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Aktuell Welt

Chef des Gaskonzerns der Ukraine in Haft

Die neue Regierung der Ukraine hat sich auch den Kampf gegen die Korruption auf die Fahnen geschrieben. Jetzt haben die Ermittlungsbehörden zu einem spektakulären Schlag ausgeholt.

Die ukrainischen Justizbehörden haben den Chef des staatlichen Energiekonzerns Natfogas wegen Korruptionsverdacht festgenommen. Jewgeni Bakulin stehe als Anführer einer "kriminellen Bande" im Verdacht, während der Amtszeit des gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch umgerechnet mindestens 2,9 Milliarden Euro veruntreut haben, teilte Innenminister Arsen Awakow mit. Mit Blick auf das Ziel, die ausufernde Korruption in der ehemaligen Sowjetrepublik zu bekämpfen, formulierte der Politiker einen bemerkenswerten Satz: Die Ermittlungen gegen Bakulin seien auch wichtig, "als eine Art Impfung gegen Korruption in der neuen Regierung."

"Vier Milliarden Euro Schaden"

Zu der von Bakulin geführten Bande gehörten auch führende Mitglieder der jetzigen und der ehemaligen Regierung, erklärte Awakow weiter. "Der Schaden für den Staat wird auf rund vier Milliarden Dollar geschätzt. Und das betrifft noch lange nicht alle zweifelhaften Geschäfte, die die Aufmerksamkeit der Ermittler auf sich gezogen haben", so der Innenminister. Die aufgedeckten Korruptionsmechanismen hätten nur in einem "Kontext von Toleranz und heimlichem Einverständnis auf höchster Ebene der Vorgängerregierung, des Innenministeriums und der Staatsanwaltschaft" entstehen können, betonte Awakow.

Gas-Pipeline in der Ukraine (Foto: Imago)

Gas-Pipeline in der Ukraine

Nach ukrainischen Medienberichten wurden der Sitz von Naftogas in Kiew und auch das Haus des ehemaligen Energieministers Eduard Stawizki durchsucht. Der Staatskonzern ist für den Import und die Verteilung russischen Erdgases in der Ukraine verantwortlich. Naftogas hat auch das Monopol auf den Transport des Erdgases vom russischen Konzern Gazprom durch die Ukraine nach Westeuropa. Naftogas schuldet Gazprom für die Importe rund 1,4 Milliarden Euro.

Der ukrainische Oligarch Firtasch (Foto:ITAR-TASS)

Der ukrainische Oligarch Firtasch

Riesige Kautionssumme

In Österreich wurde derweil der von den USA mit Haftbefehl gesuchte ukrainische Oligarch Dmitri Firtasch nach Zahlung einer Kaution von 125 Millionen Euro aus der Auslieferungshaft entlassen. Firtasch habe zusichern müssen, Österreich nicht zu verlassen, erklärten die Behörden in Wien. Die Freilassung des 48-Jährigen hatte sich um mehrere Tage verzögert, da die österreichische Polizei klären musste, ob die Herkunft der Kautionsgeldes legal ist. Es handelt sich höchste Kaution der österreichischen Rechtsgeschichte.

Firtasch ist einer der reichsten Ukrainer und verfügte insbesondere während der Amtszeit von Janukowitsch über großen Einfluss. Nach den Massenprotesten in Kiew war er nach Russland geflüchtet. Seine Holding Group DF ist in Wien registriert. Die US-Bundespolizei FBI ermittelt seit 2006 gegen Firtasch. Dem Unternehmer wird Bestechung und die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.

wl/hf (dpa, afp, rtr)