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Politik

Chefankläger: Tausende Kriegsverbrechen in Darfur

Der Chefankläger des internationalen Strafgerichtshofs, Ocampo, hat dem UN-Sicherheitsrat Beweise für tausende Kriegsverbrechen in Darfur vorgelegt. Zivilisten seien in regelrechten Massakern getötet worden.

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Luis Moreno Ocampo

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag (ICC) hat tausende Morde und mehrere hundert Fälle von Vergewaltigung in der sudanesischen Provinz Darfur untersucht. Sein Chefankläger Luis Moreno Ocampo teilte dem Weltsicherheitsrat am Mittwochabend (14.6.2006) in New York mit, dass sein Team "eine erhebliche Zahl von Massakern im großen Stil mit jeweils hunderten Opfern" in Sudans Krisenregion dokumentiert habe. Die Hauptschuldigen für diese Kriegsverbrechen zur Rechenschaft zu ziehen, habe für ihn Priorität, betonte Ocampo. Es werde eine Serie von Anklagen geben. Wie die Vereinten Nationen weiter mitteilten, gebe es zudem Hinweise auf den Tod von tausenden Zivilisten, die vor den Kämpfen fliehen mussten. Die Ermittlungen würden aber durch die Vielschichtigkeit der Konfliktlinien und der Vielzahl der beteiligten Parteien erschwert.

Flüchtlingslager in Darfur

Flüchtlingslager in Darfur

Die Vereinten Nationen hatten dem Internationalen Strafgerichtshof 2005 mit der Ermittlung von Massakern und Kriegsverbrechen in Darfur beauftragt. UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte Ocampo vor einem Jahr einen versiegelten Umschlag mit 51 Namen mutmaßlicher Kriegsverbrecher gegeben. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen stehen auf der Liste Namen von Mitgliedern der sudanesischen Regierung und von Anführern der von ihr unterstützten Reitermilizen, aber auch der gegen sie kämpfenden Rebellengruppen.

Welthungerhilfe stellt Arbeit ein

Die Deutsche Welthungerhilfe hat ihre Verteilung von Hilfsgütern in Darfur inzwischen wegen anhaltender Kämpfe zwischen Rebellengruppen eingestellt. 385.000 Menschen bekämen im Juni keine Nahrungsmittel und seien somit vom Hungertod bedroht, teilte die Organisation am Mittwoch in Bonn mit. Die Deutsche Welthungerhilfe befürchtet nun neue Flüchtlingsströme. Seit Wochen bekämpfen sich verschiedene Gruppierungen der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA) im Bürgerkriegsgebiet.

Der Friedensvertrag von Anfang Mai 2006 zwischen der Regierung in Khartum und der SLA wird nicht von allen Rebellengruppen anerkannt. Gebiete der SLA seien für Hilfsorganisationen nicht mehr zugänglich, erklärte die Welthungerhilfe. Viele Menschen hätten Anfang Mai die letzte Monatsration bekommen. Auch die Verteilung von Saatgut sei eingestellt worden, so dass die Menschen vor der anstehenden Regenzeit nichts mehr aussäen könnten. Die nächste Ernte falle aus.

In den mehr als drei Jahren seit dem Beginn des Bürgerkriegs zwischen Rebellen, der Armee und regierungstreuen Milizen sind in Darfur im Westen des Sudan zehntausende Menschen ums Leben gekommen. Mehr als zwei Millionen Bewohner flohen. (kas)

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