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Filme

Che im Kino

Auf T-Shirts und Postern ist das Konterfei von Che Guevara immer noch ein Hit. Auch als Kinofigur war Che schon zu sehen. Jetzt kommt eine weitere Filmbiografie in die Lichtspielhäuser. Mit dabei auch: Franka Potente.

Che Guevara (Benicio Del Toro, l) raucht im Kinofilm Che - Revolucion mit seinem Freund und Capitan einer Rebelleneinheit Camillo Cienfuegos (Santiago Cabrera) eine Zigarre (undatiertes Szenenfoto). Den Aufstieg Ches zum kubanischen Volkshelden zeichnet Regisseur Steven Soderbergh im ersten Teil seiner zweiteiligen Filmbiografie nach. Der Film startet am 11.06.2009 in den deutschen Kinos. Foto: Centrafilm dpa (zu dpa-Kinostarts vom 04.06.2009 - ACHTUNG: Verwendung nur für redaktionelle Zwecke im Zusammenhang mit der Berichterstattung über diesen Film!) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Rauchend zur Revolution: Che (links) und Mitstreiter

Der Film dürfte zu heftigen Diskussionen führen. "Che" ist nämlich über weite Strecken ein mitreißender Kinofilm mit einem überragenden Hauptdarsteller. Ein - vor allem im ersten Teil - eindrucksvolles Geschichtsepos, künstlerisch inspiriert, aufregend montiert. Auch ein Film aus Hollywood, der gegen so manche Hollywood-Gesetze verstößt: eine mit amerikanischem Geld finanzierte Produktion, die in spanischer Sprache gedreht wurde, den aus Puerto Rico stammenden Benicio del Toro als Hauptdarsteller präsentiert und eine Ikone der linken Weltrevolution porträtiert. Ein Film zudem, der sich vor allem auf das individuelle Schicksal des Porträtierten konzentriert, und der in vielen kleinen, fast impressionistischen Szenen versucht, seiner Hauptfigur näher zu kommen.

Che im Wald, Pfeife rauchend und sprechend (Senator Film)

Doziert gern im Urwald: Che Guevara (Benicio del Toro).

Unvollständiges Che-Bild

Und das dürfte gleichzeitig das Problem des Films werden, das ihn auch angreifbar machen wird. Auf eine vollständige Ausleuchtung des Charismatikers Che Guevara verzichtet der Film nämlich, auch auf so manches historische Detail. Was fehlt, sind zum Beispiel die - nach neuen Forschungen belegten - dunkleren Puzzleteile im Leben des Che Guevara. Dass der Revolutionär ein glühender Stalin-Anhänger war, ein Theoretiker, der das Ideal konsequent über die Praxis stellte. Und dass er während der kubanischen Revolution auch selbst Vollstrecker von Todesurteilen gewesen ist. All das bringt der Film nicht oder kaum zur Sprache.

In Abendgaderobe: Soderbergh und Potente (Hubert Boes dpa)

Revolutionärer Chic: Soderbergh und Potente in Cannes 08

Porträt eines Gescheiterten

Der amerikanische Regisseur Steven Soderbergh, einer der interessantesten, weil künstlerisch experimentierfreudigsten Filmemacher seines Landes, hat Che als weitausholende zweiteilige (260 Minuten) Filmbiografie in Szene gesetzt. Im ersten Teil (Che - Revolucion) verfolgt der Zuschauer den am Ende erfolgreichen Aufstand in Kuba. Der zweite Teil (Che - Guerrilla) schildert dann detailreich und akribisch das deprimierende Scheitern Ches im Urwald Boliviens und den Tod des Revolutionärs durch Hinrichtung.

Che und Kompagnion unter Bäumen (Senator Film)

Revolution heißt auch Warten

Facetten eines Revolutionärs

Soderbergh und sein Drehbuchautor Peter Buchman, der sich dabei auf die Tagebücher Ches gestützt hat, konzentrieren sich ganz auf ihre Hauptfigur. Die Detailfreudigkeit bei der Vorbereitung der militärischen Schachzüge wird ebenso ausführlich beschrieben wie die akribische Planung der Revolution auf Kuba. Das Gleiche gilt dann auch für die verzweifelten und bald sinnlosen Märsche durch das bolivianische Hinterland. Der Tatsache, dass Che ausgebildeter Arzt und Chirurg war, wird ebenso viel Platz eingeräumt wie der schweren Asthmaerkrankung des gebürtigen Argentiniers. Auch die Auftritte vor der UNO im Jahre 1964 sowie Gespräche Ches mit der internationalen Presse werden immer wieder in den Fluss der Haupthandlung montiert.

Bnicio del Toro vor großem Che-Plakat bei Premiere in Spanien (Alberto Estevez dpa)

Benicio del Toro und Filmvorbild

Zwiespältige Eindrücke

So ist zwar kein weiteres Märtyrerbild des auch heute noch in der ganzen Welt verehrten Revolutionsführers entstanden - dafür ist der Alltag in den Wäldern zu prosaisch geschildert -, aber auch kaum ein kritischer Blick auf Che Guevara gewagt worden. Steven Soderbergh hat sich - bei aller künstlerischen Reife und ausgeklügelten filmischen Finessen - um eine Haltung gedrückt. Das könnte man dem Film vorwerfen. Man kann ihn aber auch bewundern, für seine detailfreudige und geduldige Inszenierung, für den Verzicht auf vordergründige Action und für das überwältigende Spiel seines Hauptdarstellers Benicio del Toro, der dafür im vergangenen Jahr in Cannes völlig zu Recht die Goldene Palme als bester Hauptdarsteller gewonnen hat.

Franka Potente als "Tania, la Guerrillera"

Potente blickt Che an, der nur in der Rückansicht (Senator Film)

Che: Vorbild und Held für Tamara Bunke (Franka Potente)

Und eine deutsche Schauspielerin darf auch mitmischen. Franka Potente setzt ihre inzwischen regelmäßigen Auftritte in internationalen Filmproduktionen fort. In "Che" spielt sie eine junge deutsche Revolutionärin, die in Bolivien Che sowohl im Urwald als auch in der Öffentlichkeit unterstützt. Auch diese Figur ist eng an eine authentische Figur angelehnt. Als "Tania, la Guerrillera" war die aus Ostdeutschland stammende Tamara Bunke wochenlang an der Seite Che Guevaras. Zwei Monate vor der Hinrichtung ihres großen Vorbildes wurde auch die Deutsche in Bolivien erschossen. Für Franka Potente dürfte der Auftritt in dieser internationalen Co-Produktion ein weiterer wichtiger Karriereschritt sein.

Autor: Jochen Kürten

Redaktion: Aya Bach

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