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Wirtschaft

China lässt Europa zappeln

Das krisengeschüttelte Europa sucht Hilfe beim zahlungskräftigen China. Chinesische Offizielle zeigen sich bisher wenig beeindruckt. Auch Experten des Landes raten, abzuwarten und gezielt zu investieren.

Ein Euroschein steckt mit zwei chinesischen Stäbchen in einer Wiese (Foto: picture alliance/dpa)

Europa hat es eilig. Bereits Stunden nach dem Gipfel zur Euro-Rettung am vergangenen Donnerstag (27.10.2011) machte sich Klaus Regling, Chef des Euro-Rettungsfonds, EFSF, auf den Weg ins Reich der Mitte. Gespräche mit chinesischen Offiziellen blieben allerdings ergebnislos. Auf einer Pressekonferenz sagte Zhu Guangyao, stellvertretender Finanzminister Chinas: Sein Land könne keine Hilfe versprechen, solange Details des künftigen Rettungsfonds nicht bekannt seien.

China lässt sich Zeit. Wahrscheinlich will das Land so den Preis für die Euro-Unterstützung hochtreiben. Chinesische Politiker machen keinen Hehl daraus, was sie von den Europäern erwarten: Die Anerkennung der chinesischen Wirtschaft als eine Marktwirtschaft, das Ende des Waffenembargos und Stillhalten im Streit um die Bewertung der chinesischen Währung. Die Regierung in Peking wartet ab, auch um Rendite und Risiko genau abzuwägen. Kritik im eigenen Lande, dass die Devisenreserven leichtfertig investiert oder gar in den Sand gesetzt werden, kann sie im Moment nicht gebrauchen. Hinzu kommt, dass allein die Vorstellung, dass das aus vieler Hinsicht arme China dem reichen Europa unter die Arme greifen soll, unter den chinesischen Ökonomen für heftige Diskussionen gesorgt hat.

Zuerst eigene Reserven anzapfen

Prof. Huang Zemin von der East China Normal University

Europäische Anleihen - keine gute Anlage für China: Prof. Huang Zemin

So rät Huang Zemin, Finanzwissenschaftler von der East China Normal University, davon ab, Staatsanleihen klammer Euro-Länder zu kaufen. Schließlich gelte beim Einsatz der Devisenreserve die Devise: Sicherheit vor Rendite. Europa solle eigene Reserven ausschöpfen, sagt Huang: "Italien und Spanien verfügen über üppige Goldreserven. Davon können sie doch etwas verkaufen", schlägt Huang gegenüber DW-WORLD.DE vor.

Dass ausgerechnet die dritt- und die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone gleichzeitig vom Schuldenbazillus befallen sind, stellt nach Meinung von Yao Shujie eine enorm schwierige Situation für die Währungsunion dar. In seinem Blog auf der renommierten Wirtschaftsseite Caijing schreibt der chinesischstämmige Professor an der University of Nottingham: "Der größte Retter für die Eurozone ist Deutschland. Aber ein einziger Reicher kann nicht zu vielen Armen aus der Patsche helfen."

Kein zuverlässiger Retter

Ein Chinese mit Münzen aus allen Euro-Ländern (Foto: AP)

Genau abwägen, in welches Land investiert wird

Also setzt man dien Hoffnung auf China und Japan, die für ihre gigantischen Devisenreserven Investitionsmöglichkeiten suchen. Doch seien beide Länder keine zuverlässigen Retter, so Yao Shujie: "China stellt Bedingungen für seine Hilfe. Um die zu erfüllen, bedarf es der offiziellen Zustimmung aller 27 EU-Staaten und dazu noch der inoffiziellen der USA." Zudem gelte es als unwahrscheinlich, dass Europa auf Chinas Wünsche eingehe, bevor es klar sei, welche Rolle die Asiaten bei der Euro-Rettung übernehmen würden.

Das klingt nach einer ziemlich verzwickten Lage. Auch wenn sich China in einer scheinbar besseren Position befindet, kann sich die Zentralregierung nicht völlig entspannt zurücklehnen, während Europa strauchelt. Denn die EU ist der wichtigste Handelspartner für China, und ein Viertel der chinesischen Devisenreserven ist bereits in Euro investiert. So plädiert auch der Notenbankberater Li Daokui, der sonst vor weiteren Ankäufen europäischer Staatsanleihen warnt, dafür, in den Euro-Rettungsfonds zu investieren. Wenn dies nicht geschehe, müsste China weiterhin US-Anleihen anhäufen und somit den Amerikanern helfen.

Gesamtmenge im Blick halten

Aus demselben Grund ist Wei Jianguo, der ehemalige Vizehandelsminister, der Meinung, China solle sich einer Euro-Rettung nicht verschließen. Allerdings müsse sein Land beim Kauf der Anleihen wählerisch sein, den Zeitpunkt der Investition genau abwägen und immer die Gesamtmenge im Blick halten, rät Wei im Interview mit der Webseite der Caixin Media Group. Den Europäern stellt er ein vernichtendes Zeugnis aus: "Realitätsfern, disziplinlos und arrogant". Deswegen habe er so seinen Zweifel, ob sie das, was sie beschlossen hätten, auch in die Tat umsetzen könnten.

Autorin: Zhang Danhong
Redaktion: Rolf Wenkel