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Aktuell Asien

China schickt erstmals eine Frau ins All

Es soll ein politisches Signal der Gleichberechtigung sein. China will erstmals eine Astronautin in den Weltraum bringen. Gleichzeitig plant China sein erstes manuelles Andockmanöver im All – eine schwere Aufgabe.

Das Raumschiff "Shenzhou 9" soll an diesem Samstag mit drei Besatzungsmitgliedern an Bord vom Raumfahrtbahnhof Jiuquan in der Wüste Gobi abheben. Der vierte bemannte Raumflug Chinas wird mit 13 Tagen der längste und komplizierteste. Erstmals ist ein manuelles Andockmanöver des sogenannten "Magischen Schiffes" mit dem Raummodul "Tiangong 1" geplant, das man mit dem blumigen Begriff "Himmelspalast" übersetzen kann. Seit September kreist der "Palast" um die Erde. Und ebenfalls erstmals werden sich zwei Astronauten mehrere Tage in dem Raummodul aufhalten - wichtige Schritte auf dem Weg zum geplanten Bau einer eigenen und größeren Raumstation.

Frauen für besondere Aufgaben

Zwei Teams, besetzt mit jeweils einer Frau und einem Mann, haben sich auf den Raumflug vorbereitet. Im A-Team sitzt die Pilotin Liu Yang, im B-Team Wang Yaping. Der 33-jährigen Liu Yang werden stahlharte Nerven nachgesagt. Die Zeitung "Dahebao" aus ihrer Heimatprovinz Henan berichtet zum Beweis von einem gefährlichen Zwischenfall, bei dem ihr Düsenjet einmal beim Start mit einem Schwarm Tauben kollidierte und zwei Vögel in Luftschächte gesaugt wurden. Die Pilotin reagierte souverän, drehte um und landete den Jet nach elf Minuten wieder sicher auf dem Boden. Liu Yang ist wie ihre Kollegin eine Absolventin des Fluginstituts der Luftwaffe in Changchun in Nordostchina.

Erdbeben ins Sichuan 2008 Foto: AP

Erdbeben in der Provinz Sichuan 2008

Die 34-Jährige Wang Yaping ist ebenfalls eine Frau für besondere Aufgaben: Nach dem verheerenden Erdbeben 2008 in der Provinz Sichuan flog sie Rettungseinsätze. Im selben Jahr gehörte Wang Yaping während der Olympischen Spiele in Peking zu den sogenannten "Regenmachern". Aus der Luft wurden Wolken mit Silberjodid "geimpft", um sie schon vor der Hauptstadt zum Abregnen zu bringen.

"Frauen können die Hälfte des Himmels tragen", mit diesem Satz erhob der Staatsgründer der kommunistischen Volksrepublik Mao Tsetung die Gleichberechtigung einst zum Anspruch. Seine Worte bekommen jetzt neue Bedeutung.

Chinas Selbstvertrauen wächst

Für die China- und Raumfahrtexpertin Joan Johnson-Freese vom US Naval War College in Newport zeigt eine Astronautin an Bord, dass "die Chinesen sowohl an Zuversicht in ihr Raumfahrtprogramm gewonnen, als auch die Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit begriffen haben". Im Ausland fänden sie dadurch mehr Aufmerksamkeit. In China selbst würde das Frauen-Engagement dazu beitragen, mehr Interesse und Unterstützung für das Raumprogramm zu zeigen, sagt die Professorin.

Das Startfenster ist am Samstag zwischen 10:00-12:00 Uhr MESZ geplant. Nach dem Rendezvous in 343 Kilometer Höhe werden zwei Astronauten in den "Himmelspalast" umziehen. Sie sollen die lebenserhaltenden Systeme testen. Es ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung einer mit 60 Tonnen viel größeren Raumstation, die eigentlich bis 2020 geplant ist. Allerdings gibt es nach Angaben der US-Expertin Johnson-Freese Verzögerungen bei der Entwicklung der notwendigen, leistungsstärkeren Rakete vom Typ "langer Marsch 5".

gb/fab (dpa/dapd/afp)