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Kultur

China auf dem Weg zur All-Macht

China hat zum zweiten Mal Menschen in den Weltraum geschossen. Die zwei Astronauten sollen fünf Tage im All verbringen. Mit dem Raumfahrtprogramm will die Volksrepublik ihren Aufstieg zur Wirtschaftsmacht demonstrieren.

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Wir kommen bald wieder: Chinas Astronauten vor dem Start

Zum zweiten Mal in der Geschichte der Volksrepublik ist ein bemannter Weltraumflug aus China erfolgreich ins All gestartet. Die Trägerrakete vom Typ "Langer Marsch 2" hob am Mittwochmorgen (12.10., 9 Uhr Ortszeit) mit zwei "Taikonauten" (chinesische Astronauten) an Bord vom Weltraumbahnhof Jiuquan im Norden der Inneren Mongolei ab. 21 Minuten später schwenkte die Fähre Shenzhou VI ("Göttliches Raumschiff") in ihre Umlaufbahn ein. Die beiden Raumfahrer Fei Junlong und Nie Haisheng sollen fünf Tage im All bleiben. Regierungschef Wen Jiabao zeigte sich zuversichtlich, dass sie ihre "glorreiche und heilige Mission" erfüllen werden.

Der Start des prestigeträchtigen Projekts wurde live im Staatsfernsehen übertragen. Trotz einer Kaltfront in Nordwestchina, die in der Nacht Schnee gebracht hatte, verlief der Start problemlos. Nach rund 40 Sekunden verschwand die Rakete in den Wolken. Auf ersten Bildern aus dem Raumschiff war der 40-jährige Fei zu sehen, wie er sagte: "Ich fühle mich gut." Sein 41-jähriger Kollege Nie winkte in die an Bord installierte Kamera und erklärte, alles verlaufe normal.

Prestigeobjekt Raumschiff

China ESA Langer Marsch 2C/SM

Eine Rakete vom Typ 'Langer Marsch 2' beim Start

Erst vor zwei Jahren war China mit dem ersten bemannten Raumflug zur dritten Nation nach den USA und Russland aufgestiegen, die aus eigener Kraft Astronauten ins All bringen kann. Das prestigeträchtige Raumfahrtprogramm demonstriert für die kommunistische Führung und viele Chinesen den Aufstieg als leistungsfähige Wirtschaftsmacht. Regierungschef Wen Jiabao sagte, der Flug "zeigt der Welt, dass das chinesische Volk den Willen, die Zuversicht und die Fähigkeit hat, unaufhörlich neue wissenschaftliche Höhepunkte zu erreichen". Das ganze Land erwarte, dass das Team "siegreich" zurückkehre.

"Taikonauten" als Volkshelden

Der erste bemannte chinesische Raumflug am 15. Oktober 2003 hatte nur 21 Stunden gedauert. Der damalige "Taikonaut" Yang Liwei ist inzwischen ein Volksheld. Die Tatsache, dass dieses Mal zwei Männer ins All geschickt wurden, zeigt nach Ansicht von Experten die gestiegenen Ambitionen der Volksrepublik. Zum einen gebe es technische Gründe, zwei "Taikonauten" zu entsenden. Diese könnten zusammen kompliziertere und anspruchsvollere Arbeiten und Experimente unternehmen als ein Raumfahrer allein, sagte Joan Johnson-Freese vom US-College für Seekriege. Zum anderen gehe es um das Prestige: "Es ist schwieriger, zwei Leute zu schicken als einen."

Raumfahrt in China Plakat

Die Raumfahrt als nationales Prestigeobjekt

Fei und Lie sollen unter anderem medizinische Tests machen. Dazu zählen Blut- und Urinuntersuchungen, wie der Autor Brian Harvey sagte, der ein Buch über die Raumfahrt-Ambitionen Chinas geschrieben hat. Langfristig plane das Land eine Raumfahrtstation; für 2017 haben sich die Chinesen vorgenommen, ein Erkundungsgefährt auf den Mond zu schicken. Dafür ist auch die Entwicklung einer noch leistungsfähigeren Rakete mit einer Nutzlast von 10 bis 25 Tonnen geplant.

Warme Leckereien statt kalter Imbiss

Der Raumflug erfolgte nach Ansicht von Beobachtern auch nicht zufällig nur einen Tag nach Abschluss der Tagung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas, das den neuen Fünfjahresplan gebilligt hatte. Anders als der erste chinesische Astronaut Yang Liwei, sollen die beiden Astronauten die Kapsel verlassen und im 2,8 Meter langen Arbeitsbereich leben, wissenschaftliche Experimente vornehmen und in Schlafsäcken schlafen. Zur Astronautennahrung, die diesmal auch erhitzt werden kann, sollen traditionelle Gerichte wie "Palasthuhn" mit Erdnüssen und "Große Krabben" gehören. Nach 119 Stunden im All ist die Landung im Grasland der Inneren Mongolei geplant.

Das acht Tonnen schwere Raumschiff "Shenzhou VI" mit seinen vier Triebwerken ist eine leistungsfähigere, größere Weiterentwicklung des russischen Sojus-Modells. Im Konzept ähnelt es dem Constellation-Projekt, das die NASA als Nachfolger für die Shuttles plant. (ert)

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