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Politik

China feiert Geburtstag als stolze Militärmacht

Die Volksrepublik China hat mit der bislang größten Militärparade an ihre Geburt vor 60 Jahren erinnert. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass die Führung in Peking ihr Millionenheer drastisch schrumpfen will.

Weibliche Milizionäre in Marschformation (Foto: AP)

Auch Chinas Frauen marschierten zu Ehren des 60. Jahrestages

Unter allergrößtem Sicherheitsaufwand ließ die kommunistische Führung in der Hauptstadt am Donnerstag (01.10.2009) noch einmal hunderttausende Soldaten antreten. Den Aufstieg des Landes zur Weltmacht demonstrierten zudem Panzer, Raketen und andere schwere Waffen. 150 Kampfjets und Bomber donnerten über den so genannten Platz des Himmlischen Friedens, 15 von ihnen waren erstmals auch von Frauen gesteuert.

Staatschef Hu stehend in einer Limousine Rote Fahne (Foto: AP)

Chinas Staatspräsident Hu: "Friedlich und ohne Einmischhung"

Nach der militärischen Show erinnerten rund 200.000 ausgesuchte Teilnehmer mit 60 Festwagen an die Olympischen Spiele vom vergangenen Jahr, verwiesen auf das bemannte Raumfahrtprogramm oder andere Symbole des Fortschritts. Präsident Hu Jintao nahm die Parade stehend in einer Limousine des Typs "Rote Fahne" vor dem Tian'anmen-Tor ab. Statt des sonst üblichen Anzuges trug er eine Mao-Uniform.

"Stärkere Einheit der Volksgruppen"

Das Land habe über "alle Arten von Rückschlägen und Schwierigkeiten triumphiert" und große Fortschritte erreicht, sagte er. China sei einer "friedlichen Entwicklung" verpflichtet und suche die Zusammenarbeit mit anderen Ländern auf der Grundlage der "Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten". Vor dem Hintergrund der jüngsten Unruhen in Tibet und Xinjiang verlangte der Staatschef eine stärkere Einheit der Volksgruppen im Riesenreich.

Eine Gruppe von Soldaten marschiert über eine Straße (Foto: AP)

Hunderttausende Soldaten nahmen in Peking an der Militärparade teil

Pekings Innenstadt abgeriegelt

Das Zentrum Pekings war vom Platz des Himmlischen Friedens bis zur Verbotenen Stadt abgeriegelt. Anwohner, die keine offizielle Einladung zur Militärparade erhalten hatten, waren aufgefordert, sich das Spektakel im Fernsehen anzuschauen. Der internationale Flughafen von Peking war für mehrere Stunden geschlossen. Die Sicherheitsvorkehrungen übertrafen noch jene während der Olympischen Spiele. Rund 800.000 Freiwillige wurden mobilisiert, um in ihren Nachbarschaften verdächtige Aktivitäten zu beobachten. Dissidenten wurden unter Hausarrest gesetzt oder in Gästehäusern untergebracht. Die Sperren von Webseiten im Internet wie Facebook oder der Kurznachrichtendienst Twitter wurden ausgeweitet.

Die sozialistische Volksrepublik China war nach dem Sieg der Kommunisten über die Nationalisten im Bürgerkrieg am 1. Oktober 1949 gegründet worden. Der Revolutionär Mao Tsetung einte das Land, führte es aber auch in verheerende Kampagnen, die Millionen Menschen das Leben kosteten.

Menschenrechte im Schatten

Ende der siebziger Jahre leitete Deng Xiao Ping die wirtschaftliche Reform- und Öffnungspolitik ein. Doch die wirtschaftliche Liberalisierung geht bis heute nicht mit politischen Reformen einher. Dennoch tritt die internationale Kritik an der Menschenrechtslage zunehmend in den Schatten des Aufstieges Chinas zur mittlerweile drittgrößten Wirtschafts- und Handelsnation der Welt.

Moderne Raketenwerfer (Foto: AP)

High-Tech ist auch in Chinas Millionenarmee zunehmend Trumpf

Ungeachtet der neuerlichen militärischen Machtdemonstration mehren sich die Anzeichen, dass China die so genannte Volksbefreiungsarmee deutlich verkleinern will, um vor allem Marine und Luftwaffe schlagkräftiger zu machen und auf High-Tech zu trimmen. Um bis zu 700.000 Soldaten solle die Zahl der Landstreitkräfte deshalb innerhalb der kommenden Jahre verringert werden, heißt es noch inoffiziell. Heute stehen noch rund 2,3 Millionen Chinesen unter Waffen.

Argwohn im asiatischen Raum

Die Neuausrichtung der chinesischen Armee wird im asiatischen Raum nicht ohne Argwohn betrachtet. Japan forderte die Führung in Peking erst vor einigen Tagen auf, ihr Atomarsenal zu verringern. Auch Taiwan, das von China als abtrünnige Provinz betrachtet wird, verfolgt die Pläne mit allergrößtem Interesse. Eine stärkere militärische Aktivität Chinas in der Nähe von mehreren nicht eindeutig zugeteilten Atollen im Südchinesischen Meer hatte zudem auch Vietnam, Malaysia und die Philippinen beunruhigt.

Autor: Gerd Winkelmann (mit dpa, rtr, ap)

Redaktion: Martin Schrader

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