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Amerika

Chile wird OECD-Mitglied

Nach zweijährigen Verhandlungen tritt Chile am Montag (11.01.2010) als 31. Land der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bei.

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Mit der Aufnahme in die OECD sollen die Anstrengungen Chiles für die Entwicklung der Marktwirtschaft im Land belohnt werden, so Generalsekretär Angel Gurría. Chile gilt in Südamerika als Beispiel für politische und wirtschaftliche Stabilität. "Dies ist ein Bund demokratischer Staaten, mit starken Institutionen, hier sind die Länder vereint, die die größte Transparenz aufweisen und die besten Instrumente im Kampf gegen die Armut entwickelt haben", so der chilenische Finanzminister Andrés Velasco in einer Stellungnahme zum OECD-Beitritt seines Landes. "Wenn wir mit an diesem Tisch sitzen, werden wir schneller Fortschritte zum Wohl aller Chilenen erzielen", so der Minister weiter.

Krönender Abschluss der Präsidentschaft Bachelets

Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet (Foto: AP)

Präsidentin Michelle Bachelet krönt ihre Amtszeit mit dem OECD-Beitritt

Die scheidende Präsidentin Michelle Bachelet, die ihr Amt Anfang März abgibt, sieht Chile auf dem Weg zu einer entwickelten Nation. "In den vergangenen 20 Jahren haben wir die Unterentwicklung hinter uns gelassen", sagte sie in Santiago. Jetzt gelte es, die internationale Anerkennung dieses Erfolges nicht zu enttäuschen. In einer Stichwahl um die Präsidentschaft treten am 17. Januar der Kandidat der Regierungskoalition, der Christdemokrat Eduardo Frei, und der rechtsgerichtete Oppositionskandidat und Unternehmer Sebastian Piñera gegeneinander an. Die seit 20 Jahren regierende Koalition aus Christdemokraten, Sozialdemokraten und Sozialisten hat durch zahlreiche Korruptionsaffären viel politisches Kapital verspielt. Michelle Bachelet hingegen genießt große Sympathien in der Bevölkerung. 80 Prozent der Chilenen sind mit ihrer Amtsführung zufrieden.

Erfolgreiche Wirtschaftspolitik

Wolkenkratzer in Santiago (Foto: NPB)

Reichtum....

In den letzten zehn Jahren konnte ist die chilenische Wirtschaft konstant wachsen, die Raten lagen jeweils zwischen 3 und 6 Prozent. Das Brutto-Sozialprodukt übersteigt mit 17.000 Dollar pro Kopf deutlich das der Nachbarländer. Damit liegt Chile auf gleichem Niveau wie Griechenland oder Portugal zu Beginn dieses Jahrzehnts.

Die Staatsfinanzen sind gesünder als in den meisten europäischen Ländern. Der Staat hat sich gesetzlich dazu verpflichtet, Überschüsse in Boomjahren in einen Fonds einzuzahlen, aus dem in Krisenjahren geschöpft werden kann. Dieser Maßnahme ist es zu verdanken, dass Chile die Krisenjahre 2008 und 2009 relativ unbeschadet überstanden hat. Allerdings ist das Land extrem exportabhängig. 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts stammen aus dem Außenhandel. Hauptexportprodukte sind Kupfer und Lebensmittel.

Im jährlichen Korruptionsindex von Transparency International liegt Chile dauerhaft unter den 20 korruptionsfreisten Ländern der Welt, noch vor manchen europäischen Ländern wie Frankreich, Spanien und Italien.

Soziale Ungleichheit

Slum am Stadtrand von Santiago (Foto: Matthias Nicklas)

... und Armut prallen in Chile hart aufeinander.

Seit dem Ende der Diktatur konnte die Armut deutlich gesenkt werden. Drei Millionen Menschen haben in den vergangenen 20 Jahren eine deutliche Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation erfahren. Aber immer noch leben 13 Prozent unterhalb der Armutsgrenze. Der Wohlstand in Chile ist nach wie vor extrem ungleich verteilt. Offiziellen Angaben zufolge verfügen drei von vier Haushalten über weniger als 1000 Dollar monatlich, was dem nationalen Durchschnittseinkommen entspricht.

Dieses extreme Ungleichgewicht und die daraus resultierende fehlende Kaufkraft breiter Bevölkerungsteile bremst die heimische Wirtschaft. Angesichts der geringen Nachfrage im Inland haben viele Unternehmen in den letzten Jahren verstärkt im Ausland investiert. Darüber hinaus behindere die extreme soziale Ungleichheit auch die Chancen von Kindern aus armen Verhältnissen auf Bildung und die Entwicklung ihrer geistigen Fähigkeiten, warnte die Regierung kürzlich.

Bei eine Besuch in Chile im vergangenen Jahr kritisierte der Präsident der Bundes der deutschen Industrie (BDI), Hans-Georg Keitel die mangelnde Entwicklung der Industrie. "Chile kann seine Wirtschaft nicht auf Dauer auf Bodenschätze aufbauen. Es muss sich zu einer technologisch geprägten Wirtschaft wandeln", so der BDI-Präsident. Gerade beim Aufbau und der Modernisierung technologischer Kapazitäten sieht Keitel langfristig gute Chancen für deutsche Unternehmen.

Autorin: Mirjam Gehrke
Redaktion: Oliver Pieper