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Luftfahrt

Chef der bolivianischen Fluggesellschaft LaMia nach Absturz festgenommen

Nach dem Absturz einer bolivianischen Chartermaschine hat die Polizei LaMia-Chef Gustavo Vargas festgenommen. Bei dem Unglück waren 71 Menschen ums Leben gekommen. Die Ermittler hegen einen schlimmen Verdacht.

Der bolivianische Generalstaatsanwalt Ramiro Guerrero sagte, bei der Befragung des LaMia-Chefs Gustavo Vargas gehe es zunächst um ein mögliches sträfliches Vernachlässigen von Sicherheitsbestimmungen. "Aber es könnte sehr schnell zu einem Verfahren wegen Totschlags werden", sagte der Chefermittler in der bolivianischen Hauptstadt La Paz. Bei der Razzia in den Büros der Fluggesellschaft (Artikelbild) wurden neben dem Chef auch zwei weitere Mitarbeiter festgenommen.

Fluggesellschaft LaMia - Razzia - Gustavo Vargas (picture alliance/dpa/Stringer)

Der Chef der Chartergesellschaft LaMia, Gustavo Vargas

Es verdichteten sich zuletzt Hinweise, dass die Fluggesellschaft LaMia schon häufiger zu wenig Treibstoff an Bord der Maschinen hatte - auch beim Unglücksflug am 28. November. So soll laut Angaben des Internetportals "FlightRadar 24h", das weltweit Flugbewegungen analysiert, die Maschine vom Typ Avro RJ85 für 4:22 Stunden Kerosin getankt haben. Der Flug von Santa Cruz ins kolumbianische Medellín dauert 4:20 Minuten. Vorgeschrieben ist aber, dass Treibstoffmengen deutlich über der berechneten Flugzeit sein müssen, um zum Beispiel Landungen an anderen Flughäfen zu ermöglichen. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass die Gesellschaft einen Tankstopp einsparen wollte.

Lionel Messi in Gefahr?

Boliviens Verteidigungsminister Reymi Ferreira hatte am Montag den bei dem Absturz gestorbenen Piloten und Miteigentümer der kleinen Chartergesellschaft für das Unglück verantwortlich gemacht. "Der Pilot hat das Flugprotokoll verletzt. Es gab ein wirtschaftliches Kriterium, um Kosten zu sparen, das die Tragödie verursacht hat", so Ferreira.

Das Online-Portal "Folha de S. Paulo" berichtete unter Berufung auf "FlightRadar 24h", dass auch die argentinische Fußball-Nationalmannschaft um Superstar Lionel Messi in dem Unglücksflugzeug geflogen sei - ebenfalls mit knapp kalkuliertem Treibstoff. Demnach war das Team am 11. November nach dem WM-Qualifikationsspiel gegen Brasilien in Belo Horizonte mit LaMia nach Buenos Aires geflogen. Der Flug dauerte 4:04 Stunden, nur knapp 20 Minuten weniger als eine vollgetankte Avro RJ85 maximal fliegen kann.

Auch beim Unglücksflug am 28.11. war eine Fußballmannschaft an Bord: Die Profis des brasilianischen Vereins AF Chapecoense sowie ihre Trainer und Betreuer wollten zum Pokalendspiel nach Medellín fliegen. Kurz vor der Landung stürzte das Flugzeug wegen Treibstoffmangels ab. 71 Menschen starben, darunter fast alle Spieler der Mannschaft. Der Fluglinie LaMia wurde die Lizenz entzogen.

mak/sti (rtr, dpa, ap)