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Politik

China geht auf Dalai Lama zu

China hat den Tibetern Gespräche angeboten. An der grundsätzlichen Haltung habe sich aber nichts geändert, betont die Regierung. Die EU und die Bundesregierung lobten Peking für die unerwartete Offerte.

Der Dalai Lama - AP

Der Dalai Lama könnte seine Forderungen bald den Chinesen direkt vortragen

Sechs Wochen nach Ausbruch der Unruhen in Tibet hat sich die chinesische Regierung zu einem Dialog mit Vertretern des Dalai Lama bereiterklärt. Peking wolle "in den nächsten Tagen" einen Dialog aufnehmen, berichtete am Freitag (25.4.2008) die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Nach den mehrmaligen Bitten seitens des religiösen Oberhauptes der Tibeter wollten zuständige Abteilungen der Zentralregierung in "Kontakte und Konsultationen mit den privaten Abgesandten des Dalai Lama" treten, zitierte die Staatsagentur einen Regierungsbeamten.

Der Regierungsbeamte in Peking bekräftigte allerdings, die Politik gegenüber Tibet habe sich nicht geändert. Chinas Regierung hoffe, dass der Dalai Lama glaubwürdige Schritte machen werde, separatistische Aktivitäten zu beenden. Er müsse auch aufhören, "zu Gewalt anzustiften" und "die Olympischen Spiele zu stören oder zu sabotieren", um die Bedingungen für die Gespräche zu schaffen. Seit 2002 hatte es mehrere Runden von Konsultationen von Abgesandten des Dalai Lama mit der chinesischen Regierung gegeben, ohne dass aber konkrete Fortschritte erzielt worden waren.

Tibeter bestätigen Angebot

Eine offizielle Einladung Chinas gibt es bislang nicht. Der EU-Beauftragter des Dalai Lama, Kelsang Gyaltsen, sagte der Deutschen Welle: "Es ist uns mündlich durch private Kanäle mitgeteilt worden, dass eine Zusammenkunft vorgeschlagen wurde. Wir wissen weder den Zeitpunkt noch den Ort noch die Themen, die bei dieser Zusammenkunft besprochen werden müssen."

Proteste rund um das Olympische Feuer - AP

Die Proteste rund um das Olympische Feuer, wie hier in Neu Delhi, haben China unter Druck gesetzt

Der Dalai Lama ist nach Angaben seines Sprechers grundsätzlich zum Gespräch mit der chinesischen Regierung bereit. "Der einzige Weg, die tibetischen Probleme zu lösen, ist durch Gespräche mit den chinesischen Vertretern von Angesicht zu Angesicht und dadurch, die Beschwerden des tibetischen Volkes anzugehen", sagte Tenzin Takhla am Freitag im nordindischen Dharamsala.

Lob von allen Seiten

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat das Dialogangebot als "sehr wichtigen Schritt" begrüßt. "Die Chinesen haben gesagt, dass sie bereit sind, über alles zu reden - außer der Souveränität über Tibet", sagte er vor Journalisten nach einem Treffen mit Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao am Freitag in Peking. Barroso lobte Peking dafür, ihn frühzeitig von der Offerte unterrichtet zu haben. Auch die Bundesregierung begrüßt den Schritt. China habe Berlin vor der öffentlichen Ankündigung informiert, dass ein solches Gespräch geplant sei, sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

EU-Präsident Barroso (li.) und Chinas Premier Wen Jiabao - AP

In guter Stimmung: EU-Präsident Barroso (li.) und Chinas Premier Wen Jiabao nach ihren Gesprächen

"Der erneuerte Dialog gibt Anlass zu echten Hoffnungen", sagte auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. China und die Repräsentanten des religiösen Oberhauptes der Tibeter zeigten "ihren Willen, sich auf eine Lösung zuzubewegen, die allen Tibetern das Gefühl erlaubt, als Teil der Volksrepublik China ihre kulturelle und geistige Identität leben zu können".

Sarkozy hatte die chinesischen Machthaber ebenso wie die Bundesregierung mehrfach zum Dialog mit dem Dalai Lama aufgefordert. Sarkozy, der dann als EU-Ratspräsident die EU nach Außen vertritt, hat bislang offen gelassen, ob er an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking teilnimmt. Dies werde er von der "Entwicklung in Tibet" abhängig machen. (tos)

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