Steigerungsrate im abgelaufenen Jahr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte.

Vor allem die Nachfrage aus den EU-Partnerstaaten legte weiter zu - ein Indiz dafür, dass sich die Wirtschaft in Europa auf Erholungskurs befindet. Für das Gesamtjahr fehlt damit nicht mehr viel, um den Ausfuhrrekord des Vorjahres zu knacken: Von Januar bis einschließlich November 2015 summierten sich die Exporte auf rund 1104 Milliarden Euro. Die Importe legten im November im Jahresvergleich um 5,3 Prozent zu.

Kaum Impulse für die Konjunktur

Allerdings kann man diese Geschichte auch anders erzählen: "Die deutschen Exporte sind im November wegen der Flaute in großen Schwellenländern wie China schwächer als erwartet gestiegen", meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Im Vergleich zum Vormonat sind die Exporte nämlich nur um 0,4 Prozent gestiegen - Experten hatten mit einem Anstieg von 0,7 Prozent gerechnet. Die Produktion von Industrie, Bauwirtschaft und Versorgern gab sogar um 0,3 Prozent zum Vormonat nach.

"Das Wirtschaftswachstum in Deutschland ist im wesentlichen eine Konsumstory", resümiert denn auch Analyst Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Die Industrieproduktion komme weiterhin schlapp daher, die Auftragslage sei verhalten, und auch das zögerliche Investitionsverhalten der Unternehmer sei momentan keine Unterstützung für die Konjunktur.

Rückläufige Investitionen

Ob die schlechten Wirtschaftsnachrichten und Börsenturbulenzen in China den Deutschen Exporteuren das Jahr 2016 verderben werden, ist ungewiss. "Ich rechne mit einer stark rückläufigen Investitionstätigkeit in China und auch in Deutschland", sagt Sebastian Heilmann, Direktor des Mercator Institute for China Studies (MERICS) in Berlin. "Denn Engagements in China werden immer unsicherer. Insbesondere Deutschlands Automobil- und Maschinenbauer und auch die chemische Industrie sind durch negative Entwicklungen in China verwundbar."

Die Schwierigkeiten im chinesischen Markt bergen allerdings nach Ansicht von MERICS-Direktor Heilmann auch Chancen für den Standort Deutschland: "Die verschlechterten Investitionsbedingungen und die wirtschaftliche Ungewissheit in China machen für Chinesen deutsche Investitionsziele attraktiv. Deutsche Unternehmen, Immobilienmärkte und Start-up-Standorte könnten für chinesische Investoren eine wichtige Option werden." Insgesamt rechnet Heilmann mit einem beschleunigten Kapitalabfluss aus China und einer verstärkten Suche nach Investitionschancen im Ausland durch chinesische Kapitalgeber.

"Es rumpelt ganz ordentlich"

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) stuft die Turbulenzen in China als gefährlich ein, sieht aber derzeit keine Rezessionsgefahr. Die negativen Folgen der Konjunkturprobleme in der Volksrepublik seien allerdings in Deutschland bereits zu spüren, sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben, der zurzeit Vizekanzler Sigmar Gabriel auf Kuba begleitet. "Die Auftragseingänge sind nicht mehr das, was sie einmal gewesen sind." Wansleben versicherte zugleich: "Wir setzen aber weiterhin auf China als attraktiven und mittel- bis langfristig auch wachsenden Absatzmarkt."

Der DIHK-Geschäftsführer sieht in China "das beginnende Platzen einer Börsenblase mit allen wirtschaftlichen und psychologischen Folgen". Glücklicherweise sei die Börsenkapitalisierung in der Volksrepublik längst nicht so groß wie die in Deutschland. Die finanziellen Auswirkungen für die Gesamtwirtschaft seien daher auch längst nicht so groß, wie sie es hierzulande der Fall wären. Zudem stehe China in einem Anpassungsprozess hinsichtlich seines Wachstumsmodells, der auf einen stärkeren Konsum im Inland abzielt. "Und hier rumpelt es ganz ordentlich", sagte der DIHK-Hauptgeschäftsführer.

Viele Unternehmen überschuldet

Dass es in China noch jahrelang rumpeln wird, glaubt auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. "In China hat sich eine Schuldenblase entwickelt. Die Unternehmen sind zu hoch verschuldet", so Krämer zur DW. "Und wir wissen das aus den westlichen Ländern: wenn eine solche Blase platzt, dann stehen wir unweigerlich vor mehreren Jahren, in denen die Unternehmen ihre Verschuldung abbauen müssen."

"Vielleicht strecken die staatlichen Banken in China diesen Prozess der Entschuldung", so Krämer, "insbesondere was die großen staatlichen Unternehmen anbelangt." Damit würden aber auch Unternehmen künstlich am Leben erhalten, die eigentlich nicht überlebensfähig sind. Die nennt man dann "Zombieunternehmen". Diese würden die Ressourcen von den gesunden, den privaten Unternehmen abziehen, fürchtet Krämer. "Das kann die Wirtschaft in China auf Jahre schwächen und verhindern, dass sie sich schnell wieder erholt. China steht vor schweren Jahren, was seine Wirtschaft anbelangt."