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Wirtschaft

China-Premiere auf Bundesliga-Trikot

Premiere in der Fußball-Bundesliga: Mit Suntech wirbt erstmals ein Unternehmen aus China auf den Trikots eines deutschen Erstliga-Vereins. Für die deutsche Solarbranche ist das eine Niederlage.

Blick in den Signal Iduna Park, Dortmund (Foto: picture alliance/augenklick)

Über den Stadien der deutschen Fußball-Bundesligisten scheint die Sonne. Und das im doppelten Sinne des Wortes: Zum einen geht es der Bundesliga wirtschaftlich gut, die Zuschauer strömen in Scharen und die Liga verdient durch die Vermarktung ihres Produktes im In- und Ausland viel Geld. Und zum anderen haben immer mehr Unternehmen aus der Solarbranche die Bundesliga als Werbeplattform entdeckt.

Im Stadion des amtierenden Deutschen Meisters Borussia Dortmund wird derzeit eine Solaranlage installiert. Sie wird nach Fertigstellung im Oktober jährlich bis zu 860.000 Kilowattstunden Strom liefern - damit könnte man weit mehr als 200 Haushalte versorgen. Partner des BVB ist das Photovoltaik-Unternehmen Q-Cells aus Bitterfeld in Sachsen-Anhalt, ein nach eigenen Angaben weltweit führendes Unternehmen dieser Branche. Q-Cells wird natürlich für seine Produkte werben: Auf der Stadionbande - nicht aber auf den Trikots des Deutschen Meisters.

Hoffenheim-Spieler mit neuem Trikot-Sponsor (Foto: dapd)

Suntech: Neuer Schriftzug auf den Trikots der TSG 1899 Hoffenheim

Zwei Aufsteiger finden zusammen

Dieses Privileg hat sich die Konkurrenz aus China gesichert: Mit Suntech wirbt erstmals ein Unternehmen aus dem Reich der Mitte auf dem Trikot eines Bundesliga-Vereins: Die TSG 1899 Hoffenheim hat den größten Solarmodulbauer der Welt als Hauptsponsor gewinnen können. Vielleicht passt das ja sogar zusammen: Hoffenheim, gestützt vom Multimilliardär Dietmar Hopp - Mitgründer der erfolgreichen deutschen Softwareschmiede SAP - hat in wenigen Jahren den Aufstieg aus den unteren Spielklassen ins Oberhaus geschafft. Ähnlich märchenhaft die Geschichte von Suntech: Es war einmal ein armer Bauernsohn aus China namens Shi Zhengrong. Der brachte es zum Laserphysiker und in Australien zum Doktor in Elektrotechnik. Er forschte dort mit führenden Solartechnikern. Was zu Hause auffiel. Und so nahm Shi Zhengrong vor zehn Jahren ein Sechs-Millionen-Dollar-Angebot seiner Heimatstadt Wuxi an. Die Aufgabe für den damals 37-Jährigen: die Gründung einer Solarfabrik. Heute ist Suntech Weltmarktführer.

Ein Weltkonzern aus China

Suntech hat aktuell fünf Fabriken in China, eine in den USA und Niederlassungen in 13 Ländern. Die Firma wurde durch Starthilfe der US-Investmentbank Goldman Sachs groß und ist seit Winter 2005 an der New Yorker Börse gelistet. Der Hauptsitz liegt aber nach wie vor in Wuxi bei Shanghai. Dort hat sich Suntech einen beeindruckenden, postmodernen Glaspalast als Zentrale bauen lassen - natürlich betrieben mit Sonnenenergie. Am einheimischen Standort liegt es, dass chinesische Solarmodule bis zu einem Drittel billiger sind als deutsche. Bei offenbar ähnlicher Qualität. Im Juni schloss Siemens einen Vertrag mit Suntech, wonach die Chinesen die Deutschen nun im großen Stil beliefern.

Europa im Visier

Yingli-Bandenwerbung während der WM 2010 (Foto: AP)

Yingli-Bandenwerbung während der WM 2010

Gut drei Viertel seiner Produkte exportiert Suntech nach Europa. Deutschland ist dabei die Nummer eins. Suntech hat als eines von wenigen chinesischen Unternehmen eine deutschsprachige Website. Zielgruppe: Der deutsche Endkunde, der klassische Häuslebauer. Den haben freilich auch andere im Visier: Yingli Solar, der größte einheimische Konkurrent von Suntech beispielsweise: Der Chef von Yingli ist ein fanatischer Fan des FC Bayern München. Dennoch ist sein Unternehmen kein Trikotsponsor seines Lieblingsklubs, sondern macht seit der vergangenen Saison nur Bandenwerbung.

Und auch bei Bayer Leverkusen, dem amtierenden Vizemeister, geht die Sonne auf dem Trikot auf: Unmittelbar vor dem Saisonstart am Freitag unterschrieb der Verein einen Dreijahresvertrag mit der SunPower Corp. aus San Jose in Kalifornien. Eigentlich hatte Bayer schon einen Vertrag über Bandewerbung mit Jinko Solar, einem weiteren aufstrebenden Solarunternehmen aus China in der Tasche, doch der wurde nach dem Sunpower-Deal kurzerhand gekündigt.

Deutsche Hersteller nur noch Zweite Liga?

Q-Cells-Produktionsanlage in Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) (Foto:dpa)

Q-Cells-Produktionsanlage in Bitterfeld (Sachsen-Anhalt)

Den Chefs der deutschen Solarfirmen dürfte das alles gar nicht gefallen. Zwar sind mit Q-Cells in Dortmund und Solarworld beim 1. FC Köln zwei der Branchengrößen immerhin noch als Premium-Partner dabei. Insgesamt aber spiegelt die Entwicklung in Sachen Fußball-Sponsoring die Lage der einheimischen Branche recht gut wider: Einst konnten die Deutschen vor Kraft kaum laufen und belächelten die Konkurrenz aus China eher mitleidig. Das Lachen ist den deutschen Herstellern aber längst vergangen. Die Margen sinken, der Preiskampf macht ihnen zu schaffen, einige bewegen sich am Rand der Pleite. Den Takt gibt nun die Konkurrenz aus China vor. Und die Chinesen, die leidenschaftliche Anhänger der deutschen Fußball-Bundesliga sind, dürfen sich freuen, in der neuen Saison die Namen einheimischer Firmen noch öfters als bisher zu sehen.

Autor: Henrik Böhme / Astrid Freyeisen
Redaktion: Dirk Kaufmann

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