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China profitiert vom Technologietransfer

Die Pläne der Chinesen, eine eigene Magnetschwebebahn zu entwickeln, trüben Außenminister Steinmeiers Besuch in Peking. Die Diskussion um Technologietransfer ist damit neu entflammt.

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Transrapid in Shanghai

In Deutschland hat die Meldung über die Entwicklung einer originär chinesischen Magnetschwebebahn großes Aufsehen erregt. Denn Deutschland ist seit Jahren in China mit dieser Technik präsent und hat wichtiges Know-How an die Chinesen weitergegeben. Seit drei Jahren verbindet in Shanghai die Magnetschwebebahn Transrapid den internationalen Flughafen mit dem Zentrum. Gerade in Hinblick auf die Weltausstellung in Shanghai 2010 hatten sich die im Konsortium Transrapid International zusammengeschlossenen Firmen Thyssen-Krupp und Siemens begründete Hoffnungen auf eine Verlängerung der Strecke ins 150 Kilometer entfernte Hangzhou gemacht.

Alle Branchen betroffen

Dass die Meldung über die chinesische Magnetbahn nur wenige Tage vor dem Besuch von Bundesaußenminister Frank Steinmeier in China (ab 22. 2.) lanciert wurde, macht skeptisch. In Peking munkelt man, die chinesische Seite wolle damit Druck auf die Deutschen ausüben. Die Deutschen sollen die Transrapidstrecke nach Hangzou nicht nur billiger bauen - sie sollen auch noch mehr Technologie und Know- How aus der Hand geben als bei der Flughafenbahn.

Damit aber würden sie eigenhändig der Konkurrenz von morgen auf die Beine helfen. China ist nicht dafür bekannt, dem Schutz ausländischen geistigen Eigentums besondere Priorität einzuräumen. Produktpiraterie ist eines der zentralen Probleme mit Chinas Wirtschaft. "Betroffen sind eigentlich alle Branchen", sagt Steffi Schmitt von der Bundesagentur für Außenwirtschaft. Ob Medizinfirmen, Autozulieferer oder Nahrungsmittelhersteller: Produkte werden oft komplett gefälscht.

Kopie besser als Original

Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang chinesisch-ausländische Partnerunternehmen. Die chinesische Statistik weist derzeit eine gute halbe Million solcher Gemeinschaftsunternehmen aus. "Wir kennen das aus dem Automobilbereich, aber auch aus vielen anderen Bereichen: Die Chinesen gründen zunächst Joint-Ventures mit ausländischen Unternehmen. Dann lernen sie, wie es funktioniert. Und dann machen sie es ganz schnell selber und in manchen Fällen sogar besser als die Originale", sagt Frank Sieren, langjähriger Korrespondent der Wirtschaftwoche in Peking.

Nahezu aus dem Nichts haben die Chinesen in wenigen Jahren mit Hilfe des Auslands eine Automobilindustrie aufgebaut, die inzwischen nicht nur den Binnenmarkt bedient, sondern auch auf den Export setzt. 2005 war nicht nur das Jahr, in dem China erstmals eigene Fahrzeuge auf der Internationalen Automobil- Ausstellung in Frankfurt vorstellte. Es war auch das erste Jahr, in dem China mehr Fahrzeuge exportierte als importierte. Hier war der Technologietransfer besonders effektiv, weil die chinesischen Autohersteller gleich mit mehreren ausländischen Konzernen zusammenarbeiten. Der VW-Partner Shanghai Automobile Industrie Corporation SAIC zum Beispiel kooperiert gleichzeitig mit General Motors, Fiat und Kia.

Eigene Passagiermaschine geplant

Inzwischen hat China neue ehrgeizige Pläne: Anfang Januar wurde verkündet, im nächsten Fünfjahresplan habe die Entwicklung einer eigenen Passagiermaschine für 150 bis 200 Menschen oberste Priorität. Da trifft es sich gut, dass Ministerpräsident Wen Jiabao als Gegenleistung für den Kauf von 150 Airbus-Jets im letzten Dezember den Aufbau einer Airbus-Fertigung in China ausgehandelt hat.

Thomas Enders, Vize-Vorstandschef des Airbus Mutterkonzerns EADS, scheint sich bereits damit abgefunden zu haben, dass Technologietransfer kaum zu vermeiden ist. Im Handelsblatt schrieb er unlängst: "In einer weltweit vernetzten Wissensökonomie wird es keine technologischen Besitzstände von Dauer mehr geben".

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