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Kultur

China muss sich der Kritik stellen

Auf der Frankfurter Buchmesse will sich China als modernes, weltoffenes Land mit Geschichte präsentieren. Oppositionelle Meinungen muss Peking dort hinnehmen, kommentiert Matthias von Hein.

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China hat den größten Büchermarkt der Welt. Und ist damit für die Frankfurter Buchmesse ein interessanter Partner. Sicher hat man in den letzten Jahren bei den Verhandlungen über den Gastlandauftritt Chinas bei der Buchmesse festgestellt, dass China kein leichter Partner ist. Aber was für eine Gratwanderung die Einladung Chinas als Ehrengast sein wird, das wird Buchmessendirektor Jürgen Boos erst in den vergangenen Tagen in seiner ganzen Tragweite verstanden haben.

Chinas Soft Power

Matthias von Hein (Foto: DW)

Matthias von Hein

Umgekehrt wird man sich aber auch in Peking die Augen reiben und beginnen zu erkennen, worauf man sich in Frankfurt eingelassen hat. China sieht sich im Wettbewerb mit dem Westen. Wirtschaftlich hat es mächtig aufgeholt. Kulturell möchte es gerne nachziehen. Staatspräsident Hu Jintao hat mehrfach gefordert, China müsse mehr "soft-power" entwickeln. Diesem Ziel dienen die rund 300 Konfuzius-Institute, die in den letzten fünf Jahren gegründet wurden. Diesem Ziel sollte auch die Ausrichtung der Olympischen Spiele im letzten Jahr dienen. Und auch der Gastlandauftritt Chinas bei der Buchmesse gehört in diesen Zusammenhang.

China nimmt dafür viel Geld in die Hand. Dutzende Autoren werden nach Frankfurt eingeflogen. Die Rede ist von knapp 500 Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem Gastlandauftritt. China will sich präsentieren: Als modernes, weltoffenes Land mit vieltausendjähriger Geschichte. Seit Jahren wird das Bild der "harmonischen Gesellschaft" beschworen. Konflikt, Streit im Inneren passt da nicht ins Bild. Weshalb Konfliktthemen aus den chinesischen Medien per Zensur wegretuschiert werden. Dai Qing darf in China nicht publizieren. Bei Leing muss im US-Exil leben.

Freiheit des Wortes

In Frankfurt ist das anders. Die Buchmesse ist inhaltlich nicht zu kontrollieren. Hier ist China nicht allein Herr des Verfahrens. Wenn Peking sich hier präsentiert, muss es auch gewillt sein, sich der Kritik zu stellen. Es ist gut, dass die Buchmesse nach einer Phase des Lavierens wieder auf den einzig vertretbaren Kurs eingeschwenkt ist: die Freiheit des Wortes zu verteidigen. Es ist gut, dass Dai Qing und Bei Ling im Publikum sitzen. Und es ist gut, dass die chinesische Delegation sich der Kritik stellt.

Die Frankfurter Buchmesse mit der Entschuldigung ihres Direktors, die chinesische Delegation mit dem Akzeptieren der Teilnahme von Dai Qing und Bei Ling: Beide Seiten haben bei diesem Symposium Kröten zu schlucken. Aber in China hat man vor ungewöhnlichen Speisen keine Scheu. Und stellt vielleicht fest, dass sie nahrhaft sind oder sogar Heilwirkung haben.

Autor: Matthias von Hein, z. Zt. Frankfurt

Redaktion: Dirk Eckert

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