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Wirtschaft

China hält Rekord im Devisenhüten

China hat die größte Währungsreserve der Welt angehäuft - ein weiteres Symbol für seine ökonomische Macht. Doch der damit einhergehenden Verantwortung wird das Land der Mitte nicht immer gerecht.

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Hohe chinesische Währungsreserven bergen Gefahren für den US-Dollar

Die chinesischen Devisenreserven wachsen nach Angaben der Zeitung "Shanghai Daily" um fast 30 Millionen US-Dollar pro Stunde. Staatlichen Medienberichten vom Dienstag (7.11.) zufolge, sollen sie bereits die Marke von einer Billion Dollar überschritten haben. Damit hält China die weltweit höchsten Währungsreserven.

"Das ist das Ergebnis von langjährigen Leistungsbilanzüberschüssen, die vor allem in den letzten zwei Jahren vor dem Hintergrund einer nicht allzu dynamischen chinesischen Binnenkonjunktur zugenommen haben", erläutert Ulrich Rathfelder, Volkswirt und China-Experte der Helaba. Die hohen Devisenreserven zeigen aber auch, dass der chinesische Kapitalmarkt von einer vollständigen Liberalisierung noch weit entfernt ist: So können sich heimische Sparer keineswegs frei aussuchen, wo sie ihr Kapital anlegen möchten. Kapitalabflüsse ins Ausland werden behindert.

Keine Angst vor Liquiditätsblase

Nicht zuletzt spiegeln die stark gestiegenen Währungsreserven auch den enormen Zustrom spekulativen Kapitals gen China wieder, der dort zumeist im Immobilienmarkt versickert. Auch die Deutsche Bank ist auf den rasenden Zug aufgesprungen und gab am Dienstag bekannt, sie steige als Haupteigner eines Gemeinschaftsunternehmens in den aufstrebenden chinesischen Immobilienmarkt ein. Auf diesem wurden in der Vergangenheit immer absurdere Preise verlangt.

Die Kassandra-Rufe, in China bilde sich eine Liquiditätsblase, kann man dennoch getrost überhören. "Solange weiterhin diese enorme Migrationsbewegung in die Großstädte stattfindet, sind auch hohe Preissteigerungen bei Immobilien durchaus gerechtfertigt", betont Elmar Schmitz, China-Experte und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Essener Fachhochschule für Ökonomie & Management. Und ein Ende der Verstädterung ist noch lange nicht in Sicht: "Bis 2010 werden 50 Prozent der chinesischen Bevölkerung in Städten leben, und die Zahl wird bis 2020 auf 60 Prozent steigen", sagte Chou Baoxing, Vize-Bauminister am Dienstag auf einem internationalen Verstädterungsforum in Shanghai.

Risiko eines Dollar-Crashs?

Allerdings bergen die hohen chinesischen Währungsreserven auch eine Gefahr für die amerikanische Währung. Hält China doch nach Expertenansicht rund 70 Prozent seiner Währungsreserven in US-Dollar. "Würden die Chinesen anfangen, ihre Devisenreserven zu diversifizieren und Dollars zu verkaufen, dann würde es zu einem Dollar-Crash kommen", warnt Mauro Toldo, China-Analyst bei der DekaBank. Allerdings dürfte es soweit wohl gar nicht erst kommen: Als große Exportnation haben die Chinesen wohl kaum ein Interesse an einem schwachen US-Dollar, der nur ihre Exportware verteuern würde.

Schließlich stehen die chinesischen Devisenreserven im Wert von einer Billion Dollar auch für das gigantische ökonomische Ungleichgewicht zwischen China und den USA: "Mit diesen enormen Währungsreserven finanziert China das Zahlungsbilanzdefizit der USA", sagt China-Experte Schmitz. Insbesondere die USA werfen China vor, durch die Kopplung des Yuán an den Dollar und die Errichtung von Handelsbarrieren die eigene Exportwirtschaft auf Kosten ausländischer Unternehmen zu unterstützen.

USA und EU trauen China nicht

EU Peter Mandelson in China

Kritischer Blick gen China: EU-Handelskommissar Mandelson

Die Beseitigung von unlauteren Handelspraktiken und -hemmnissen stand denn auch im Mittelpunkt des Besuchs von EU-Handelskommissar Peter Mandelson am Dienstag in Peking. Nach Gesprächen mit seinem Amtskollegen Bo Xilai kritisierte er, es wachse der Eindruck, dass China nicht immer fair handelt und europäische Firmen, Güter und Investitionen zu oft ungerechterweise abblockt. Zudem drängte Mandelson China, im Welthandel, der Energienutzung und dem Klimawandel sowie in Fragen von Entwicklung und Sicherheit mehr globale Verantwortung zu übernehmen.

Tatsächlich zeigen nicht zuletzt die rekordverdächtigen Devisenreserven Chinas, dass das einstige Entwicklungsland auf dem besten Wege ist, sich zur ökonomischen Supermacht zu mausern. Die Investmentbank Goldman Sachs schätzt, dass China spätestens 2050 die größte Volkswirtschaft der Welt sein wird.

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