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Wirtschaft

China - Absatzparadies für deutsche Autobauer

Die Automesse in Peking startet im Zeichen nachlassender Dynamik auf dem größten Automarkt der Welt. Doch die deutschen Hersteller profitieren nach wie vor vom Oberklasse-Boom.

Im Autoparadies China sind Wolken aufgezogen. Nach vielen Jahren mit schwindelerregend hohen Plusraten hat das Tempo im größten Pkw-Markt der Welt nachgelassen: Rund 14,5 Millionen Limousinen, Geländewagen und Kombis wurden dort 2011 verkauft. Das waren nur gut fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor - so wenig Wachstum wie noch nie in diesem Jahrtausend.

Im ersten Quartal 2012 gab es sogar ein Minus, weil viele chinesische Kunden lieber mit ihren Familien das traditionelle Neujahrsfest feierten als Autos zu kaufen. Schlechtere gesamtwirtschaftliche Aussichten, wie sie die Regierung in ihrer vergleichsweise zurückhaltenden Prognose für das Bruttosozialprodukt angekündigt hat, und höhere Benzinpreise taten ein Übriges.

Zudem waren am Jahresende staatliche Subventionen ausgelaufen. In den vergangenen zwei Jahren hatte der Staat Käufern von kleinen Autos mit einem Hubraum bis zu 1,6 Litern finanziell ebenso unter die Arme gegriffen wie Leuten auf dem Land, die sich leichte Nutzfahrzeuge oder Minivans anschaffen wollten. Allen Hindernissen zum Trotz erwarten viele Fachleute für das laufende Jahr erneut zweistellige Wachstumsraten.

Wohlstand wächst rasant

Noch immer sind mehr als drei Viertel der chinesischen Autokunden Erstkäufer. Rund 100 Millionen Pkw waren zuletzt in dem Riesenreich mit rund 1,4 Milliarden Menschen registriert. Zum Vergleich: In Deutschland kommen auf fast 82 Millionen Bürger knapp 43 Millionen Autos. So niedrig wie heute in China war die Pkw-Dichte in der Bundesrepublik in den 1950er Jahren.

Die damalige Situation in Deutschland ähnelt in manchen Punkten der heutigen in China: Der Wohlstand wächst quer durch die Bevölkerung rasant. Und der Hunger nach Mobilität sowie nach technisch hochwertigen und optisch ansprechenden Besitztümern ist schier unersättlich. "Das Auto ist das Statussymbol Nummer 1", sagt Branchenexperte Axel Krieger, der für die Unternehmensberatung McKinsey in Peking arbeitet. "Der chinesische Kunde legt stärkeren Wert auf Prestige. Er hat ein starkes, teils kindliches Bedürfnis, Wohlstand zu zeigen."

Wer es sich leisten kann, kauft sich ein teures, meist deutsches Oberklasse-Fahrzeug. Weil sich wohlhabende Chinesen gern chauffieren lassen, sind Limousinen mit verlängertem Radstand besonders beliebt. Gut zehn Zentimeter zusätzlich sorgen dabei für mehr Platz im Innenraum. Waren anfangs vor allem die ganz großen Limousinen wie Audi A8, Mercedes E-Klasse oder BMW 7er verlängert, beeilen sich die westlichen Hersteller, immer mehr Modelle in "L" anzubieten.

Je länger, je lieber

BMW etwa feiert auf der Pekinger Automesse in dieser Woche die Weltpremiere des "3er lang". Das ist wohlgemerkt ein Mittelklassemodell. In ihrem neuen Werk in Tiexi im Nordosten Chinas, das Ende Mai offiziell in Betrieb genommen wird, produziert BMW zudem den kleinen Geländewagen X1 - und folgt damit einem weiteren Trend im Reich der Mitte.

Die Chinesen lieben Geländewagen. Gut zwei Millionen sogenannte SUVs (sports utility vehicles) kauften die Kunden dort 2011, ein Viertel mehr als im Vorjahr. Das Geländewagen-Segment in China sei ein Wachstumsmarkt, und die Hersteller hätten dies auf dem Schirm, sagt Branchenexperte William Russo von der Beratungsfirma Synergistics in Peking. "Wir werden immer mehr in China produzierte SUVs sehen."

Auffällig ist, dass sich besonders Frauen gern für die großen Gefährte entscheiden. Die erhöhte Sitzposition und die gefühlt größere Sicherheit werden - in Schanghai wie in Starnberg oder sonstwo auf der Welt - als Hauptargumente genannt, auch wenn viele Kundinnen in Großstädten leben und mehr Zeit im Stau als im unbefestigten Gelände verbringen dürften. Der Cayenne von Porsche verkauft sich beispielsweise in keinem anderen Land so oft wie in China.

Deutsche beherrschen die Oberklasse

Auch für große Limousinen wie BMW 7er, Audi A8, VW Phaeton oder die Mercedes S-Klasse ist China der größte oder einer der größten Märkte. Die deutschen Hersteller freuen sich angesichts glänzender Geschäfte über satte Renditen, besonders weil die Preise im Schnitt höher sind und viele Kunden gern für luxuriöse Innenausstattung zusätzlich Geld ausgeben.

Dass die chinesische Regierung kürzlich die ausländischen Pkw-Hersteller von den offiziellen Einkaufslisten für Staatsdiener verbannt hat, dürfte den erfolgreichen Deutschen kaum etwas anhaben. Selbst Audi, mit Abstand führend im chinesischen Oberklasse-Segment und lange Jahre Hauptlieferant für Regierungslimousinen, verkauft nur 2000 bis 3000 Fahrzeuge jährlich an Behördenmitarbeiter. Bei einem Absatz von 313.000 Limousinen 2011 fällt dies kaum ins Gewicht.