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Asien

China möchte Korea-Konflikt entschärfen

Die USA, Korea und Japan haben von China mehr Engagement gefordert. China hat reagiert. Doch nun scheint das Interesse der anderen beteiligten Staaten eingeschlafen zu sein.

Symbolbild: Die Flaggen NOrd- und Südkoreas. Davor sind Raketen aufgestellt (Foto: DW)

Fast an der Tagesordnung: militärische Drohgebärden zwischen Nord- und Südkorea

Mit seinem Kernwaffenprogramm hat Nordkorea immer wieder für Spannungen auf der koreanischen Halbinsel gesorgt. Seit 2003 versucht Peking, engster Verbündeter des kommunistischen Regimes in Nordkorea, im Rahmen der sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche, gemeinsam mit den USA, Südkorea, Japan und Russland, das Verhalten Nordkoreas zu mäßigen. Obwohl Nordkorea die Verhandlungen beinahe regelmäßig boykottierte und vor gut eineinhalb Jahren auf Eis legte, haben sich die Teilnehmerstaaten bisher stets für eine Fortführung der Sechs-Parteien-Gesprächen eingesetzt.

Doch nun, mit der erneuten Verschärfung des Konflikts zwischen Nord- und Südkorea, schwindet bei manchen Beteiligten die Hoffnung, dass Gespräche dieser Art eine friedliche Lösung des Konflikts herbeiführen können. Für Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Bundeswehr-Universität in München, ist Chinas Rolle als Vermittler dennoch weiterhin unentbehrlich: "Die Chinesen haben unter allen beteiligten Akteuren den größten Einfluss auf das nordkoreanische Regime. Ohne China wird man Nordkorea nicht bewegen können. Ich denke, dass China immer noch der entscheidende Akteur mit Blick auf Nordkoreas Verhalten ist."

China vermittelt weiter - auch aus Eigeninteresse

Professor Rüdiger Frank sitzt auf einem Stuhl im Garten mit einem Buch auf dem Schoß (Foto: Professor Rüdiger Frank)

Professor Rüdiger Frank

Unbeeindruckt vom Desinteresse an seiner Aufforderung zu einer Sechser-Runde schickt Peking weiterhin ranghohe Diplomaten auf Vermittlungstour. Professor Rüdiger Frank, Nordkorea-Experte an der Universität Wien, meint, dies geschehe nicht aus Liebe zu Pjöngjang: "In China fürchtet man eine große Flüchtlingswelle. Und man kann es sich politisch nicht leisten, einen Staat, der sich offensichtlich unter den Schutz Chinas begeben hat, quasi hängen zu lassen. Das schickt unschöne Signale an andere Länder, denen China eine ähnliche Rolle anbieten möchte."

Mit Atomtests und aggressiven militärischen Muskel-Spielen provoziert Nordkorea regelmäßig nicht nur die Weltöffentlichkeit, sondern irritiert auch seine Verbündeten in Peking. Nordkorea habe in der Vergangenheit auch gegenüber China in gewissem Maße unabhängig agiert, sagen chinesische Nordkorea-Experten. Viele sind der Meinung, dass Peking weitaus weniger Einfluss auf Pjöngjang hat, als die Außenwelt glaubt.

Wiedervereinigtes Korea im Interesse Chinas?

He Yafei steht an einem Mikrofon und hält eine Rede (Foto: ap)

Mag China Nordkorea nicht? He Yafei soll das gesagt haben

Laut den jüngsten Enthüllungen des Internetportals Wikileaks, die weltweit für Schlagzeilen gesorgt haben, soll sich China sogar eine wiedervereinigte koreanische Halbinsel unter einer südkoreanischen Regierung gewünscht haben. In einem anderen Dokument soll der frühere chinesische Vize-Außenminister Yafei He im vergangenen Jahr gesagt haben, dass Peking Nordkorea eigentlich nie richtig gemocht habe. Carlo Masala von der Münchener Bundeswehr-Universität hält zwar nichts von dem übertriebenen Wikileaks-Hype, findet aber in solchen Äußerungen mit Blick auf China doch einiges plausibel: "Was spricht dagegen, ein wiedervereinigtes Korea mit einer demilitarisierten nördlichen Zone zu haben? Das wäre in chinesischem Interesse. Und damit können die Chinesen auf lange Sicht leben, anstatt mit diesem Regime in Nordkorea, bei dem sie selbst Mühe haben, es zu kontrollieren."

Welche Mittel hat Peking noch, um die koreanische Krise nicht weiter eskalieren zu lassen? Nordkorea-Experte Masala schlägt China vor, über Bande zu spielen: "Zunächst einmal würde ich mit amerikanisch-chinesischen Gesprächen über Nordkorea anfangen, um Nordkorea zu signalisieren, dass hier eine Einigkeit zwischen diesen beiden Akteuren besteht, nämlich dass die Situation auf den koreanischen Halbinseln nicht eskalieren darf. Je isolierter Nordkorea sich fühlt, auch von China, desto mehr muss es sich überlegen ob es sich bewegen wird."

Autor: Fengbo Wang
Redaktion: Marco Müller

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