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Globale Zusammenarbeit

China auf der Suche nach sauberem Wasser

China - Das Reich der Mitte will mit EU-Hilfe Flüsse im eigenen Land sanieren. In Afrika stoßen die chinesischen Staudammprojekte allerdings zunehmend auf Kritik.

Das Riesenreich präsentiert sich auf dem Weltwasserforum in Marseille so, wie man es erwartet: mit imposanten rot-gold-blauen Messeständen, die zumindest die erste Hälfte von Halle 3 dominieren und Mega-Projekte wie den Three Gorges Staudamm vorführen. Was China in Sachen Wassertechnik zu bieten hat, stößt bei den übrigen Besuchern durchaus auf Interesse. "Das Land wird auf dem Umweltmarkt tatsächlich immer mehr zum Anbieter", sagt etwa Thomas Stratenwerth, Referatsleiter für internationale und europäische Angelegenheiten der Wasserwirtschaft im deutschen Umweltministerium. "Aus politischer Sicht ist es interessant, das zu beobachten. Doch aus der Perspektive der deutschen Unternehmen ist es auch ein Problem. Denn die Chinesen setzen vor allem auf entwickelte Technik, die sie günstig anbieten. Und damit müssen die deutschen Firmen dann konkurrieren."

Trinkwasserprobleme im eigenen Land

Blick auf den Jangste - Chinas Flüsse müssen dringend saniert werden - die EU leistet die nötige Hilfe (Foto: dpa)

Chinas Flüsse müssen dringend saniert werden - die EU leistet die nötige Hilfe

Doch während China nach außen vor allem als Experte für den Bau von Mega-Staudämmen glänzt, sieht es in Sachen Wasser zuhause gar nicht gut aus. China, das rund ein Fünftel der Weltbevölkerung ausmacht, verfügt nur über sieben Prozent der globalen Frischwasserressourcen. Wasserknappheit und Wasserverschmutzung durch die Industrialisierung und das rasante Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre sind ein riesiges Problem. Das soll nun verstärkt mit Hilfe europäischer Partner angegangen werden. In Marseille wurde dazu die EU-China Water Plattform verabschiedet, die nachhaltiges Wasser- und Flussmanagement im Reich der Mitte zum Schwerpunkt hat.

Schon seit 2007 gibt es das "EU-China River Basin Management Programme" (RBMP), das in China für sauberere Flüsse sorgen soll und im Rahmen von Europe Aid mit 25 Millionen Euro finanziert wurde. Die neue EU-China-Water Plattform ist kein Hilfsprojekt mehr, sondern eine "wirkliche Partnerschaft", bei der sich auch die Chinesen selbst an den anvisierten Projekten finanziell beteiligen, sagt Simon Spooner, einer der europäischen Koordinatoren des RBMP. Der Ansatz jedoch bleibt der Gleiche: eine integrative Wasserpolitik. Spooner: "Vorgesehen ist zum Beispiel eine Kooperation zwischen Wasser- und Umweltministerium, wie wir sie aus Europa kennen. In China ist so etwas noch neu." So sei etwa der Austausch von Daten häufig ein Problem. „Erst allmählich gelangt man da in China zu einer neuen Kultur“, so Spooner.

Umweltbewusstsein in China wächst

Simon Spooner, Koordinator des China River Basin Management Programme (RBMP). Copyright: DW/Monika Hoegen Marseille 14.3.2012

"In China wächst das Umweltbewusstsein": Simon Spooner, Koordinator des China River Basin Management Programme (RBMP)

Einer der innovativen europäisch-chinesischen Ansätze ist das "Pollution load management". Dabei wird errechnet, wie viel Verschmutzung ein Fluss maximal vertragen kann. Städte und Industrien müssen dann diese Grenzwerte einhalten. China will das nun landesweit umsetzen und lernt dazu von den europäischen Partnern, wie die ökologische Fluss-Balance kalkuliert werden kann. "Was das Umweltbewusstsein angeht, hat sich in China Einiges getan", so Spooner. So erhalte jeder Funktionär von der Partei einen Brief mit genauen Zielvorgaben. Früher hätten diese sich nur auf Wachstumsraten und Geburtenkontrolle bezogen, "doch inzwischen geht es auch um ökologische Kriterien."

Dass China mit Blick auf Wasser dennoch an vielen Großprojekten festhält, ist nach Ansicht Spooners verständlich: "Das müssen sie, weil manche Probleme anders einfach nicht zu lösen sind. Die Süd-Nord-Wassertrasse wird Wasser zu den stark expandierenden Städten bringen, die selbst nicht über genügend Quellen verfügen. Das haben auch die Römer mit ihren Aquädukten schon so gemacht. Selbst in Los Angeles gibt es riesige Aquädukte."

Umstrittene Projekte in Afrika

Night view of the Oriental Pearl TV Tower, Jinmao Tower, the Shanghai World Financial Center and other skyscrapers and high-rise buildings in the Lujiazui Financial District in Pudong, Shanghai, 24 September 2011. Photo Tang Dewei

Zur Versorgung der rasant wachsenden Metropolen im Süden Chinas werde gewaltige Wasserströme aus dem Norden umgeleitet.

Andere sehen die chinesischen Mega-Projekte dagegen weniger positiv. So avancierte das Land bereits 2010 zum größten Staudamm-Bauer in Afrika. Ob in Äthiopien, Ghana, Kongo, Sudan oder Sambia – überall entstehen mit chinesischer Beteiligung riesige Dämme. Und immer wieder prangern Kritiker das völlige Fehlen von Umweltstandards an. Chinas Minister für Wasserwirtschaft, Chen Lei, preist sein Land derweil als "globalen Partner für Wasserlösungen". Und seinen eigenen Bürgern verspricht er, dass bis 2013 auch die 300 Millionen Bewohner ländlicher Gebiete sauberes Trinkwasser haben werden, die genau das bislang entbehren.

In Marseille allerdings geben der Minister und seine vielköpfige Delegation – zumindest europäischen Journalisten – zu derartigen Themen keine Auskunft. Keine Zeit für Interviews, heißt es lapidar und immer wieder. Daran ändert offenbar auch die gerade lancierte Wasserpartnerschaft mit der EU nichts.