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Asien

China lässt tibetisches Kloster abriegeln

Seit Wochen ist die Lage im tibetischen Kloster Kirti in der chinesischen Provinz Sichuan angespannt. Aus Protest gegen die Regierung verbrannte sich im März ein Mönch selbst. Jetzt riegelte die Polizei das Kloster ab.

Die große Stupe des Klosters Kirti in der zentralchinesischen provinz Sichuan

Mehr als 2000 tibetische Mönche halten sich im abgeriegelten Kloster Kirti auf

Mehr als 2000 Mönche sind praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Das Aufgebot an Sicherheitskräften, das die chinesischen Behörden um das tibetische Kloster Kirti in der zentralchinesischen Provinz Sichuan zusammengezogen haben, ist offenbar massiv. Nach Informationen verschiedener Aktivistengruppen nahmen die chinesischen Behörden zahlreiche Mönche des Klosters fest und brachten sie für politische Erziehungsmaßnahmen an andere Orte.

Die örtliche Bevölkerung versuche die Mönche zu verteidigen und belagere die Zugänge zum Kloster, schildert Kai Möller von der 'International Campaign for Tibet' die Situation in dem Kloster. "Infolgedessen ist es in den vergangenen Tagen auch zu Übergriffen der Sicherheitskräfte und zu Gewalteinsatz gegenüber der Bevölkerung dort gekommen." Die Situation sei sehr angespannt. Auch in den umliegenden Gegenden würden die Behörden so genannte patriotische Erziehungsmaßnahmen durchführen, so Möller.

Exil-Tibeter mit Bildern des Mönches, der sich selbst angezündet hatte (Foto: Ap)

Im indischen Dharmsala gingen nach dem Selbstmord eines Mönches aus dem Kloster Kirti Exil-Tibeter auf die Straße

Jeder Protest wird im Keim erstickt

Nach Informationen der 'International Campaign of Tibet' haben Sicherheitskräfte sogar Hunde auf die Menschen vor dem Kloster gehetzt. Gläubige Tibeter, die den Sicherheitskräften den Zugang zum Kloster versperrten, wurden verprügelt. Den Mönchen mangele es wegen der Blockade an Nahrungsmitteln, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte. Traditionell sind die Mönche von Nahrungsmittelspenden der örtlichen Bevölkerung abhängig. Die Behörden haben den gläubigen Tibetern verboten, den Mönchen direkt Nahrungsmittel zukommen zu lassen.

Schon seit einigen Wochen ist die Situation im Distrikt Ngaba, in dem das Kloster liegt, angespannt. Am dritten Jahrestag des tibetischen Aufstands von 2008 hatte sich der tibetische Mönch Phuntsok aus Protest gegen die chinesische Regierung selbst verbrannt und war am 16. März seinen Verletzungen erlegen. Der Tod des Mönchs habe eine große Anteilnahme in der Bevölkerung ausgelöst, sagt Kai Möller von der 'International Campaign for Tibet'. "Seine Bestattung hat stattgefunden unter zahlreicher Beteiligung der örtlichen Bevölkerung." Man könne davon ausgehen, dass die Behörden unmittelbar nach der Selbstanzündung begonnen hätten, jeglichen Protest schon im Keim zu ersticken. Die Informationen aus der Region kommen aus dem Schwesterkloster des Klosters Kirti in Indien, so Müller. Dort stehe die Aktivistengruppe in Kontakt mit Mönchen, die direkten Zugang zu der betroffenen Region Ngaba haben.

Junge tibetische Mönche in China (Foto: AP)

Junge tibetische Mönche in China

Chinesische Behörden streiten Eskalation ab

Im Gespräch mit der DW hat ein Mitarbeiter der Abteilung für Religionsfragen der Kreisstadtverwaltung in Ngaba bestätigt, dass Sicherheitskräfte ins Kloster Kirti geschickt worden seien, "um die Erziehungskampagne 'Liebe dein Land, liebe deine Religion' durchzuführen, um sich die Wünsche und Anliegen der Mönche anzuhören und diese an die Regierung weiterzuleiten". Meldungen, wonach es zwischen der lokalen Polizei und den Mönchen des Klosters Kirti zu Eskalationen gekommen sein soll, würden jeder Grundlage entbehren. Derartige Berichte von Aktivistengruppen seien Propaganda, so der Behördensprecher. "Solche Organisationen mit Sitz im Ausland verfolgen nur eine böse Absicht: unserem Land und der Politik unserer Partei zu schaden."

Inzwischen hat auch die US-Regierung das Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte im Kloster Kirti scharf kritisiert. Die Maßnahmen in dem Kloster "seien unvereinbar mit international anerkannten Prinzipien von Religionsfreiheit und Menschenrechten", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Mark Toner, am Donnerstag (14.04.). Man werde die Situation weiter genau beobachten und sei sehr besorgt.

Autor: Christoph Ricking
Redaktion: Ana Lehmann