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Asien

Chen: "Ich brauche Zeit, um mich zu erholen"

Der blinde Bürgerrechtler Chen Guangcheng floh aus dem Hausarrest in die US-Botschaft in Peking. Im DW-Interview zeigt sich Chen optimistisch, dass sich bald seine Situation verbessert und er in die USA ausreisen kann.

Chen Guangcheng (Foto: AP)

Chen Guangcheng

DEUTSCHE WELLE: Herr Chen, Sie befinden sich jetzt immer noch im Krankenhaus. Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Chen Guangcheng: Es geht mir den Umständen entsprechend gut. Nach den Untersuchungen wurden keine größeren Probleme festgestellt. Mein Magen und Darm wurden untersucht. Und es wurde eine chronische Darmentzündung diagnostiziert. Eine Blutung wurde dort unter Kontrolle gebracht. Drei Fußknochen sind gebrochen. Ich trage jetzt einen Gips, liege im Bett und kann nicht laufen.

Sie haben einen Reisepass beantragt. Wissen sie schon, wann Sie ihn bekommen?

Ich habe bereits mit einem Vertreter der Zentralregierung gesprochen. Ich habe gesagt, ich liege jetzt im Bett und kann mich nicht bewegen. Bitte helfen Sie mir, das zu regeln. Er antwortete, die Zentralregierung habe ihren Standpunkt bekannt gemacht, sie werde alles regeln. Ich könne mich darauf verlassen. Aber er hat mir keinen Zeitpunkt genannt.

Im Internet heißt es, Sie stehen auch im Krankenhaus weiter unter Hausarrest. Besuch wird nicht zu Ihnen vorgelassen. Wenn sich ihr Gesundheitszustand verbessert hat, planen Sie dann, in die amerikanische Botschaft zurückzukehren und dort auf Ihren Pass zu warten?

Ich glaube, sie werden mich nicht in die Botschaft zurücklassen. Sie lassen jetzt nicht mal die Diplomaten der US-Botschaft zu mir ins Krankenhaus.

Der US-Vizepräsident Joe Biden versprach eine zügige Bearbeitung Ihres Visumantrags durch die US-Botschaft. Der Menschenrechtsaktivist Bob Fu von der amerikanischen Organisation China Aid sagt, so lange Sie nicht sicher auf amerikanischem Boden gelandet seien, bestehe große Sorge, dass etwas Unvorhersehbares passiert. Sind sie besorgt?

Ich glaube, dass alles passieren kann, auch Unvorhergesehenes. Aber im Großen und Ganzen müssten sich beide Länder an die Vereinbarungen halten. Wenn sich etwas verändert, habe ich zwar wieder neue Probleme, aber ihre sind dann vielleicht größer.

Wissen Sie, wie es Ihrem Neffen Chen Kegui geht? Sorgen sie sich um die Sicherheit Ihrer Familie?

Ich habe gehört, dass er in Polizeigewahrsam genommen wurde. Aber wie seine konkrete Situation ist, weiß ich nicht. Ich mache mir große Sorgen um die Sicherheit meiner Familie. Mein älterer Bruder und seine Familie werden massiv bedroht. Nachdem mir die Flucht aus dem Hausarrest gelungen war, wurden sie gefangen genommen und für längere Zeit ausgeschaltet. Sie können sich vorstellen, wie unverschämt das von den Behörden war: sie schlichen sich nachts in das Haus meines Bruders ein und verprügelten ihn auf brutalste Weise. Er hat sich nur gewehrt. Die Schläger behaupten, sie hätten gegen kein Gesetz verstoßen, aber mein Bruder schon, weil er sich gewehrt habe? Was für eine Logik ist das?

Ich habe auch gehört, dass sie meinen Neffen Chen Kegui brutal zugerichtet haben. Sein Rechtsanwalt darf sich jetzt auch nicht mehr frei bewegen. Gestern habe ich mit Vertretern der Zentralregierung darüber gesprochen. Ich habe ihnen gesagt, die lokalen Behörden kennen kein Gesetz und keine Grenze. Die Leute von der Zentralregierung haben versprochen, das weiterzumelden. Aber ich weiß nicht, ob das was bringt.

Sie sagen, sie wollen für eine begrenzte Zeit in die USA gehen, um sich auszuruhen und um zu studieren. Haben sie vor, in Zukunft nach China zurückzukehren?

Sieben Jahre lang hatte ich nicht einmal ein ruhiges Wochenende. Die ganze Zeit wurde ich von den Behörden schikaniert. Ich brauche wirklich eine gewisse Zeit, um mich zu erholen. Die Leute von der Zentralregierung haben gesagt, die Regierung verpflichte sich, meine von der Verfassung verliehene Freiheit zu garantieren. Ich denke, meine Ein- und Ausreisefreiheit ist geschützt. Die Umsetzung der Vereinbarungen zwischen den USA und China wird die Öffentlichkeit kontrollieren können.

Das Interview führte Yutong Su

Übersetzt von Christoph Ricking

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