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Asien

China-Kulturjahr unter Propaganda-Verdacht

Ende Januar begann das chinesische Kulturjahr in Deutschland. Das Programm wurde von der chinesischen Regierung kürzlich in Berlin präsentiert: Kritische Stimmen fehlen, stattdessen gibt es viel Musik.

Logo / Chinesisches Kulturjahr in Deutschland

China aus der Nähe betrachten: "CHINAH"

Das chinesische Kulturjahr in Deutschland wird mit einer sehr westlichen Kulturveranstaltung beginnen: mit dem Konzert eines Symphonieorchesters. Das China Symphony Orchestra wird in Berlin Werke deutscher und chinesischer Komponisten spielen. "Die Frage stellt sich, ob das eine originär chinesische Einrichtung ist", sagt der Dramaturg Dieter Rexroth, um dann gleich die Antwort zu geben. "Diese Art der Auseinandersetzung mit der Orchesterkultur hat in China eine sehr starke Tradition, und wenn mich nicht alles täuscht, ist da auch ein weiterer Aufschwung zu erwarten."

Musik überwindet Ländergrenzen

Tan Dun (Foto: dapd)

Auch der bekannte Komponist Tan Dun repräsentiert im Kulturjahr Chinas Musikszene

Musik wird einen großen Teil des Kulturjahres ausmachen. Schon in der ersten Woche gibt es vor allem klassische Musik, traditionelle chinesische Musik, chinesische Oper. Insgesamt sind während des Jahres rund 500 Veranstaltungen geplant: Das Schleswig-Holstein Musikfestival wird einen China-Schwerpunkt haben, die Popmesse C/O Pop oder die Münchner Musik-Biennale. "Wir denken, dass Musik besonders geeignet ist, weil Musik Ländergrenzen überwindet", sagt Chen Ping, Leiter der Europaabteilung im chinesischen Kulturministerium. "Jeder kann sie verstehen, man muss dafür keine Sprache lernen."

Dass die Musik den größten Stellenwert im Programm einnimmt, hat aber wohl auch noch andere Gründe. Musik - zumindest klassische und traditionelle - ist meist auch weniger kontrovers als Literatur oder bildende Kunst. In Deutschland sind vor allem zwei chinesische Künstler bekannt. Das ist zum einen der Pianist Lang Lang, der in den USA lebt, und der nicht für das Kulturjahr gewonnen werden konnte. Zum anderen ist den meisten Deutschen aber auch der Name Ai Weiwei bekannt.

Vorzeigekultur oder Vielfalt?

Der Künstler Ai Weiwei fotografiert in München (im Haus der Kunst bei einer Pressekonferenz die Journalisten. (Foto: dpa)

Ai Weiwei fehlt beim Kulturjahr: Er steht in Peking unter Hausarrest

Ai hat enge Beziehungen zu Deutschland, er war als Gast auf der Documenta in Kassel, eines der wichtigsten Kunstereignisse in Europa, und wollte im vergangenen Jahr ein Atelier in Berlin eröffnen. Im Programm des Kulturjahres taucht er nicht auf, was wenig überraschend ist, denn er steht in Peking unter Hausarrest. "In China gibt es tausende, ja zigtausende Künstler", wischt der chinesische Botschafter in Deutschland, Wu Hongbo, Fragen nach dem unbequemen Künstler beiseite und schiebt hinterher: "Ich wüsste mal gerne, wie gut unsere deutschen Freunde die chinesische Kultur überhaupt kennen. Wenn man wenig weiß und trotzdem urteilt, dann wird aus dem Urteil nämlich ein Vorurteil."

In der deutschen Öffentlichkeit fürchtet man, dass das China-Jahr eine reine Propagandaveranstaltung der Regierung wird. Alternative oder gar regierungskritische Stimmen der Kulturszene werden im Rahmen der Feierlichkeiten nicht zu Wort kommen.

Bundespräsident Christian Wulff mahnte als Schirmherr des Kulturjahres einen demokratischen Umgang mit Künstlern an. "Künstlerische Entfaltung braucht offenen Dialog und Freiraum", so Wulff. Chen Ping vom Kulturministerium wies den Vorwurf zurück, man präsentiere in Deutschland nur die offizielle Vorzeigekultur. "Es gibt ja nicht nur den staatlichen Teil des Kulturjahres." Neben der chinesischen Regierung beteiligten sich ja auch Galerien an dem Kulturjahr. So plane das Ullen Center for Contemporary Art Veranstaltungen in Deutschland. Und es gebe ja auch Künstler, die auf eigene Initiative Projekte organisieren. Man dürfe nicht nur das Programm der Regierung betrachten, sagt er. "Das gesamte Jahr wird sehr vielfältig."

Autor: Mathias Bölinger
Redaktion: Ziphora Robina