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Migrantenschicksal im Transit

Chefanklägerin: "Libyen ist ein Marktplatz für den Menschenhandel"

Seit Jahresbeginn sind schon 1300 Migranten im Mittelmeer ertrunken. Die meisten riskierten die Überfahrt von Libyen aus. In dem nordafrikanischen Staat selbst werden viele Flüchtlinge Opfer von Gewalt und Verbrechen.

Lage der Flüchtlinge in Libyen (picture-alliance/dpa/B. Schwinghammer)

Auffanglager für Flüchtlinge im libyschen Misrata

Die Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) schlägt Alarm: Man sammle und untersuche höchst brisante und glaubwürdige "Informationen zu schwerwiegenden und weit verbreiteten Verbrechen an Migranten" im nordafrikanischen Libyen, berichtete Fatou Bensouda dem Weltsicherheitsrat in New York. Libyen sei ein "Marktplatz für den Handel mit Menschen" geworden, prangerte Bensouda Gewaltakte von Misshandlungen bis zu Mord an. 

Fatou Bensouda Chefanklägerin am ICC (ICC)

Engagierte Juristin aus Gambia: Fatou Bensouda

Tausende Migranten, darunter Frauen und Kinder, würden zudem in Gefangenenlagern festgehalten. Dort seien "Verbrechen wie Tötungen, Vergewaltigungen und Folter mutmaßlich alltäglich", sagte die afrikanische Juristin, die seit 2012 Chefanklägerin des Haager Gerichts ist.

Der IStGH überprüfe deshalb "sorgfältig die Möglichkeit, Ermittlungen zu Verbrechen im Zusammenhang mit Migranten in Libyen einzuleiten".

Video ansehen 02:08

Elend in Libyens Gefangenenlagern

Leichen am Strand 

Libyen ist eines der wichtigsten Transitländer auf dem Weg nach Europa. Flüchtlinge aus Afrika, aber auch aus Syrien und anderen Ländern im Nahen Osten, treten von dort aus die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer meist ins rund 300 Kilometer entfernte Italien an.

Erst am Montag waren beim Untergang von zwei Flüchtlingsbooten im Mittelmeer nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens elf Menschen ertrunken, zehn Frauen und ein Kind. Ihre Leichen wurden an einem Strand in Libyen gefunden. Mehr als 230 weitere Menschen galten zunächst als vermisst.

Boote überladen 

Seit Jahresbeginn sind im Mittelmeer laut UN mehr als 1.300 Flüchtlinge ertrunken. Von 37 Menschen, die die gefährliche Überfahrt wagten, sterbe einer, sagte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Genf. Vor einem Jahr sei statistisch nur einer von 136 Flüchtlingen ertrunken. Grund dafür sei auch, dass heute doppelt so viele Flüchtlinge auf ein Boot gezwängt würden als im vergangenen Jahr. Auch habe nur noch jedes zweite Boot ein Satellitentelefon dabei. Die Sprecherin lobte ausdrücklich Hilfsorganisationen für ihren Einsatz im Mittelmeer. Ohne sie gäbe es deutlich mehr Tote.

Mittelmeer Küste Libyen Rettungsaktion Flüchtlinge (Reuters/D. Zammit Lupi)

Immer mehr Flüchtlinge werden auf die Boote gezwängt

Schleuser gehen nach Einschätzung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) immer skrupelloser mit den Geflohenen um. So hätten gerettete Flüchtlinge berichtet, wie ihnen bewaffnete Männer vor Libyens Küste Außenbordmotoren und Mobiltelefone gestohlen hätten. Das manövrierunfähige Schiff sei später nur zufällig gefunden worden. Ein IOM-Sprecher meinte, den Schleusern in Libyen fehle offenbar der Nachschub an Ausrüstung.

SC/ww (epd, afp, APE)

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