China: Noch eine ″aufrichtige Entschuldigung″ von Daimler | Wirtschaft | DW | 09.02.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Daimler in China

China: Noch eine "aufrichtige Entschuldigung" von Daimler

Daimler hat bei Chinas Behörden ein weiteres Mal für eine Werbung mit einem Dalai Lama-Zitat Abbitte geleistet. In chinesischen Medien hatte der Autobauer Zorn und Empörung geerntet. Kritik gab es auch in Deutschland.

Deutschland Besuch des Dalai Lama in Frankfurt (DW/S. Schroeder)

Der Dalai Lama im vergangenen September in Frankfurt am Main

Nun hat die Führung von Daimler einen Brief an den chinesischen Botschafter in Berlin nachgeschoben, um sich für ein Dalai Lama-Zitat zu entschuldigen. Der Konzern bestätigte am Donnerstag die Existenz des Briefes, machte aber keine Angaben zu dessen Inhalt.

Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete, der Brief an den Botschafter stamme von Daimler-Chef Dieter Zetsche und dem China-Chef des Unternehmens, Hubertus Troika. Laut Xinhua heißt es in dem Brief unter anderem, Daimler habe nicht die Absicht gehabt, Chinas Souveränität oder territoriale Integrität in Frage zu stellen. Xinhua zufolge übermittelt Daimler in dem Brief seine "aufrichtige Entschuldigung". Man bedauere den Fehler, der die Menschen in China verletzt habe.

Daimler hatte in einem Instagram-Post einen Satz des Dalai Lama dem Foto eines Mercedes-Modells zur Seite gestellt. Das Zitat lautet: "Betrachte Situationen von allen Seiten und Du wirst offener." Das geistliche Oberhaupt der Tibeter ist für die Führung in Peking ein rotes Tuch. Aus Sicht Pekings ist der Dalai Lama Vertreter einer separatistischen Bewegung, das 1950 von China annektierte Tibet gehört für die kommunistischen Herrscher zum chinesischen Staatsgebiet.

Screenhot Instagram- Mercedes Benz (Instagram)

Der Stein des Anstosses: Daimler-Post auf Instagram

Daimler als „Volksfeind"

Mercedes hatte den Beitrag am Montag auf Instagram unter dem Hashtag "MondayMotivation" veröffentlicht. Der Beitrag hatte eine Welle von Kritik und zornigen Äußerungen in staatlichen Medien und sozialen Netzwerken zur Folge, obwohl Instagram für die meisten Internetnutzer in China blockiert ist und der Post auf Englisch geschrieben war. China ist der mit Abstand größte Einzelmarkt von Mercedes, der Oberklasse-Marke von Daimler. 

Die kommunistische Parteizeitung warf dem deutschen Autobauer in einem Kommentar gar vor, sich "zum Feind des chinesischen Volkes gemacht" zu haben. Mercedes löschte den Instagram-Post und postete eine erste Entschuldigung im sozialen Netzwerk Weibo. Das Unternehmen habe unverzüglich Maßnahmen eingeleitet, "um unser Verständnis der chinesischen Kultur und Werte weiter zu vertiefen", schrieb der Autobauer.

„Unwürdiges Schauspiel"

Die Entschuldigungen Daimlers an die Adresse Pekings führten unterdessen zu entrüsteten Reaktionen in Deutschland. Die Zeitung „Frankfurter Allgemeine" schrieb von einem „Kotau" und einem „unwürdigen Schauspiel". In der „Süddeutschen Zeitung" hieß es: „Die Welt verfolgt mit Grusel und Spott, wie Daimler vor Peking zu Kreuze kriecht."

Mercedes Präsentation S-Klasse Hamburg 15.05.2013 Dieter Zetsche (picture-alliance/dpa)

Daimler-Chef Dieter Zetsche vor der S-Klasse

Kritik für die Entschuldigung kam auch von Michael Brand, dem Menschenrechtspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: "Wenn Rückgratlosigkeit ausgezeichnet werden würde, dann hätten die Mercedes-Manager den ersten Preis für ihr peinliches Verhalten verdient" teilte Brand mit. "Der Konzern sollte sich nicht bei der chinesischen Regierung entschuldigen, sondern schleunigst beim Dalai Lama und den Tibetern."

Die Menschenrechtsorganisation International Campaign for Tibet (ICT) bezeichnete die Entschuldigung in einer Mitteilung am späten Dienstagabend als einen "beschämenden Kotau vor der Diktatur". 

Zuletzt gab es eine ganze Reihe ähnlicher Vorfälle, bei denen sich ausländische Firmen nach Kritik aus China entschuldigten, darunter die Hotelkette Marriott und die Fluggesellschaft Delta aus den USA. Auch die spanische Bekleidungskette Zara hatte zuletzt den Zorn chinesischer Verbraucher und Behörden mit Internet-Einträgen auf sich gezogen. 

ar/hg (dpa, afp, rtr)

Die Redaktion empfiehlt