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Wirtschaft

China: Schon wieder Krise?

Die Krise des Westens ist noch nicht überwunden, da stehen die großen Emerging Markets schon vor dem Einbruch. China ist dabei allerdings der Einäugige unter den Blinden.

Nein, es war kein guter Start im Januar ins neue Börsenjahr. Egal ob in Frankfurt, Tokio oder New York: Die Aktienkurse gaben weltweit nach, und der Grund dafür scheint bereits gefunden zu sein. Die schlecht gemanagten Schwellenländer laufen sofort auf Grund, seitdem die Amerikaner den Geldhahn etwas zugedreht haben.

Rutscht die Welt nun wieder in die nächste große Finanzkrise? Dieses Mal nicht ausgelöst vom Westen, sondern von den neuen Lieblingen der Weltwirtschaft? Das ist wie immer schwierig vorauszusehen. Eines ist jedoch klar: Trotz des US-Aufschwungs auf Pump ist der Westen nicht in der Lage, den Einbruch in den Emerging Markets aufzufangen. Auch, wenn deren Einbruch ironischerweise damit zusammenhängt, dass es im Westen nicht mehr bergab geht.

Kapitalflucht aus den Schwellenländern

Je tiefer die USA und Europa vor einigen Jahren in die Wirtschafts- und Finanzkrise taumelten und die Notenbanken die Leitzinsen auf ein Niveau nahe Null senkten, desto attraktiver wurden in den Augen vieler Kapitalanleger plötzlich aufstrebende Schwellenländer wie Russland, Brasilien, Indien, aber auch Südafrika, Argentinien oder die Türkei. Die Politik des billigen Geldes in den USA hat dazu geführt, dass viele Investoren ihr Geld bevorzugt in diesen Staaten angelegt haben, weil es dort mehr Zinsen gab. Sie haben sich das Geld im Westen geliehen und es einfach durchgereicht, um bei den Aufsteigern das doppelte und mehr herauszuholen.

Frank Sieren. Foto: privat

DW-Korrespondent in Peking: Frank Sieren

Weil die Notenbank in den USA den Geldhahn nun aber langsam wieder zudrehen will und die Zinsen steigen, ziehen die Anleger ihr Geld aus den Ländern im Süden wieder ab und schaffen es zurück in die Heimat. Zwar leiden die betroffenen Staaten auch unter ganz individuellen Problemen. Südafrika etwa hat schon in den letzten Jahren eine längere Schwächephase durchgemacht, was unter anderem an den ständigen Streikwellen im Land liegt. Russlands Wirtschaft ist zu sehr auf Rohstoffexporte ausgerichtet. In Brasilien drücken mangelhafte Infrastruktur, lähmende Bürokratie und überhöhte Steuern das Potential. Das Land schleppt sich jetzt noch mit letzter Kraft durch Fußball-WM in diesem und die Olympiade im übernächsten Jahr, und dann ist endgültig die Luft raus. Und in der Türkei sind es derzeit vor allem politische Spannungen, die im Mai von Demonstranten am Taksim Platz ausgingen, und eine Korruptionsaffäre der Regierung Erdogan, die den Aufstieg bremsen.

Eines haben all die Staaten aber gemeinsam: Sie haben sich für ihr Wachstum im Ausland schnell viel Geld geliehen. Das gibt es nun nicht mehr, und deshalb kommen nun auf den ein oder anderen harte Jahre der Konsolidierung und Reformen zu. Die Zeichen sind bereits unübersehbar. Die frei handelbaren Währungen gehen in den Keller. Das bedeutet: Die Menschen in den jeweiligen Ländern müssen sehr viel mehr Geld in ihrer Währung ausgeben, wenn Sie international einkaufen wollen. Ihre Kalkulationen laufen aus dem Ruder. Die Börsenkurse sinken. Auch für den Staat wird es teurer, im Ausland Schulden zu machen.

Ausnahmefall China

Allerdings gibt es in dem Spiel ein große Ausnahme: China, das mit Abstand größte und für den Westen bedeutendste Land im Club der Schwellenländer. Peking war nicht so gierig in Zeiten des billigen Geldes. Der Kapitalverkehr ist streng geregelt. Wo Anleger aus dem Westen vorher kein Geld hinschaffen konnten, kann es jetzt auch nicht wieder hektisch abgezogen werden. Ganz davon abgesehen, wäre Chinas Wirtschaft auf das Geld ohnehin nicht angewiesen.

Peking ist kaum und nur langfristig im Ausland verschuldet und verfügt über riesige Devisenreserven. Mittlerweile hat China 3,82 Billionen Dollar angehäuft. Die kommunalen Schulden Chinas sind ärgerlich, aber für die Statik des Landes nicht relevant.

Sollte das Reich der Mitte ernsthaft schwächeln, könnte Peking Teile dieses Geldberges jederzeit nutzen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Das die Regierung solche Programme schnell auflegen und erfolgreich managen kann, hat sie bereits während der Finanzkrise des Westens gezeigt. Peking startete damals bereits im November 2008 ein gewaltiges Konjunkturprogramm, während der Westen noch wie das Kaninchen auf die Schlange starrte. Wenige Monate später stellte sich heraus, dass China die Lokomotive der Weltwirtschaft sein würde. Es ist sehr wahrscheinlich, dass China dies noch ein zweites Mal gelingt. Eines ist allerdings auch klar: Der politische Preise dafür wird höher sein als vorher. China wird noch mehr mitbestimmen wollen, wenn es darum geht, Lösungen für globale Probleme zu finden.