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Wirtschaft

China: Naturgefahren lauern überall

Die Zahl der Toten im Erdbeben in Westchina ist auf über 2000 gestiegen. Das boomende Land ist Naturgefahren ausgesetzt. Durch das rasante Wirtschaftswachstum steigt auch der materielle Schaden bei solchen Katastrophen.

Menschen in Yushu stehen vor Trümmern (Foto: AP)

Das Erdbeben in Yushu in der Provinz Qinghai hatte eine Stärke von 7,1

Erdbeben, Wirbelstürme, Überschwemmungen, Dürre. "Es gibt nahezu keine Region in China, die nicht durch irgendeine dieser Naturgefahren gefährdet ist", sagt Peter Höppe, Leiter der GeoRisikoForschung bei der weltgrößten Rückversicherung Munich Re, früherer Münchner Rück.

Trümmer in Tangshan nach dem Erdbeben im Jahr 1976 (Foto: dpa)

Beim großen Erdbeben in Tangshan 1976 starben eine Viertel Million Menschen

Vier der zehn global tödlichsten Erdbeben seit 1900 ereigneten sich laut einer Länderstudie der Munich Re in China, darunter auch das große Erdbeben in Sichuan im Mai 2008, bei dem über 80.000 Menschen starben und ein gesamtwirtschaftlicher Schaden von 85 Milliarden Dollar entstand.

Klimawandel verstärkt Naturgefahren

Im Gegensatz zu den Erdbeben werden andere Katastrophen wie Stürme oder Überschwemmungen durch Bewegungen in der Atmosphäre verursacht. Solche Gefahren werden durch den Klimawandel verstärkt, sagt Peter Höppe: "Man kann ganz pauschal sagen, dass sich die Extreme durch den Klimawandel verstärken." Dort, wo heute schon relativ wenig Niederschlag falle, vor allem in den subtropischen Gebieten, werde der Niederschlag weiter abnehmen und dort, wo heute schon sehr viel Niederschlag falle, vor allem in den gemäßigten Breiten, werde noch mehr Niederschlag fallen. "Das Muster passt auch ganz gut zu dem, was wir gerade in China sehen, in einigen Regionen, wo wir diese doch sehr extreme Dürre feststellen", sagt Meteorologe Höppe weiter.

Prof. Peter Höppe, Leiter der GeoRisikoForschung bei Munich Re (Munich Re)

Prof. Peter Höppe, Leiter der GeoRisikoForschung bei Munich Re

Während Chinas Norden, das Landesinnere und der Südwesten immer häufiger von der Dürre heimgesucht werden, plagt die Küstenregion eine Zukunftssorge, nämlich der Anstieg des Meeresspiegels, der auch dem Klimawandel geschuldet ist. Die neuesten Studien sagen einen Anstieg von 50 Zentimeter bis 1,40 Meter voraus. Hiervon betroffen wäre die Wirtschafts- und Finanzmetropole Shanghai, vor allem Pudong, die Wirtschaftssonderzone in Shanghai, deren Skyline sinnbildlich für das chinesische Wachstum steht. Peter Höppe sieht die Zukunft für Pudong kritisch, "zumal ja Pudong - und das gilt eigentlich für ganz Shanghai - auch absinkt relativ zur Meeresoberfläche. Das heißt, wir haben zwei Bewegungen: der Meeresspiegel steigt an, das Land sinkt ab und das führt zu noch weit höheren Differenzen oder relativen Anstiegen des Meeresspiegels dort."

Perle am Yangtse bedroht

Für dieses Jahrhundert sieht er für Pudong noch kein Katastrophenszenario: "Langfristig allerdings müsste man sich schon überlegen, ob man oder wie weit man diese Region noch entwickelt, ob man nicht in sicherere Gebiete ausweichen sollte."

Nachtbild von Shanghai (Foto: dpa)

Vom Meeresspiegelanstieg ist auch die Metropole Shanghai betroffen

Pudong gilt als eine der reichsten Gegenden in China. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf beträgt über 20.000 Dollar im Jahr und damit mehr als das Fünffache des Landesdurchschnitts. Kaum vorstellbar, wie viel materielle Werte vernichtet würden, wenn die Region im Meer versinken würde.

Höhere Schäden durch mehr Reichtum

Die Höhe der Schäden im Falle einer Naturkatastrophe steigt mit dem Wachstum der Wirtschaft. Doch sind in dem von der Natur nicht gerade begünstigten Riesenreich nur ein bis zwei Prozent der Schäden versichert. In westlichen Industrieländern liegt dieser Wert bei über 50 Prozent.

Mit anderen Worten: China bietet auch der Versicherungswirtschaft ein großes Wachstumspotential. Innerhalb von wenigen Jahren hat sich das Land zur Nummer sechs in der weltweiten Versicherungsbranche entwickelt. Munich Re sieht China in absehbarer Zukunft den größten Markt für Versicherungen und verspricht sich gute Chancen, von dieser Entwicklung zu profitieren.

Autorin: Zhang Danhong
Redaktion: Andreas Becker

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