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Politik

China bleibt in Afrika

Als China vor einigen Jahren auf den afrikanischen Kontinent drängte, hatte es Geld und Energiehunger. Nun ist das Land selbst von der Wirtschaftskrise getroffen. Was bedeutet das für das chinesische Afrika-Engagement?

Afrikanerin mit Tasche auf dem Kopf vor chinesischer Flagge (Foto: AP)

Die chinesische Flagge weht in Afrika

Das Engagement Chinas auf dem afrikanischen Kontinent haben die Europäer in den letzten zwei bis drei Jahren mit Unbehagen verfolgt. Da macht das Reich der Mitte Geschäfte mit Diktatoren, die der Westen isolieren will, nimmt Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen kommentarlos in Kauf uns schert sich wenig um die Standards, die Europa in den letzten Jahren versucht hat, in der Entwicklungshilfe einzuführen. Als jetzt in der Wirtschaftskrise erste Berichte über geplatzte chinesische Investitionsvorhaben kamen, mag mancher Europäer mit Erleichterung reagiert haben. Auch Professor Helmut Asche, Volkswirt und Afrikanist an der Universität Leipzig, hat diese Artikel gelesen: "Tatsächlich gibt es auch nach unserem Überblick diese Einzelberichte aus Sambia und anderen Ländern, wo Minen zeitweilig oder dauerhaft geschlossen worden sind. Es gibt aber auch andere Beispiele. Das Engagement der Chinesen geht nicht zurück."

Konstanter Handel auch in der Krise

Chinesin vor Laptop spricht mit einem Afrikaner (Foto: dpa)

Chinesische Universitäten werben in Afrika

Eine Million Chinesen, schätzt er, lebten bereits dauerhaft auf dem afrikanischen Kontinent. Das Handelsvolumen hatte vor der Wirtschaftskrise bereits 55 Milliarden Dollar erreicht, ein Sechstel dessen, was Europa und Afrika an Waren austauschen. Während Europa Afrika vor allem als Feld der Entwicklungshilfe debattiere, übersehe es, dass es in Asien gerade die Privatwirtschaft sei, die am Afrika-Engagement festhalte. Helmut Asche: "Bestes Beispiel ist die Bong-Mine, die einmal ein deutsches Unternehmen in Liberia war, bevor wir sie dann in den Bürgerkriegswirren panisch aufgegeben haben. Jetzt wird sie von einem eigens dafür geschaffenen chinesischen Konsortium aufgekauft und jetzt wird eine neue Eisenschmelzanlage daneben gebaut. Gerade im Bereich der privaten Investitionen tätigen andere auch kontrazyklische Investitionen. Und das ist eigentlich die spannende Sache."

Wahrgenommen werden im Westen nach wie vor Abkommen Chinas im Rohstoffbereich, Rüstungslieferungen oder Investitionen in die Infrastruktur - Regierungsangelegenheiten also. Doch längst gebe es ein breites Spektrum unterschiedlicher Investoren - von Staatsfirmen bis zu Privatunternehmen. Wie breit gefächert die Interessenlage hier ist, durchschaue im Westen noch niemand so genau, glaubt Professor Asche: "Das Charakteristische an den chinesischen Direktinvestitionen in Afrika ist, dass zwar die größten Vorhaben im Rohstoffbereich liegen, aber die größte Zahl der Vorhaben im verarbeitenden Gewerbe und Handel liegt. Und das wollten wir ja nun immer, denn das schafft Arbeitsplätze."

Afrika wird wieder auf die Beine kommen

Öl-Plattform in Angola (Foto: AP)

Afrikas Rohstoff-Wirtschaft wird von der globalen Erholung profitieren

Die OECD, die Organisation der führenden Industriestaaten, erstellt einmal im Jahr einen Wirtschaftsausblick für den Kontinent. Afrika sei zwar inzwischen stark von der Wirtschaftskrise betroffen, doch der Kontinent sei gut genug vorbereitet, um an das Wachstum der letzten Jahre anzuknüpfen, sobald die Weltkonjunktur wieder anziehe, glaubt Johannes Jütting von der OECD. Und einer der Gründe sei eben, "dass es Afrika in vielen Bereichen geschafft hat zu diversifizieren und sich nicht mehr einseitig auf Europa und USA ausrichtet".

Für die klassischen Geberländer aus Europa und den USA bedeutet das erst mal, dass sie an Einfluss verlieren. In den vergangenen Jahren hatten sie die Vergabe neuer Kredite gerne an Bedingungen geknüpft - Anstrengungen zur Korruptionsbekämpfung etwa oder mehr Transparenz bei der Verwendung von Budgetmitteln. Umso größer war der Schock, als das erdölreiche Angola plötzlich einen Kredit der Weltbank ablehnte, weil es mit den Bedingungen nicht einverstanden war. China bot stattdessen einen Kredit ohne Bedingungen an.

China wird westliche Standards fordern

Dennis Tull, Afrika-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, sieht dennoch Grund zum Optimismus: "Da werden diese Unternehmen auch noch lernen oder sind bereits dabei zu lernen, dass in diesen Ländern das Wirtschaften äußerst schwierig ist, dass es Korruption gibt, dass es fehlende Infrastruktur gibt, dass es einen Mangel an Rechtssicherheit gibt. Sie werden dort vor denselben Problemen stehen, vor denen auch westliche Unternehmen stehen."

Letztlich werde man diese Probleme in Zukunft wohl in Zukunft nur gemeinsam mit China lösen können.

Autor: Mathias Bölinger
Redaktion: Dirk Bathe

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