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Bildung

Chefin für einen Tag

Ein großes Büro, ein flotter Dienstwagen und viele Termine – die Schülerin Kristina van Vorst hat ausprobiert, wie es ist, Chefin zu sein. Sie hat für einen Tag den Job der Rektorin an der Uni Münster. übernommen.

Voller Terminkalender: Die Rektorin für einen Tag an ihrem Schreibtisch (Foto: Anna-Lotta Liss)

Voller Terminkalender: Die Rektorin für einen Tag an ihrem Schreibtisch

Großer Auftritt: Kristina weiht ein neues Labor ein (Foto: Peter Grewer)

Großer Auftritt: Kristina weiht ein neues Labor ein

Für Kristina van Vorst geht an diesem Morgen alles Schlag auf Schlag. Ihr nächster offizieller Termin als Uni-Rektorin ist um 9 Uhr 45, das teilt ihr die Sekretärin mit. Dann soll sie die Rektoratssitzung leiten. Kristina lächelt, nickt und die Sekretärin trägt den nächsten Punkt im Terminkalender vor. Kristina sitzt als "Chefin für einen Tag" in ihrem neuen holzvertäfelten Büro. Um einen runden Tisch sind ihre engsten Mitarbeiter versammelt: eine persönliche Assistentin, zwei Sekretärinnen, der Pressesprecher der Universität und eine weitere Assistentin.

Letzter Schliff: Kristina und Referentin Ninja Schmiedgen feilen an einer Rede (Foto: Anna-Lotta Liss)

Letzter Schliff: Kristina und Referentin Ninja Schmiedgen feilen an einer Rede

"Am Abend fahren Sie zu unserem neuen Schüler-Labor und werden es als Rektorin eröffnen“, sagt die Sekretärin. Für einen kurzen Moment ist es ganz still. Dass sie vor mehr als 100 Gästen eine Rede halten muss, damit hatte die Schülerin nicht gerechnet: "Vor so vielen Leuten ist das schon ziemlich aufregend", sagt sie nach der Besprechung. “Aber meine persönliche Referentin hat schon einen Text vorbereitet. Den müssen wir später noch an meinen Sprachstil anpassen.“

In der Schule für den Chefposten beworben

Kristina van Vorst geht in die 12. Klasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Münster. Ihr Sozialwissenschaftskurs hatte sich bei der Aktion "Chef für einen Tag" beworben. Im Unterricht wurde gerade das Thema "Wirtschaftsunternehmen“ behandelt und die Schüler wollten wissen, wie der Job eines Managers in der Praxis aussieht. Sie drehten ein Bewerbungsvideo und setzten sich im Wettbewerb gegen mehr als 50 andere Schulen durch. Die Rektorin der Uni Münster, Ursula Nelles, besuchte den Unterricht und stellte sich den Fragen der Jugendlichen. Außerdem fuhr der Kurs auf ein Casting-Wochenende, auf dem der "Chef für einen Tag“ ausgesucht wurde.

Verantwortung kann Spass machen

Es gab Gruppendiskussionen, Intelligenztests und Bewerbungsgespräche, wie im richtigen Leben. Am Ende fiel die Wahl der Personalberater auf Kristina van Vorst. Sie sei sehr motiviert gewesen und habe gezeigt, dass sie andere überzeugen könne, sagt Susanne Theisen-Canibol, die die Aktion "Chef für einen Tag“ mitorganisiert. Die Zeitschrift "Focus Money“ und die "Stiftung Lesen“ haben das Projekt ins Leben gerufen. Ziel ist es, junge Menschen in Kontakt mit der Wirtschaft zu bringen. "Der Wettbewerb soll ihnen zeigen, dass es Spaß machen kann, Verantwortung zu übernehmen.“

Auch Chefs können nicht alles wissen

Was Kristina werden möchte, weiß sie noch nicht genau. Sie überlegt, Psychologie zu studieren. Ob sie später Chefin werden will, kann sie noch nicht sagen: "Vielleicht finde ich ja heute heraus, ob das was für mich ist“. Viel Zeit, um darüber nachzudenken, bleibt ihr an diesem Vormittag nicht. Sie fährt von der Rektoratssitzung zu einem Gespräch in der medizinischen Fakultät und von dort mit dem Dienstwagen weiter zum nächsten Termin.

Aufgeregt: Kristina kurz vor ihrer Rede; links Markus Lewe, Oberbürgermeister von Münster; rechts Ursula Nelles, Rektorin der Uni Münster (Foto: Anna-Lotta Liss)

Aufgeregt: Kristina kurz vor ihrer Rede (links Markus Lewe, Oberbürgermeister von Münster, rechts Ursula Nelles, Rektorin der Uni Münster)

"Es ist ziemlich stressig“, ist ihr Fazit am Mittag. Zu jedem Termin bekomme sie von ihrer Referentin einen Zettel mit den wichtigsten Informationen. Eine gründliche Vorbereitung sei zeitlich leider nicht möglich. Auch das Mittagessen fällt knapp aus. Bei Käsebrötchen und Tee im Büro bereitet Kristina mit ihrer Assistentin die Rede für den Abend vor. Die Chefin liest den Text laut vor. Was nicht flüssig über die Lippen geht, wird umformuliert.

Nervös sein und trotzdem lächeln

Ein paar Stunden später ist es dann soweit. Kristina steht im Physik-Hörsaal am Rednerpult. Im Publikum sitzen etwa 100 Schüler, Lehrer und Uni-Mitarbeiter. Auch Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe ist da, genauso wie NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze und die echte Rektorin der Uni, Ursula Nelles. "Sehr geehrte Frau Ministerin, sehr geehrter Oberbürgermeister“, beginnt sie. Der Text sitzt. Einen kleinen Stolperer überspielt sie gekonnt mit einem Lächeln. Das Publikum klatscht und Kristina ist erleichtert: "Jetzt, wo alles vorbei ist, fühle ich mich viel, viel besser.“ Und auch Ursula Nelles ist zufrieden: „ Meine Stellvertreterin hat sich tapfer geschlagen.“ Für Kristina van Vorst geht ein langer Arbeitstag zu Ende. Sie ist hungrig und müde. "Es war toll, die Arbeit einer Chefin für einen Tag zu erleben“, fasst sie zusammen. "Aber jeden Tag so einen straffen Zeitpan zu haben, das wäre mir zu viel.“

Autorin: Anna-Lotta Liss

Redaktion: Gaby Reucher

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