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Asien

China empört über Hacker-Vorwurf

Neue Runde im Streit zwischen China und den USA um die Hackerangriffe gegen Google: Ein chinesischer Ministeriumssprecher wies eine staatliche Verwicklung in die Angriffe als „grundlose Beschuldigung“ zurück.

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Die USA und China streiten um die Meinungsfreiheit im Internet

"Staaten oder Einzelpersonen, die Cyber-Angriffe ausführen, müssen mit Konsequenzen oder internationaler Verurteilung rechnen." Das sagte US-Außenministerin Hillary Clinton am vergangenen Donnerstag (21.1.). Clinton sprach sogar von Sanktionen, erwähnte dabei China aber nicht explizit. Erst an anderer Stelle wurde sie dann deutlicher: "Wir erwarten von den chinesischen Behörden eine gründliche Untersuchung der Hackeangriffe auf Google. Wir erwarten außerdem, dass diese Untersuchung transparent geführt wird, und die Ergebnisse nachvollziehbar sind." Der Hintergrund zu diesen Äußerungen sind Hackerangriffe auf die Mails von Google-Benutzern. Die USA sagen, die Urheber der Angriffe kämen aus China. Und: auch die Regierung soll verwickelt sein.

Google in China Internet

Wenn Chinesen ins Netz gehen, liest der Staat als unsichtbarer Kontrolleur meist mit

Aus China kommen bislang keine Signale, die eine Bereitschaft zu einer solchen Untersuchung erkennen lassen. Am Montag (25.1.) meldete sich ein Sprecher des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie zu Wort: Die Beschuldigungen gegen China seien ohne Grundlage, sagte er. Sie zielten darauf ab, China zu verunglimpfen.

Hacken ist wie Guerillakampf

Tatsächlich ist es schwierig, bei Cyber-Angriffen die Urheber klar zu bestimmen, erläutert Felix Leder vom Institut für Computerwissenschaften an der Universität Bonn. Selbst wenn sich die Angriffe bis nach China zurück verfolgen lassen: "Man muss sich das vorstellen ähnlich wie Guerillakämpfer: Man weiß, da sind Kämpfer. Man weiß aber nicht: zu welchem Land sie gehören? Prinzipiell könnten das auch Kämpfer aus anderen Ländern sein, die nur die technische Infrastruktur in China benutzt haben." Mit Blick auf die Email-Konten, die Ziel der Attacke waren, fügt Leder dann aber doch noch hinzu: "Was auf einer höheren Ebene dafür spricht, dass es sich doch um China handelt, ist die Zielgruppe, nämlich: Regierungsgegner aus China."

Massive Hackerangriffe ohne staatliche Hilfe kaum möglich

Der Bericht einer Expertenkommission des US-Kongresses vom letzten Jahr, der sich mit Chinas Fähigkeiten in der Cyber-Kriegsführung beschäftigt, kommt zu dem Schluss: Gewöhnliche kriminelle Netzwerke haben kaum die notwendigen Ressourcen, um den enormen Umfang der Computer-Netzwerk-Angriffe aufrechtzuerhalten. Ohne staatliche Unterstützung seien sie nahezu undenkbar, so weiter. Für eine Verwicklung des Staates spreche auch, dass die Angriffe auf Verteidigungstechnologie, militärische Informationen und chinabezogene Politikinformationen zielen. Allerdings nutzen auch die USA die Möglichkeiten des Cyberspace für ihre Zwecke, ist der Bonner Computerwissenschaftler Leder überzeugt. "Es ist bekannt, dass auch die US-Regierung neben ihren Streitkräften zu Lande, zu Wasser und in der Luft Streitkräfte im Internet ausbildet."

China Google in Peking und chinesische Flagge

Die USA werfen China vor, Googlemails gehackt zu haben. China wies die Behauptung brüsk zurück

So stellte sich China am Montag selbst als Opfer von Hackerangriffen dar - ohne allerdings konkret zu werden. Derweil sind auch beim Thema Meinungsfreiheit im Internet China und die USA weiter auf Kollisionskurs. Clintons Rede in der vergangenen Woche enthielt eine Kampfansage an die Internetzensur: "Wir unterstützen die Entwicklung von neuen Werkzeugen, die es Bürgern ermöglichen, ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrzunehmen und politisch motivierte Internetzensur zu umgehen."

Der Sprecher des chinesischen Ministeriums für Informationstechnologie verteidigte hingegen die Zensur im Internet. China habe das Recht, illegale und schädliche Online-Inhalte zu unterbinden. Sollte Google, wie angekündigt, in Kürze das Filtern von Suchergebnissen einstellen, ist weiterer Konflikt vorprogrammiert.

Autor: Mathias von Hein

Redaktion: Silke Ballweg