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Asien

China-Feindlichkeit in der Mongolei

In der Mongolei machen sich ausländerfeindliche Tendenzen breit. Ultra-Nationalistische Gruppen richten sich vor allem gegen Chinesen. Sie scheuen auch vor Gewalt nicht zurück.

BU: Chinesenfeindliche Schmierereien an einer Hauswand in Ulan Bator DW/Nicole Graaf

"Fucking Chinese" steht auf einer Hauswand in Ulan Bator

Tserenchunt und seine beiden Freunde sind ganz in Schwarz gekleidet. Der 25-Jährige trägt eine verspiegelte Sonnenbrille. An einer Kette baumelt ein Raubtierzahn um den Hals. Die drei jungen Männer fallen auf zwischen all den in fröhliche Sommerfarben gekleideten Passanten im Zentrum der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator. Sie haben sich dort vor einer Schule getroffen, um Flugblätter zu verteilen. "Wir wollen die Mongolen vor allen Bedrohungen schützen, die von Ausländern ausgehen, " erklärt Tserenchunt seine Mission.

Die drei gehören der ultra-nationalistischen Organisation "Dayar Mongol" an. In den letzten Jahren sind in der Mongolei mehrere solcher Gruppen entstanden. Sie verwenden Nazisymbole wie das Hakenkreuz auf rotem Grund und den Hitlergruß. Ihre Vorbilder sind die mongolischen Großkhans des Mittelalters. Manche verehren auch Hitler.

Hass auf Chinesen und Koreaner

Jurten stehen inmitten einer grünen Graslandschaft der Mongolei (Foto:DW/Bilsky)

Die meisten der 2,8 Millionen Einwohner der Mongolei leben auf dem Land - viele in den traditionellen Jurten

Ihr Hass richtet sich gegen Ausländer, die in der Mongolei leben. Tserenchunt glaubt, Chinesen und Koreaner hätten sich gegen die Mongolei verschworen: "Die Koreaner überschwemmen uns mit ihren Seifenopern. Damit wollen sie unsere Männer zum Arbeiten nach Korea locken und unseren Frauen vorgaukeln, koreanische Männer seien eine gute Partie." Die Chinesen seien gar von ihrer Regierung geschickt, um der Mongolei zu schaden, gibt sich der 25-jährige Ausländerfeind überzeugt: "Sie wollen, dass es in Zukunft bei uns keine richtigen Mongolen mehr gibt, nur Leute mit gemischtem Blut. Wir waren von Anfang an verfeindete Nachbarn. Das wird sich in Zukunft nicht ändern", so Tserenchunt.

Viele Mongolen fürchten, von China politisch und wirtschaftlich dominiert zu werden. Das Verhältnis zum mächtigen Nachbarn im Süden ist von tiefem Misstrauen geprägt.

Verbreitetes Misstrauen

Nicht nur die irre geleiteten Anhänger von "Dayar Mongol" glauben, sich vor ausländischen Einflüssen schützen zu müssen. Schließlich hat das Land nur knapp 2,8 Millionen Einwohner. Fremdenfeindliche Äußerungen kommen daher auch von ganz normalen Leuten. Ausländische Bergbaufirmen, die seit Kurzem in der Mongolei investieren, werden mit großem Misstrauen betrachtet. "Die Ausländer stehlen unsere Rohstoffe und für uns bleibt nichts übrig." Sätze wie diesen hört man häufig in der Bevölkerung. Viele Ausländer in Ulan Bator berichten von fremdenfeindlichen Pöbeleien und Handgreiflichkeiten – besonders in Bars und Clubs, wenn viel Alkohol geflossen ist.

Blut und Boden

Eine Reiterin treibt Schafe durch die weite monglische Steppen (Foto:REUTERS)

Die vorwiegend mongolische Bevölkerung besteht zum großen Teil aus Viehzüchtern

Die Rechtsradikalen aber gehen noch sehr viel weiter: Sie demolieren Geschäfte, zerstören Gerät ausländischer Bergbaufirmen – oder greifen Menschen direkt an. Mitglieder von "Dayar Mongol" gerieten in die Schlagzeilen, als sie mongolischen Frauen, die sie mit ausländischen Männern antrafen, die Haare abschnitten. Tserenchunt rechtfertigt solche Aktionen mit einer abstrusen Blut- und Rassenideologie. "Die größte Bedrohung für uns ist die genetische Vermischung. Wenn sich unsere Frauen nur wegen des Geldes mit ausländischen Männern einlassen, können wir das nicht ertragen. Ein Sprichwort sagt, wenn die Frauen nicht mehr rein sind, ist das Land am Ende."

Selbst vor Mord schrecken die Ultra-Nationalisten nicht zurück. Vor einigen Jahren wurde der damalige Anführer von "Dayar Mongol" wegen einer rassistisch motivierten Tötung hingerichtet. Andere radikale Gruppen stehen dem in nichts nach. Der frühere Chef der Neonazi-Gruppe "Blue Mongolia" wurde vor einigen Jahren ebenfalls wegen Mordes verurteilt. Er hatte den Freund seiner Tochter getötet, weil dieser in China studierte.

Bittere Ironie

Bayaraa, der Besitzer eines China-Restaurants in Ulan Bator, hat schon des Öfteren unliebsame Bekanntschaft mit den Neonazis gemacht. "Früher haben sie uns bedroht. Sie haben den Laden auseinandergenommen und alles runtergeschmissen. So etwas machen sie jetzt nicht mehr. Aber manchmal kommen sie und verlangen, dass wir Schutzgeld zahlen. Wenn wir uns weigern, drohen sie, dem Gesundheitsamt zu melden, dass hier die Qualität nicht in Ordnung ist," sagt Bayaraa und schiebt trotzig hinterher. "Aber wir habe keine Angst vor einer Prüfung, weil hier alles den Vorschriften entspricht." Aus Furcht vor chinesenfeindlichen Übergriffen hängt er jedoch kein Schild mit Schriftzeichen mehr vor die Tür – so wie viele chinesische Restaurants in Ulan Bator.

Bayaraa ist nur sein Spitzname. Seinen richtigen Namen möchte er nicht nennen. Der Mittdreißiger trägt ein leuchtend gelbes T-Shirt und einen typisch chinesischen Bürstenhaarschnitt. Die traurige Ironie seiner Geschichte: Bayaraa ist selbst Mongole. Er stammt aus der Inneren Mongolei, die zu China gehört. Aufgewachsen sei er ganz traditionell in einer Jurte, erzählt er: "Als Kind habe ich Vieh gehütet. Chinesisch habe ich erst mit 18 gelernt, als ich zum Militär gegangen bin."