Chile und Peru erwarten den Papst | Amerika - Die aktuellsten Nachrichten und Informationen | DW | 15.01.2018
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Lateinamerika

Chile und Peru erwarten den Papst

Es ist seine sechste Lateinamerika-Reise als Papst. Mit Chile und Peru besucht Franziskus zwei Länder im politischen Umbruch. Vor allem aber die katholische Kirche kämpft dort mit Skandalen. Darío Menor aus Rom.

Peru Vorbereitungen für Besuch Papst Franziskus (Getty Images/AFP/C. Bouroncle)

Vorbereitung auf den Papstbesuch - hier in Peru

"Mit der Freude des Evangeliums" soll seine Reise "den Frieden, die Einheit und die Hoffnung" in der Region fördern - so beschreibt Vatikan-Sprecher Greg Burke den geplanten Besuch von Papst Franziskus in Chile und Peru.

Der Pontifex wird am Montag zunächst in Chile eintreffen. Er kennt dieses Land gut, da er während seiner Ausbildung bei den Jesuiten mehrere Jahre dort lebte. Es handelt sich allerdings auch um das lateinamerikanische Land, in dem seine Strahlkraft bisher am wenigsten Wirkung gezeigt hat.

Chile: Politische Übergangsphase

Seit dem Sieg des Konservativen Sebastian Piñera bei den Präsidentschaftswahlen im Dezember befindet sich Chile in einer politischen Übergangsphase. Piñera war bereits von 2010 bis 2014 Präsident und wird am 11. März seine zweite Amtszeit antreten. Den Papst empfängt die sozialistische Amtsinhaberin Michelle Bachelet am 16. Januar in Santiago de Chile. Allerdings wird erwartet, dass Piñera ebenfalls an dem Treffen im Präsidentenpalast "La Moneda" teilnehmen wird. 

Chile Sebastian Pinera gewinnt Präsidentschaftswahlen (Getty Images/AFP/M. Bernetti)

Chile: strahlender Wahlsieger Sebastián Piñera mit Gattin Cecilia Morel

Während seines Aufenthaltes in Chile wird Franziskus der Opfer des Militärregimes von Augusto Pinochet (1973-1990) gedenken. In der nordchilenischen Stadt Iquique wird er nach einem offiziellen Gottesdienst Überlebende der Unterdrückung treffen.

Peru: Unruhige Zeiten

Die politische Situation in Peru, in das Franziskus am Donnerstag weiterreist, ist noch angespannter. Landesweit protestieren die Menschen gegen die umstrittene Begnadigung des peruanischen Expräsidenten Alberto Fujimori, die Präsident Pedro Pablo Kuczynski an Heiligabend ausgesprochen hat. 

Peru Lima Protest gegen Begnadigung Alberto Fujimori (picture alliance/AP Photo/M. Mejia)

Peru: Protest gegen Fujimoris Begnadigung "Weg mit den Korrupten" (auf dem Flyer Fujimori und Kuczynski)

Fujimori war wegen Menschenrechtsverletzungen während seiner Präsidentschaft zu 25 Jahren Haft verurteilt worden; seit 2007 saß er in Haft, Kuczynski veranlasste seine Freilassung - nach Meinung seiner Kritiker, im Gegenzug dafür, dass zehn Abgeordnete der Fujimori-Partei Fuerza Popular den Präsidenten mit ihren Stimmen vor der Amtsenthebung bewahrt hatten, die ihm wegen Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit der internationalen Affäre um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht drohte.

Skandale und Proteste

Aber auch die Kirche selbst hat ihre Sorgen in den beiden Ländern: Am vergangenen Mittwoch hat der Vatikan die katholische Institution Sodalicio de Vida Cristiana unter Aufsicht gestellt. Die Organisation mit Hauptsitz in Lima ist weltweit tätig und betreibt unter anderem mehrere Bildungseinrichtungen in Peru und Chile.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Gründer, Luis Fernando Figari, an Entführungen, psychologischem Missbrauch und kriminellen Machenschaften beteiligt gewesen zu sein. Darüber hinaus wird gegen Mitglieder von Sodalicio wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern ermittelt.

Außerdem ist da immer noch der Fall des chilenischen Priesters Fernando Karadima, der 2011 wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt wurde. Mehrere Bischöfe sollen seine Taten gedeckt haben, darunter Juan Barros Madrid, den Papst Franziskus zum Bischof von Osorno, gut 800 Kilometer südlich von Santiago, ernannte.

Chile indigenes Volk der Mapuche (Rosario Carmona)

Fordern mehr Rechte in Chile: die indigenen Mapuche

Viele Chilenen fordern, dass sich Franziskus mit Opfern des pädophilen Priesters trifft, doch das ist nicht vorgesehen. Opfergruppen in Chile und Peru haben angekündigt, den Papst-Besuch mit Protesten zu begleiten. Sie fordern, dass er härter gegen Kriminelle innerhalb der Kirche vorgeht. 

Politische Agenda

Auch Umweltschutz und die Rechte der indigenen Bevölkerung werden die Reise von Franziskus bestimmen. Am Mittwoch wird er sich in Temuco im Süden Chiles mit einer Gruppe von Mapuche treffen. Die Indigenen erheben Anspruch auf diese Region - ein Ziel, das sie nicht allein mit demokratischen Mitteln zu erreichen versuchen: Zuletzt gab es in Chile mehrfach Brandanschläge auf kirchliche Einrichtungen, zu denen sich radikale Mitglieder des Volks der Mapuche bekannten. Kurz vor der Papst-Reise sind drei katholische Kirchen in der chilenischen Hauptstadt Santiago zum Ziel von Anschlägen geworden. Unbekannte warfen in der Nacht zum Freitag Brandsätze auf die Gotteshäuser.

Auch in Peru will der Papst Ureinwohnern begegnen: In der Amazonas-Stadt Puerto Maldonado wird er sich mit 2000 Vertretern der indigenen Völker des Amazonas-Gebietes treffen. Der teilnehmende brasilianische Kardinal Claudio Hummes hat die geplanten Begegnungen von Franziskus mit Vertretern von Amazonas-Völkern als "historisch" und von "tiefer Bedeutung" bezeichnet.  

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Mapuche in Chile kämpfen um ihr Land

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