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Asien

"China gegen Provokationen durch die USA"

Die Entsendung eines US-Flugzeugträgerverbands soll eine deutliche Warnung an die Adresse Nordkoreas sein. Aber Washington gehe es auch um die "Eindämmung" Chinas, sagt Jian Cai von der Shanghaier Fudan-Universität.

Deutsche Welle: Die USA hat einen Kampfverband um den Flugzeugträger "Carl Vinson" durch das Südchinesische Meer in Richtung koreanische Halbinsel in den West-Pazifik geschickt. Ist das ein Zeichen für einen Alleingang der USA, um der nordkoreanischen Atom- und Raketenbedrohung zu begegnen?

Jian Cai: Ich sehe es nicht so, dass ein Land alles auf eigene Faust machen will, nur weil es einen Flugzeugträger in Bewegung setzt. Mit der Maßnahme soll einerseits eine Warnung an Nordkorea ergehen, andererseits sollen China, Südkorea und Japan unter Druck gesetzt werden.

Wie sehen Sie die chinesisch-amerikanischen Beziehungen und Positionen im Hinblick auf die jüngste Demonstration militärischer Stärke der USA gegenüber Nordkorea?

China und die USA haben ein gemeinsames Ziel, nämlich die De-Nuklearisierung der koreanischen Halbinsel. Wie das Ziel erreicht werden kann, darüber sind beide Länder unterschiedlicher Meinung. China ist dagegen, das Nuklearprogramm Nordkoreas durch Ausübung von Druck und durch die Demonstration militärischer Stärke zu stoppen. Diese Position wurde auch als ein Ergebnis des Treffens zwischen Donald Trump und Xi Jinping sehr deutlich vermittelt.

Außerdem ist anzumerken, dass die Antwort der USA auf den Aufstieg Chinas bisher immer Eindämmung lautet. Das hat sich auch nach der Obama-Ära nicht verändert. Genau deshalb suchen die USA die militärische Zusammenarbeit mit Japan und Südkorea und nutzen dabei Nordkorea als willkommenen Anlass. Diesen psychologischen Hebel, dass Japan und Südkorea Angst vor dem unberechenbaren Nordkorea haben, nutzt Washington, um seine Militärallianzen zu festigen.

Die USA nutzen die Krise auf der Halbinsel auch, um moderne Waffen in der Region zu stationieren. Das ist für China eine Bedrohung. Das erklärte Ziel der USA ist es, China in vielen Fragen, wie zum Beispiel im wirtschaftlichen Bereich, zur Kooperation mit den USA zu bewegen. Ich glaube aber nicht, dass die USA einen Krieg in Ostasien führen möchten.

Nordkorea, Wu Dawei zu Besuch (picture alliance/Kyodo)

Jian Cai: "China setzt auf Friedensdiplomatie jenseits von Ideologie" (im Bild links Chinas Chefunterhändler Wu Dawei)

Auch in Syrien hat Präsident Trump jetzt militärische Stärke demonstriert. Die Bombardierung des Flughafens der syrischen Armee wird auch als Signal an Nordkorea gesehen. Zu Recht?

Assad kann sich nur mit russischer Unterstützung an der Macht halten. Er ist nicht in der Lage, die USA oder Israel in irgendeiner Art und Weise zu gefährden, geschweige denn Vergeltung zu üben. Das ist im Falle Nordkorea ganz anders. Wenn es den US-Streitkräften nicht gelingen sollte, das Waffenarsenal von Nordkorea auf einmal zu zerstören, dann wären die US-Truppen in Südkorea und Japan und die beiden Verbündeten der USA stark bedroht. Im Klartext: Gelänge der Erstschlag nicht, wäre die Lage katastrophal.

Am Montag hat Chinas Chefunterhändler in der Nordkorea-Frage, Wu Dawei, in Südkorea Gespräche geführt. Beide Länder haben mit schärferen Sanktionsmaßnahmen gedroht, falls Nordkorea weitere Raketen- oder Atomtests durchführen sollte. Welche Chancen hat die Diplomatie aus chinesischer Sicht?

Die Provokationen Nordkoreas verstoßen gegen US-Resolutionen und verletzen Chinas strategische Interessen. Sie haben die Eindämmungspolitik der USA gegenüber China erleichtert. Als eine verantwortungsbewusste große Nation will China seiner Pflicht der Friedenswahrung nachkommen, muss dabei aber auch seine eigenen Interessen im Blick haben. Dabei ist auch China auf internationale Abstimmung angewiesen, um Nordkorea in Schach zu halten und möglicherweise größere Schäden zu vermeiden.

Bei der Suche nach Lösungen für internationale Krisen lässt China sich von Erfahrungen und nicht von Ideologien leiten. China ist gegen die nukleare Aufrüstung Nordkoreas, aber auch gegen Provokationen wie gemeinsame Militärmanöver von Amerikanern und Südkoreanern oder wie die Stationierung der US-Raketenabwehrsystems THAAD in Südkorea.

Das Interview führte Cui Mu. Jian Cai ist Juniorprofessor am Institut für Internationale Studien der Shanghaier Fudan-Universität. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Nord- und Südkorea sowie die bilateralen Beziehungen zwischen China und Korea.

 

 

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