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Wirtschaft

China auf dem Weg in die USA

Jahrelang verlagerte sich die weltweite Produktion nach Asien. Nun dreht sich der Trend. Für einige chinesische Firmen ist es attraktiv geworden, in den USA zu produzieren. Dort ist die Arbeitskraft billiger.

Deutsche Unternehmen, die ein Standbein in den USA suchen, zieht es nicht selten nach South Carolina. So haben in den vergangenen sechs Jahren 28 deutsche Firmen in South Carolina etwa 5600 Jobs geschaffen. Aber nicht nur bei den Deutschen ist der Süden der USA beliebt, auch eine andere Nation hat die Vorzüge von South Carolina entdeckt: China. Niedrige Löhne, geringe Kosten für Energie und unternehmerfreundliche Strukturen - die gleichen Gründe, die viele Produktionen weltweit eigentlich sonst eher nach Fernost treiben, ziehen auch umgekehrt chinesische Firmen in den Süden der USA.

Rettung aus Fernost

Dale Erikklä und sein Chef Jeff Chee, der Leiter von Greenfield Industries, Foto: Greenfield Industries zugeliefert von: Insa Wrede

Dale Erikklä (links) und sein Chef Jeff Chee, der Leiter von Greenfield Industries

In der Fabrikhalle von Greenfield Industries in South Carolina werden unter Höllenlärm Bohrer für Baubedarf und Heimwerker hergestellt. Es riecht nach heißem Metall. Dale Erkkilä ist Vizepräsident bei Greenfields. Er deutet auf eine Art überdimensionale Nähmaschine hinter Glas: "Sehen sie diese Kontrollpulte hier, das sind ganz neue Maschinen, Investitionen die Jeff gemacht hat."

Jeff heißt mit vollem Namen Jeff Chee – und er kommt aus China. Er ist der neue Chef von Greenfield Industries. Ende 2008 stand die Firma wie so viele andere im Süden der USA vor dem Aus. Die Folgen der Wirtschaftskrise hatten den ohnehin angeschlagenen Südstaaten den Rest gegeben.

Jeff Chee kaufte neue Anlagen, baute Lagerhallen und stellte Leute ein. Sein Konzern TDC, der auf drei Kontinenten vertreten ist, hat vor vier Jahren auch Greenfield Industries übernommen.

"Die Übernahme war ein Segen. Es waren so schwere Zeiten als das Übernahmeangebot kam", sagt Darlene Wright. Die Mitarbeiterin arbeitet seit fast drei Jahrzehnten bei Greenfield Industries und sieht keine bittere Ironie darin, dass ausgerechnet die Chinesen die Firma übernommen haben. "Wir haben dafür gebetet, dass es weitergehen kann", sagt die lebhafte Frau. Als Chee kam, habe das allen Mitarbeitern Hoffnung gegeben.

Günstige Energie, Grundstücke und Immobilien

In South Carolina leben 17 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze

In South Carolina leben 17 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze

South Carolina ist beliebt bei chinesischen Unternehmen, die in den USA investieren wollen. Mehr als ein Dutzend haben sich in den vergangenen Jahren niedergelassen, beispielsweise der Autoteile-Lieferant GSP oder American Gravure Cylinder. Zwar seien die Arbeitskosten noch nicht vergleichbar mit denen in der Heimat, aber der Lohndruck in China steige. Außerdem sei Energie günstig und im Gegensatz zu der Versorgung in Fernost stabil. Grundstücke und Gewerbeimmobilien sind auf dem strauchelnden US-Häusermarkt immer noch preiswert zu haben. Und Produkte "Made in the USA" lassen sich teurer verkaufen als Produkte aus China. Dale Erikklä steht in der Versandhalle: "Die sind alle Made in the USA", erklärt er. "Wir bieten auch Bohrer 'Made in China' an - aber die werden meistens nicht nachgefragt. Und wenn, dann nur aus Kostengründen."

Vorbehalte oder Vorurteile, dass Chee aus China kommt, hat ihn bisher noch niemand spüren lassen. Es gäbe zwar kulturelle und traditionelle Unterschiede, aber wenn es ums Geschäft gehe, seien die Unterschiede nicht zu spüren. "Alle in einem Betrieb wollen, dass der Betrieb läuft und erfolgreich ist, damit sie ihre Jobs behalten und ihre Familien ernähren können", sagt Chee. "Wenn du gute Ideen hast, die Erfolg bringen, arbeitet jeder gerne mit dir."

Arbeiten wie in China

29 Millionen Dollar kostete die Übernahme und weitere 30 Millionen hat Chee investiert. 17 Monate nach der Übernahme schrieb die Firma wieder schwarze Zahlen. Dafür hat der chinesische Chef einiges umgekrempelt. Beispielsweise wurden die Fertigungsstraßen neu angeordnet und arbeiten heute nach dem gleichen Prinzip wie in seiner Fabrik in China. Effizienz wird groß geschrieben. So hat er beispielsweise ein Prämiensystem aus China mitgebracht: Mitarbeiter, die die Produktionsvorgaben übererfüllen, erhalten einen Bonus. Wer wie gut abschneidet, ist für alle sichtbar auf großen Tafeln abzulesen. Das sporne die Mitarbeiter noch einmal zusätzlich an.

"Jeder Mitarbeiter hat seine Rolle und eine Stimme, die gehört wird", sagt Dale Erikklä, der als Vizepräsident Chee's rechte Hand ist. Er findet den Arbeitsalltag in einem chinesisch geführten Unternehmen erfrischend. Klar habe der Chef das letzte Wort, aber er höre zu und sei offen für Neues.

Chinesische Investoren in der Politik gern gesehen

Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley (Foto: AP)

Nikki Haley Gouverneurin von South Carolina

Lokalpolitiker und Wirtschaftsförderer in South Carolina haben die Investoren aus Fernost längst als Chance begriffen und preisen die günstigen Standortbedingungen und geringen Lohnkosten an. Zudem seien sich China und die USA näher als man meine. "Sie arbeiten mit Leidenschaft und Einsatzbereitschaft, vergeuden keine Zeit: Alles muss gestern schon fertig gewesen sein", schwärmt die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Halay. Sie ist selbst bereits auf einigen Reisen in China gewesen. Diese Leidenschaft habe auch die USA mal vor langer Zeit gehabt. "Daran erinnern uns die Chinesen - und vielleicht bekommen wir diesen alten Schwung durch sie zurück."

In der Fabrik von Greenfield Industries ist Katie Bruce einfach froh. Man habe ihre Gebete erhört. Es mache keinen wirklichen Unterschied, wem die Firma gehört, so lange wir alle Arbeit haben und unsere Familien ernähren können. "Außerdem fliege ich nicht gerne“, sagt sie. “Es ist doch toll, wenn China auf diese Weise zu mir kommt."